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Konzerneigene Hochschule : Zwischen Prototyp und Hörsaal

Bild: Peter v. Treschkow

Ingenieure sollen immer auf dem Stand der Technik bleiben. Volkswagen hat dafür eine Auto-Uni gegründet. Sie ist so gut ausgestattet wie private Hochschulen.

          Der Mobile-Life-Campus muss sich hinter keiner privaten Elitehochschule verstecken. Das kantige Bauwerk aus Beton und Glas empfängt den Besucher schon kurz nach der Autobahnabfahrt in Wolfsburg; jener niedersächsischen Provinzstadt, die dank des Automobilherstellers Volkswagen groß und zum Nabel der Konzernwelt geworden ist.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Hier laufen die Fäden bei Europas größtem Fahrzeugbauer zusammen, hier werden die Weichen gestellt für das Konzernimperium mit seinen zwölf Marken von VW über Porsche, Audi, Skoda und Seat bis hin zum Lastwagenhersteller MAN. Eine halbe Million Mitarbeiter beschäftigt der Konzern rund um die Welt, davon mehr als 42 000 allein in der technischen Entwicklung.

          Das Smartphone ändert alles

          Bernd Petzold ist einer von ihnen. Er kam vor fünf Jahren zum ersten Mal mit der Auto-Uni in Kontakt. Bis dahin hatte der promovierte Elektroingenieur aus Bremen an der Entwicklung von Multimediasystemen für verschiedene VW-Modelle mitgearbeitet. „Das waren am Anfang Radios mit einer Landkarte“, erinnert sich Petzold. Durch die rasche Verbreitung von Smartphones sei jedoch eine hohe Dynamik in den Markt gekommen. „Es gab viele neue Themen, und ich wollte die Zusammenhänge verstehen.“

          Auf seiner Suche nach der geeigneten Fortbildung stieß er rasch auf die Auto-Uni. „Hier kristallisiert sich alles“, sagt Petzold, „hier wird Wissen weitergegeben, das hat mich fasziniert.“ Es tauchten ständig neue Themen auf aus Gebieten, die bislang noch wenig mit Autos zu tun hatten, nun aber Einzug in die Branche hielten, berichtet er. Smartphones und Suchmaschinen treffen auf den Automobilbau.

          Keine Abschlüsse

          Die konzerneigene Uni ist eine Art Abenteuerspielplatz für wissbegierige Ingenieure - auf dem Petzold bis heute seine Freude hat, denn mittlerweile ist er als Leiter des Instituts für Kraftfahrzeugtechnik selbst Mitarbeiter der Auto-Uni.

          Auch wenn sie so heißt, ist die Auto-Uni keine richtige Hochschule, die allgemein anerkannte Abschlüsse vergeben kann. „Das hat man auch ganz bewusst nicht gewollt“, sagt Mark Gonter, der stellvertretende Leiter. Es handelt sich um eine konzerneigene Weiterbildungseinrichtung, die aber in dieser Form auf der Welt einzigartig sein dürfte und es in vielen Vergleichen mit akademischen Institutionen aufnehmen kann.

          Die modern gestylten Sitzgruppen und Arbeitsecken könnten auch jede Google-Niederlassung kleiden und dürften so manchem Studenten einer staatlichen Massenuni Tränen in die Augen treiben. Und mit jährlich mehr als 300 Referenten allein im Kraftfahrzeug-Bereich braucht sie sich ebenfalls nicht zu verstecken.

          Kooperation mit Spitzenunis

          Das Institut wurde im Jahr 2002 gegründet. Aus Sicht von Mark Gonter erfüllt es drei Aufgaben: Erstens gehe es darum, Wissen in dem riesigen Konzern aufzugreifen und an anderen Stellen nutzbar zu machen. Das heißt, den Ingenieur in Brasilien auf demselben Stand zu halten wie den in Ingolstadt und den in China. Zweitens müssen die Mitarbeiter auch über neue Entwicklungen an den Hochschulen informiert werden, wozu man im Laufe der Zeit ein dichtes Netzwerk aufgebaut habe, das nicht an der Ländergrenze aufhöre.

          Unter anderem kooperiert man auch mit den MIT oder der Universität in Stanford. Und schließlich geht es noch darum zu entdecken, wo der Konzern noch Wissenslücken hat, und diese entweder durch eigene Forschungsprojekte oder durch Kooperationen zu schließen.

          An der Auto-Uni gibt es acht Institute, die die Konzerngeschäftsbereiche von der Produktion bis zu Vertrieb und Marketing widerspiegeln. Kfz-Chef Bernd Petzold hat mehr als ein Dutzend Mitarbeiter, welche die Inhalte und Programme erstellen und koordinieren.

          Heute im Team

          Teilnehmen können alle Ingenieure aus dem gesamten Konzern. Im vergangenen Jahr nahmen immerhin knapp 7000 von ihnen das Angebot wahr. Der Bedarf an Weiterbildung steigt.

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