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Konzerneigene Hochschule : Zwischen Prototyp und Hörsaal

Willi Fuchs, Jahrgang 1957, hat sein Maschinenbaustudium zum Beispiel schon vor rund 30 Jahren beendet. Heute macht der Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) einen grundlegenden Wandel in der Arbeitsweise von Ingenieuren aus. „Früher waren viele Ingenieure Einzelkämpfer“, sagt Fuchs, „heute entwickelt niemand mehr ein Produkt allein.“ Die Arbeit werde in interdisziplinären Teams aus verschiedenen Fachrichtungen erledigt, weil die Anforderungen viel komplexer geworden sein. „Berührungsängste sind da fehl am Platz, ein Team muss offen sein“, sagt der VDI-Chef.

Vorträge und Konferenzen

Seiner Meinung nach stelle eine fundierte und breite Ausbildung an den Universitäten noch immer die beste Grundlage für die Arbeit von Ingenieuren dar. Die Spezialisierung müsse dann je nach Bedarf durch Weiterbildung im Beruf erfolgen. „Dazu reicht es aber nicht, einen Mitarbeiter mal auf ein Seminar zu schicken“, sagt Fuchs. Ein Unternehmen müsse klare und langfristige Vorstellungen für die Personalentwicklung haben. Mittlerweile beobachte er, dass auch der Mittelstand seine Bemühungen in der Weiterbildung verstärkt, sagt Fuchs. „Es hat sich da schon einiges getan.“

Nicht nur im Falle von Volkswagen besteht die Kunst darin, die Weiterbildung in den Arbeitsalltag möglichst schonend einzubauen. „Unser Ziel ist es, das Wissen kompakt zu vermitteln und keine Hindernisse für die Arbeitsabläufe darzustellen“, sagt Institutsleiter Petzold. Dabei kommen verschiedene Instrumente zum Einsatz. Angefangen vom einstündigen Vortrag, der besonders auch den Austausch im Anschluss und die Vernetzung der Teilnehmer untereinander zum Ziel hat, über die eintägige Fachkonferenz bis hin zu den Programmen, die aus einer Reihe von Themenabenden mit verschiedenen Referenten bestehen und sich von einem bis zu sechs Monaten ziehen können, reicht das Angebot.

Anspruchsvolle „Studenten“

Eine eigene Erfindung seien „kooperative Studienmodule“, sagt Petzold, die sich um spezielle Sachfragen drehen. Wie funktioniert etwa eine Bremse für ein Elektroauto? Für die Auto-Uni ergibt sich daraus eine konkrete Anschlussfrage: Wie schult man den Experten, der bislang Bremsen für klassische Autos entwickelt hat? Denn im Elektroauto soll die Bremsenergie künftig zurückgespeichert werden. „Da müssen sie einmal quer durchs Auto gehen, das ist herausfordernd.“

Gemeinsam mit Universitäten, die auf den jeweiligen Feldern besonders kompetent sind, werden zu solchen Fragen dann Lernmodule entwickelt. Das sind laut Petzold gezielte Ausschnitte aus Studienprogrammen. Das Material wird gemeinsam mit den Dozenten erarbeitet und zielt genau auf die Vorkenntnisse der VW-Ingenieure ab. Das Ganze kann online oder persönlich, auch schon mal im Institut des Dozenten, vermittelt werden und umfasst 30 bis 60 Stunden.

Dabei stehe der Diskussionscharakter zwischen Teilnehmern und Dozenten im Vordergrund, betont Petzold. Denn es gehe um die Vermittlung von tiefem Wissen. „Das brauchen wir, um Standardtechnologie zur Perfektion zu treiben. Das ist weit mehr als bloßes Handlungswissen für das nächste Projekt.“ Schließlich sind die VW-Ingenieure selbst hochgradige Fachleute auf ihren Gebieten.

Durchaus lernwillig

Auf die Frage, wie sich diese Ingenieure als Schüler machen, grinst Petzold und sagt: „Die haben einen hohen Anspruch.“ Die Evaluation zeigte, dass sie eine kritische Zielgruppe sind. „Die müssen erfahren, dass sie hier weiterkommen“, formuliert Petzold. Aber Ingenieure seien auch sehr konstruktiv. Wenn ein Thema auf dem Programm fehle oder zu kurz gekommen sei, komme oft die Anregung zu einem Folgekurs. „Ingenieure haben eine hohe Eigeninitiative, sind sehr rational, die wissen schon, was sie wollen.“ Überforderung komme dagegen selten vor. Wenn doch, dann habe er bei der Konzeption was falsch gemacht und zu viel Lernstoff in die Einheiten gepackt.

Auch VDI-Direktor Fuchs hält die Zielgruppe für durchaus lernwillig: „Einen Austausch auf hohem Niveau haben Ingenieure schon gern.“ Das Klischee des autodidaktischen Eigenbrötlers halte sich zwar schon ewig, aber zu Unrecht. Sicherlich sei der typische Ingenieur vielleicht nicht der geborene Marketingmann. „Aber komischerweise bringen die Teams doch immer wieder die tollsten Erfindungen hervor“, sagt Fuchs.

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