https://www.faz.net/-gyl-8p2dt

Kolumne „Mein Urteil“ : Wie kann ich bei einer Abfindung Steuern sparen?

  • -Aktualisiert am

Wann die Abfindung ausgezahlt wird, ist für die Steuer alles andere als unerheblich. Bild: dpa

Wer seine Stelle verliert und dafür eine Abfindung bekommt, muss den „goldenen Handschlag“ versteuern. Was viele nicht wissen: Der Zeitpunkt, wann die Abfindung bezahlt wird, ist alles andere als egal.

          Abfindungszahlungen für den Verlust des Arbeitsplatzes führen zu einem einmaligen Zusatzeinkommen und damit auch zu einer höheren Steuerlast. Besondere Freibeträge für die Versteuerung gibt es schon lange nicht mehr. Abfindungen müssen vielmehr von jedem Arbeitnehmer mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Für dessen Höhe kommt es auf das Gesamtjahreseinkommen an.

          Bei Abfindungen, die zum Jahresende vereinbart werden, kann sich somit ein Gestaltungsspielraum ergeben, etwa wenn der begünstigte Arbeitnehmer im neuen Jahr mit weniger Einkünften als im laufenden Jahr rechnen muss. Allerdings sollte man darauf achten, dass der gewünschte Auszahlungszeitpunkt eindeutig im Aufhebungsvertrag festgelegt wird. Das geht aus einer neuen Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts hervor (8 AZR 757/14).

          Marcel Grobys ist Inhaber einer Kanzlei für Arbeitsrecht in München.

          Im Streitfall hatten die Parteien eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum Jahresende vereinbart und festgelegt, dass die Abfindung „im Januar“ des Folgejahres gezahlt werden sollte. Tatsächlich zahlte der Arbeitgeber den Betrag schon mit der Gehaltsabrechnung im Dezember.

          Zeitpunkt der Zahlung muss für Arbeitgeber eindeutig erkennbar sein

          Damit war für die Besteuerung das Einkommen im Beendigungsjahr maßgeblich. Der Arbeitnehmer machte daraufhin einen Steuerschaden, der ihm durch die vorzeitige Auszahlung entstanden war, vor Gericht geltend. Das BAG hielt die Klage jedoch für unbegründet. Der Arbeitgeber hat nach seiner Ansicht mit der Auszahlung im Dezember keine Rechtspflicht verletzt. Nach der gesetzlichen Grundregel ist es jedem Schuldner gestattet, eine Leistung auch vor der vereinbarten Fälligkeit zu bewirken. Davon hatte das Unternehmen Gebrauch gemacht. Eine abweichende Regelung, die eine vorfällige Zahlung ausschließen könnte, hatten die Parteien nicht getroffen.

          Es waren auch sonst keine Anhaltspunkte dafür erkennbar, dass die Parteien eine vorzeitige Auszahlung verhindern wollten. Insbesondere fehlte es in dem Vergleichstext an den nötigen Formulierungen wie „erst“ beziehungsweise „frühestens“ oder „spätestens“. Auch wenn ein Arbeitnehmer ein Interesse daran haben kann, die Abfindung im Hinblick auf eine bestimmte Besteuerung nicht vorfällig zu erhalten, muss das für den Arbeitgeber eindeutig erkennbar sein.

          Es gibt keinen allgemeinen Grundsatz, dass eine vorzeitige Auszahlung der Abfindung stets nachteilig für den Mitarbeiter ist. Auch aus der Rechtsnatur des Prozessvergleichs ergibt sich nicht, dass Abfindungszahlungen grundsätzlich nicht vor ihrer Fälligkeit vom Arbeitgeber erfüllt werden dürften. Nach dem Urteil ist eine vorfällige Zahlung durch den Arbeitgeber also nur dann ausgeschlossen, wenn dies ausdrücklich vereinbart wurde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sommer in New York

          Gefährliche Hitzewelle : Amerikas Sommer der Extreme

          In vielen Gegenden Amerikas herrschen derzeit gefährlich hohe Temperaturen. Städte wie New York müssen sich in Zukunft auf noch extremere Sommer einstellen, warnen Klimaforscher.
          Boris Johnson: Favorit auf das Premierministeramt in Großbritannien

          Großbritannien : CDU traut Boris Johnson positive Überraschung zu

          Boris Johnson dürfte heute das Rennen um die Regierungsspitze für sich entscheiden. Aus der CDU bekommt er Lob für seine Intelligenz. Der frühere Premier Tony Blair hält einen Brexit ohne Abkommen für ausgeschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.