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Kolumne „Mein Urteil“ : Was darf ich während einer Krankschreibung noch tun?

  • -Aktualisiert am

Doris-Maria Schuster ist Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin der Kanzlei Gleiss Lutz. Bild: Gleiss Lutz

Über Facebook Fotos posten, im Wald spazieren gehen oder gar ein Vorstellungsgespräch führen - was dürfen krankgeschriebene Arbeitnehmer tun? Und wann müssen sie zu Hause das Bett hüten?

          Der zu leichtfertige Umgang mit sozialen Netzwerken wie Facebook ist schon manchem Arbeitnehmer zum Verhängnis geworden. Dies gilt insbesondere für Zeiten, in denen ein Mitarbeiter arbeitsunfähig erkrankt ist und eigentlich das Bett hüten müsste. Sehr zur Überraschung der Chefs tauchen während einer solchen Arbeitsunfähigkeit auf Facebook häufig Fotos, Chats oder sonstige Korrespondenz auf, die den erkrankten Mitarbeiter beim ausgelassenen Feiern, bei der Ausübung einer Nebenbeschäftigung oder im Urlaub zeigen. Das führt bei Arbeitgebern regelmäßig zu der Frage, ob der Mitarbeiter das darf.

          Die Antwort hängt von den Umständen des Einzelfalls, insbesondere der Art der Erkrankung, ab. Zunächst einmal ist jeder Arbeitnehmer aus seinem Arbeitsverhältnis heraus verpflichtet, auf die Interessen seines Arbeitgebers Rücksicht zu nehmen. Er muss deshalb während einer Krankheit alles unterlassen, was seine schnelle Gesundung hinauszögert. Das heißt jedoch nicht, dass der Mitarbeiter nicht seine Wohnung verlassen darf und sich aller Sozialkontakte enthalten muss. Nach einem aktuellen Urteil des Landesarbeitsgerichts Mecklenburg-Vorpommern hängt es vielmehr von der jeweiligen Krankheit ab, was man trotz Krankschreibung darf und was nicht mehr erlaubt ist (Az.: 5 Sa 106/12).

          Vorstellungsgespräch während der Arbeitsunfähigkeit

          In dem Fall hatte ein Abteilungsleiter während seiner Arbeitsunfähigkeit ein Vorstellungsgespräch für eine Geschäftsführerposition bei einem anderen Arbeitgeber geführt. Davon hatte sein Chef aus der Zeitung erfahren und ihm fristlos gekündigt. Zu Unrecht. Dem Abteilungsleiter konnte weder „genesungswidriges Verhalten“ noch Arbeitsverweigerung oder das Vortäuschen einer Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen werden. Im Laufe des Verfahrens hatte sich nämlich herausgestellt, dass er seinen rechten Arm wegen eines eingeklemmten Nervs nicht belasten durfte. Nach Ansicht der Richter gab es keine Hinweise dafür, dass das Führen eines Bewerbungsgesprächs den Heilungsverlauf dieser Krankheit ernsthaft gefährdet hat. Die Kündigung war deshalb unwirksam.

          Erkrankten Arbeitnehmern sei daher angeraten, mit ihrem behandelnden Arzt abzustimmen, welchen Aktivitäten sie während ihrer Krankschreibung nachgehen können und welchen nicht. Für betroffene Arbeitgeber heißt das: Bevor sie zur Kündigung greifen, sollten sie zunächst den Mitarbeiter nach der Art seiner Erkrankung fragen und ihn auffordern, den behandelnden Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden.

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