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Ärzte der Zukunft : Der Brotberuf der Begabten

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Die Bewerberzahlen für das Medizinstudium explodieren, der Numerus clausus schießt nach oben. Vor allem talentierte Frauen versprechen sich von dem Beruf eine sichere Zukunft. Porträt einer Ärztegeneration.

          Das Florence-Nightingale-Semester kommt in Turnschuhen und Jeans, T-Shirts und grauen und blauen Kapuzensweatern - die Uniformen von Menschen, die sich nicht über Äußerlichkeiten definieren wollen. Nur die Turnschuhe unterscheiden sich. Manche sind schlicht und sportlich, manche pink oder mit Blumenmuster. Die Turnschuhe bahnen sich ihren Weg durch Linden- und Eichenlaub, vorbei an der Augenklinik und am Zentrum für Reproduktionsmedizin. Es ist ein warmer Oktobertag, die Bäume entlang der Domagkstraße in Münsters Klinikenviertel leuchten in allen Gelbtönen, der Himmel in Graublau, als ob es jeden Moment regnen könnte, aber es wird den ganzen Tag kein Tropfen fallen. Für das Florence-Nightingale-Semester ist dieser Tag der erste des Medizinstudiums.

          Medizinstudenten in Münster: Studienplätze sind rar, der Wettbewerb groß.

          Es ist das dreißigste Mal, dass die Uni Münster einem Medizinerjahrgang einen Namenspatron an die Seite stellt. In den vergangenen Jahren gab es unter anderem das Gerhard-Domagk-Semester und das Rita-Levi-Montalcini-Semester. „Wir suchen immer den Namen eines berühmten Arztes oder einer berühmten Ärztin aus“, hat der Pressesprecher der Medizinerfakultät am Telefon erzählt. „Naja“, hat er hinzugefügt, „mit den berühmten Ärztinnen ist es manchmal etwas schwierig. Es gibt nicht so viele.“ Deshalb hat man in diesem Wintersemester auf die berühmte britische Krankenschwester Florence Nightingale zurückgegriffen.

          „Man hat später viele Möglichkeiten“

          Die 80 Mädchen und 57 Jungen, die zum Florence-Nightingale-Semester gehören, treffen in der Auffahrt des Dekanatsgebäudes zusammen, eines mächtigen Klinkerbaus mit sandsteingefassten Fenstern. Man versammelt sich in kleinen Grüppchen, wer allein steht, wird schnell angesprochen. Auch die Journalistin. „Ich stell mich mal hier dazu“, sagt Hannah. Ihre Turnschuhe sind dunkelblau. Sie ist neunzehn und kommt aus Köln. Sie spielt Klavier und Fußball. Für das Medizinstudium hat sie sich schon früh entschieden. „So in der neunten, zehnten Klasse“, sagt sie. Sie will Ärztin werden, weil sie glaubt, dass es ihr Spaß machen wird. „Man hat später viele verschiedene Möglichkeiten, und man hat viel mit Menschen zu tun.“ Hannahs Leistungskurse waren Biologie und Psychologie. Ihr Abitur hat sie im Frühjahr mit der Note 1,0 abgelegt. Es war das beste Abitur ihrer Schule.

          Hannah ist kein Zufallstreffer. Sechzig Prozent der angehenden Ärzte, die an diesem Mittwochmorgen in Münster im Herbstlaub stehen, haben die Abiturnote 1,0. „Wir mussten in diesem Jahr achtzig Bewerber ablehnen, obwohl sie ein 1,1-Abitur hatten“, sagt Bernhard Marschall. Der 46 Jahre alte Chirurg ist seit acht Jahren Studiendekan der Mediziner in Münster. Er steht im Dekanatshörsaal und wartet darauf, dass die Erstsemester eintreffen und die aufsteigenden Sitzreihen vor ihm füllen.

          Vierzigtausend Abiturienten wollten im Sommer 2010 Medizin studieren

          Vierzigtausend Abiturienten haben sich gleichzeitig mit den jungen Leuten aus dem Florence-Nightingale-Semester für einen Medizinstudienplatz beworben - so viele wie nie zuvor. Es ist der vorläufige Gipfel einer langjährigen Entwicklung. Mitte der neunziger Jahre war die Bewerberzahl auf einen Tiefpunkt gesunken: Nur fünfzehntausend Abiturienten wollten noch Medizin studieren. Seitdem ist die Bewerberzahl fast kontinuierlich angestiegen. Das trieb den Numerus clausus nach oben, vor allem an begehrten Fakultäten wie Münster, Berlin oder Heidelberg. Es kam schon vor, dass selbst noch unter den Kandidaten mit der Note 1,0 noch gelost werden musste.

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