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Mediation : Für jeden Streithahn eine Lösung

  • -Aktualisiert am

Kämpfende Hähne Bild: REUTERS

Viele Konflikte am Arbeitsplatz enden vor Gericht oder vor dem Schlichter. Dann ist nichts mehr zu retten. Mediation setzt früher an. Damit spart man viel Geld.

          Manchmal sind Fronten so verhärtet, dass Konflikte extreme Ausmaße annehmen. So wie in diesem Frühjahr, als die Piloten der Deutschen Lufthansa während ihres mehrtägigen Streiks fast viertausend Flüge ausfallen ließen. Das kostete den Konzern zweistellige Millionenbeträge binnen weniger Tage, doch beendet ist der schon über zwei Jahre schwelende Konflikt bis heute nicht. Nun gibt es aber Grund zur Hoffnung, dass bald Bewegung in die zähen Auseinandersetzungen über höhere Gehälter und großzügige Pensionen kommt. Denn wie die Lufthansa neulich mitteilte, soll ein externer Mediator helfen, den Clinch zu lockern.

          Damit schlägt die Fluggesellschaft einen für Deutschland noch neuen Weg ein. Zwar hatte sie für Tarifstreitigkeiten in der Vergangenheit schon mehrfach einen Schlichter berufen, doch ein Mediationsverfahren ist nicht dasselbe wie eine Schlichtung. Beide sind Maßnahmen zur Konfliktbearbeitung unter Einschluss eines Dritten. Während aber der Schlichter zur Bewertung des Streits ausdrücklich befugt und sein abschließender Kompromiss mehr als nur ein Vorschlag ist - wie etwa im Fall von Stuttgart 21, dessen Weiterbau Heiner Geißler mit seinem Schlichterspruch befürwortete -, trifft der Mediator keine verbindliche Entscheidung.

          Für Peanuts und Tarifkonflikte

          Zudem stehen die juristischen Umstände im Hintergrund. Der Mediator bleibt neutral. Seine Aufgabe ist es, den ineinander verkeilten Fronten mit gezielter und nicht zuletzt psychologischer Arbeit dabei zu helfen, ihre Interessen auf konstruktive Weise zu vereinbaren. Wer einen Mediator zur Lösung eines Streits bestellt, tut das auf freiwilliger Basis und geht keinerlei Verpflichtungen ein.

          Gerade diese Neutralität sei in vielen Fällen genau das, was die uneinigen Parteien brauchen, weiß der erfahrene Mediator Roland Lukas. Täglich sind er, zwei weitere Juristen und eine Psychologin im Einsatz in ganz Deutschland, um die Knoten zu lösen, die Mitarbeiter und mit ihnen das Geschäftsergebnis blockieren. Das können so existentielle Auseinandersetzungen sein wie Tarifkonflikte oder auch scheinbare Kleinigkeiten, wie die internen Spannungen zwischen Kollegen.

          Lehrer für Kommunikation

          Nach mehr als einem Jahrzehnt als Richter und Vizepräsident des Arbeitsgerichts in Frankfurt hat Lukas vor fast zehn Jahren seine Robe an den Nagel gehängt und sein Büro für Konfliktlösung im Frankfurter Nordend aufgebaut.

          Die Nachfrage nach Mediatoren steige langsam, aber merklich, sagt der Rechtswissenschaftler: „Die Wachsamkeit in den Unternehmen ist größer geworden.“ Denn während der Richterspruch nicht die persönlichen Probleme hinter dem Arbeitskonflikt löst, ist Mediation die Suche nach einem akzeptablen Weg für eine gemeinsame zukünftige Zusammenarbeit. Die Ursache für Auseinandersetzungen sei stets dieselbe, sagt Lukas: „Es geht um Kommunikation. Wenn der Kommunikationsfluss stockt, entsteht eine Lücke, und dann kommen beide Parteien auf Ideen, was in der anderen vorgehen könnte. So entstehen Missverständnisse.“ Streit in Betrieben sei schlimmer als in der Ehe: „Man kann nicht gehen, wenn die Fetzen fliegen. So kann es einen unbeherrschbaren Dauerkonflikt geben.“

          Da fliegen die Fetzen

          Den entscheidenden Unterschied macht laut Lukas der mangelnde psychologische Druck: „Der Mediator hat nicht das Sagen, er moderiert eher den Prozess der Problemlösung - und am Ende einigen sich die Parteien selbst.“ So vergleichsweise einfach wie etwa für „Paul Kemp“, der in der Gestalt von Harald Krassnitzer neuerdings im Vorabendprogramm der ARD zwischen den unverbesserlich miteinander im Streit liegenden Parteien durch präzise Fragestellungen vermittelt, ist die Arbeit für Lukas und seine Kollegen meistens aber nicht.

          Stattdessen kann es manchmal richtig zur Sache gehen, wenn am Tisch des Mediators die Parteien, zum Teil mit ihren Anwälten und manchmal auch mit einem Betriebsratsmitglied und dem Personalleiter, zusammenkommen, um über Schieflagen im Arbeitsalltag zu verhandeln.

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