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Mein Urteil : Bin ich wegen einer Schlägerei an Karneval meine Stelle los ?

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Welche außerdienstlichen Exzesse handfeste Folgen für das Arbeitsverhältnis haben.

          Im Karneval soll ja bekanntlich alles erlaubt sein. Damit wird auch die Verkleidung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel unlängst bei einer öffentlichen Karnevalssitzung als stadtbekannter Bordellbetreiber entschuldigt. Kurz vor der Hochphase der Karnevalszeit musste sich das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf (13 Sa 957/15) mit einem Vorfall aus der vergangenen Saison beschäftigen. Danach kam es bei einer Karnevalsfeier auf einem Betriebsgelände zu Tätlichkeiten, in deren Folge der Notarzt Glassplitter eines Bierglases aus dem Gesicht eines Mitarbeiters entfernen musste.

          Das LAG hielt die Kündigung gegen den Angreifer für gerechtfertigt. Die private Lebensführung geht den Arbeitgeber zwar nichts an. Insbesondere darf er seine privaten Moralvorstellungen nicht zum Maßstab für das Verhalten der beschäftigten Arbeitnehmer machen. Ob der Arbeitgeber nun das Motto „Im Karneval ist alles erlaubt“ als Brauchtumspflege ansieht oder dem ablehnend gegenübersteht, ist nicht die Frage. Die Arbeitsgerichte haben zu klären, ob das außerdienstliche Verhalten einen Bezug zum Arbeitsverhältnis hat, und sich darüber hinaus konkret innerbetrieblich auswirkt.

          Dabei muss durch diese Beeinträchtigung die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar werden. Es ist nicht relevant, ob die Karnevalsfeier durch die Arbeitskollegen privat organisiert oder durch den Arbeitgeber veranlasst war. Ebenso ist nicht ausschlaggebend, ob die Feier im Betrieb stattfand oder auch in einer privaten Gaststätte. Tätlichkeiten zwischen Arbeitskollegen rechtfertigen grundsätzlich eine außerordentliche Kündigung und zwar unabhängig davon, ob sie während der Arbeitszeit oder der Freizeit stattfinden. Ein solches außerdienstliches Verhalten hat konkrete Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis.

          Ziemlich offensichtlich ist dies, wenn der Angegriffene anschließend arbeitsunfähig erkrankt. Es ist aber auch davon auszugehen, dass es zu Spannungen im Betrieb kommt und nicht nur zwischen denen, die an dem Konflikt beteiligt waren. Der Arbeitgeber hat für eine gewaltlose Atmosphäre im Betrieb zu sorgen. Auch wenn sich das Geschehene weniger martialisch darstellt als im Karnevalsfall, kann die Schwelle zur Kündigung erreicht sein. Das LAG Rheinland-Pfalz (6 Sa 22/15) hatte eine folgende Kündigung bestätigt: Ein Arbeitnehmer hatte mit seiner Verlobten und Arbeitskollegin auf dem Betriebsparklatz gestritten und sie dabei so stark gestoßen, dass sie auf die Motorhaube des Pkw fiel. Ursache des Streits war zwar eine private Angelegenheit, der Arbeitnehmer hatte aber seiner Verlobten die Schuld für seine morgendliche Verspätung zur Arbeit gegeben.

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