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Schwindeln in der Bewerbung : Wer einmal lügt...

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Lügen haben angeblich kurze Beine - und lange Nasen. Bild: dpa

Im Lebenslauf zu übertreiben scheint verlockend. Aber die Unwahrheiten fallen Bewerbern allzu oft auf die Füße. Besonders in Deutschland, wo Chefs Lügen überhaupt nicht gern verzeihen.

          Deutsche Manager verzeihen Unehrlichkeiten im Lebenslauf seltener als Chefs aus anderen Ländern. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage unter 500 Managern. Eine längere Arbeitslosigkeit mit einer Weltreise kaschieren, Fachkenntnisse aufbauschen oder beim bisherigen Gehalt übertreiben - all das geht mit großer Wahrscheinlichkeit nach hinten los: Knapp drei Viertel aller Manager in Deutschland haben schon einmal einen Bewerber aussortiert, nachdem falsche Angaben im Lebenslauf aufgeflogen sind, so viele wie sonst nirgends in Europa.

          Anderswo in Europa ist man da nicht ganz so empfindlich. In Frankreich etwa tolerieren mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte eine unwahre Übertreibung im Bewerbungsprozess. Aber auch im Vereinigten Königreich ziehen nur 59 Prozent Konsequenzen nachdem sie Bewerber beim Schwindeln erwischt haben. In Belgien und in der Schweiz sagen mit 68 Prozent etwas mehr Manager ertappten Schwindlern lieber ab.

          Und wobei täuschen Bewerber besonders gern und häufig? Auch danach haben die Personalmanager von Robert Half, die die Studie in Auftrag gegeben haben, gefragt: Am häufigsten möbeln die Bewerber Angaben über ihre fachlichen Kompetenzen mit Unwahrheiten auf. Falsche Angaben über die Berufserfahrung sind ebenfalls recht beliebt, auf Platz 3 stehen Übertreibungen bei den Sprachkenntnissen.

          „Natürlich sollten Bewerber darauf achten, sich im bestmöglichen Licht zu präsentieren. Entscheidend ist aber, dass es sich dabei um die Wahrheit handelt“, sagt Thomas Hoffmann von Robert Half. „Lügen fallen einem früher oder später vor die Füße.“ Wer bei den eigenen Kompetenzen im Lebenslauf übertreibe, schade sich auch selbst, weil er im neuen Job selten glücklich werde und oft mit Überforderung zu kämpfen habe.

          Rund ein Fünftel der Studienteilnehmer in Deutschland gibt übrigens an, schon einmal Kandidaten wegen falscher Gehaltsangaben in früheren Tätigkeiten aussortiert zu haben – nur bei den Nachbarn in der Schweiz führt diese Lüge noch öfter zum Aus im Bewerbungsprozess. Dabei zu schummeln sei aber völlig unnötig, glaubt Hoffmann. Es sei nämlich völlig normal bei einem Wechsel mehr Geld zu verlangen als für die bisherige Tätigkeit gezahlt wurde. Beim Wunschverdienst sollten sich Bewerber lieber am marktüblichen Lohnniveau orientieren.

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