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Kolumne „Mein Urteil“ : Darf man am Arbeitsplatz unfreundlich sein?

  • -Aktualisiert am

Jeder kann sich mal im Ton vergreifen, auch im Büro. Das darf aber nicht nach außen dringen. Bild: Picture-Alliance

Jeder ist schon mal mit dem falschen Fuß aufgestanden. Und auch unter Zeitdruck kann der Ton im Büro rauher werden. Wann aber ist Unfreundlichkeit am Arbeitsplatz ein Grund für eine Abmahnung?

          Das kommt auf die Situation an. Aber zumindest dort, wo die Kommunikation mit Kunden oder Geschäftspartnern zum Tagesgeschäft gehört, kann der unfreundliche Auftritt eines Arbeitnehmers auch ein vertragswidriges Verhalten sein. In einem aktuellen Urteil hat das Landesarbeitsgericht (LAG) in Schleswig-Holstein jedenfalls eine Abmahnung für wiederholtes unfreundliches Verhalten gegenüber Kunden und Schulungsteilnehmern durch einen Ausbildungsberater für rechtmäßig befunden und die von ihm geforderte Anordnung zur Entfernung aus der Personalakte abgelehnt (Az. 2 Sa 17/14).

          In dem genannten Fall hatte ein Berufsberater eine E-Mail-Anfrage eines an der Fortbildung zum Meister teilnehmenden Handwerkers zu der richtigen Anmeldung zur Prüfung zunächst in belehrendem und maßregelndem Tonfall ebenfalls per E-Mail beantwortet.

          Auf die höflich verfasste Beschwerde des Empfängers hatte der Berufsberater wiederum seine Unfreundlichkeit mit dem Verweis auf die zahlreichen, nervigen Anrufe der „angehenden Meister“ zu diesem Thema begründet. Der verbale Schlagabtausch führte dazu, dass der Handwerker den Berater negativ beurteilte.

          Kein Einzelfall

          Die daraus resultierende Abmahnung des Arbeitgebers haben sowohl das Arbeitsgericht Elmshorn als auch das Landesarbeitsgericht für wirksam gehalten. Dabei stellte das LAG Schleswig-Holstein zutreffend fest, dass es ein notwendiger Bestandteil der Arbeitsaufgaben des Berufsberaters war, mit externen Dritten zu kommunizieren, und es zugleich eine berechtigte Anforderung des Arbeitgebers war, dass die Gesprächspartner den Austausch nicht als unfreundlich empfinden.  Schließlich sei der Arbeitnehmer in seiner Funktion auch Teil der Außendarstellung des Arbeitgebers gegenüber der Öffentlichkeit.

          Anja Mengel ist Partner der Kanzlei Altenburg Fachanwälte für Arbeitsrecht in Berlin.

          Werde die Kommunikation aus externer Sicht als unfreundlich empfunden, liege darin eine abmahnungsfähige Verletzung der Arbeitspflicht vor. Die Richter haben auch zu Recht die Einwände des Arbeitnehmers nicht gelten lassen, die Abmahnung sei unverhältnismäßig, weil es um einen Einzelfall gegangen sei und der Arbeitgeber insoweit eine gewisse „Fehlerquote“ zu tolerieren habe.

          Das Urteil stellt außerdem darauf ab, dass der Arbeitgeber auch einmalige Unfreundlichkeiten in der externen Kommunikation nicht hinnehmen müsse und der Berater im Rahmen der E-Mail-Kommunikation auch nicht spontan über das Telefon, sondern vielmehr erkennbar überlegt in schriftlicher Form reagiert habe. Das Urteil ist sicherlich der ideale Anlass für viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer, über die formalen Anforderungen in der Kundenkommunikation und deren professionelle Umsetzung gründlich nachzudenken.

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