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Leben und Arbeiten in Kopenhagen : Nicht ohne Grund ist ein Märchenerzähler der berühmteste Däne

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Kopenhagen - grüne Stadt am Meer Bild: Archiv

"Wonderful Copenhagen" bietet die Annehmlichkeiten einer gemächlichen Großstadt. Das könnte ein Grund sein, warum die Dänen glücklicher sind als andere Menschen - zumindest rein statistisch gesehen.

          Nicht einen großen Wissenschaftler, einen Kriegshelden, einen Reformator oder gar einen Jugendstar nennen die Dänen als ihren größten Landsmann aller Zeiten, sondern einen Geschichten- und Märchenerzähler - gefolgt von einem Physiker, einem Reeder und einem Philosophen. Hans Christian Andersen gab auch den Anstoß zur Statue der Kleinen Meerjungfrau, die rasch zur Touristenattraktion und zum Wahrzeichen der Stadt am Ausgang der Ostsee wurde. Wie so vieles in Kopenhagen dauerte es aber, bis sie 1913 erschaffen wurde, kurz vor dem Bau des Großflughafens Kastrup, der die dänische Hauptstadt zum Flugdrehkreuz Nordeuropas machte; und noch mal einige Zeit dauerte es, bis sie auch beachtet wurde: erst nach dem Abdruck eines Schnappschusses in einer amerikanischen Zeitung. Ist also der liebevoll-spöttische Satz ein wenig wahr, es stimme nicht, daß Dänemark ein märchenhaftes Land sei, es sei nur ein schlafendes Land?

          Gelassenheit ist Trumpf

          Selbst wenn man den Schlager vom "Wonderful Copenhagen" als Werbespruch und die prachtvolle Kronprinzenhochzeit als Touristenfalle abtun möchte - statistisch sind die Dänen glücklicher mit ihrem Leben als jede andere europäische Nation. 97 Prozent behaupten das von sich. Dazu trägt bei, daß Kopenhagen die Annehmlichkeiten einer Großstadt mit breitem und anspruchsvollem Angebot von klassischer Musik und Ballett bis zu Pop und einem Nachtleben, das auch frühmorgens nicht zu enden scheint, vereint mit einer grünen Stadt am Meer. Die Gelassenheit seiner Bewohner zeigt sich selbst, wenn es unschwer gelingt, Politessen vom Ausstellen von Parkzetteln abzuhalten: Alles läßt sich irgendwie lösen, auch wenn das Zeit und Geduld brauchen mag. Das gilt auch für Ausländer, denen freundlich begegnet wird - solange sie aus Europa kommen. Gegenüber Fremden aus Asien oder Afrika dagegen wurde die Vorgehensweise in den letzten zwei, drei Jahren rabiater, was dazu beitrug, daß nicht nur mehr Einwanderer an den Grenzen abgewiesen werden, sondern auch freiwillig abwandern.

          Auch Deutsche werden trotz der belasteten Vergangenheit zumindest von Jüngeren freundlich aufgenommen, freundlicher etwa als Franzosen, denen umweltbewußte und friedensbewegte Dänen deren Atomwaffenversuche nicht vergeben wollen, und nicht nur, weil Deutschland der weitaus wichtigste Handelspartner ist. Sichtbar wird die enge historische und kulturelle Verbundenheit der Nachbarn - die erstaunlicherweise in der Volkspsyche eher vom deutsch-dänischen Krieg um Nordschleswig vor 140 Jahren als von der Besatzung im Zweiten Weltkrieg belastet scheint - in nahezu fünfzig deutsch-dänischen Freundschaftsgruppen von Dresden über Borken bis Gütersloh. Allein in Berlin gibt es vier rivalisierende deutsch-dänische Clubs, die alle bei ersten Umzugsplanungen helfen mögen.

          Auch Dänen verzweifeln an ihrer Sprache

          Nicht alles indes ist so gülden, wie es Besuchern scheinen mag. Die Sprache, die Autofeindlichkeit, die fehlende Möglichkeit, ein deutsches Abitur an der deutschen Schule abzulegen, bisweilen auch Schwierigkeiten beim Finden einer Mietwohnung gelten als Hemmnisse beim Zuzug. Auch Dänen verzweifeln bisweilen an ihrer eigenen Sprache; weniger an der Schriftsprache denn an der langgezogenen und eigenwilligen Artikulation. Zwei Dutzend deutlich unterschiedene Dialekte mit "dummer Aussprache" gebe es, berichtet ein Däne, und auch er verstehe von diesen so manche nicht. Und beim Auto wird schon der Kaufpreis dank Registrierungsabgaben nahezu verdreifacht, darauf kommen noch zweimal jährlich "Grünabgaben". 300 Euro kann so das Halten eines Autos monatlich kosten. Da aber der öffentliche Nahverkehr schon vor der Eröffnung der Metro dicht ist und das Fahrrad auch für Touristen gängig, mag man das Auto auch nur für Fahrten zum üblichen Sommerhaus oder Boot oder zum Großeinkauf nutzen wollen.

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