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Kolumne „Nine to five“ : Triumph der Belanglosigkeit

Wer will schon wissen, was die Nachbarskatze treibt? Bild: dpa

Wer auf Whatsapp, Facebook oder anderen Plattformen lebt, wer twittert, seine Homepage füttert oder bloggt, der braucht permanent frische Inhalte. Daran aber mangelt es.

          Erstaunlich, wer sich so alles freiwillig dem permanenten Produktionsdruck aussetzt, wenn er sich beim eigenen Leben zuschaut und seine vermeintliche Wichtigkeit zelebriert. Wer vernetzt ist, auf Whatsapp und Facebook oder anderen digitalen Plattformen lebt, täglich twittert, seine Homepage füttert und am besten noch bloggt, der braucht auch permanent frische Inhalte. Daran aber mangelt es, weniger am Willen zur Selbstbespiegelung. Das zumindest ist das Ergebnis einer Netzbeobachtung, die nicht nur zu Sommerlochzeiten ernüchternd ausfällt.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Seltsam, was da so alles mitgeteilt wird: „Wir hatten Betriebsfest beim Griechen, wollten ein Zeichen setzen.“ Oder: „Es gibt Zeugnisse, aber Noten sind nicht alles im Leben – der schwerreiche Meier ist auch mal sitzengeblieben.“ Oder: „Der Sommer ist heiß und kühl, und die Klimaanlage im Büro nordet auch nicht jede Temperatur auf Durchschnitt ein.“ Oder gern auch so: „Ich muss einen Vortrag vor Studenten halten. Was muss ich denen auf jeden Fall mitteilen?“

          TGIF – Thank God it’s Friday

          Natürlich geht es bei den Kurznachrichten in Gruppen darum, mal wieder zu erwähnen, dass man als Redner gefragt ist. Ähnlich beliebt die Geschäftsreise mit Blick aus dem Tagungshotel und der eitlen Botschaft: Musste wieder nach Madrid, in meiner Wohnung bin ich nie, warum habe ich eigentlich eine Putzfrau? Und natürlich der obligatorische Post am Abend: Habe mir Kaffee gemacht. Nachtschicht! Die Freitagsvariante lautet: TGIF – Thank God it’s Friday. Wer hätte das gedacht?

          Ausgerichtet wird ein Festival der Belanglosigkeiten. Zum Glück wird immer gestorben, und schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Tote machen das Netz vital. Es ist todtraurig, dass unser Held Winnetou jetzt in den ewigen Jagdgründen weilt. Wie bitter, so ist ein Stück Kindheit final begraben. Das geben nur Menschen von sich, die bereits ein halbes Jahrhundert gelebt haben. Gar nicht zu reden vom lieben Dr. Schiwago.

          Alles für die Katz - und aus die Maus

          Dabei sind die meisten Leben angenehm, aber eben auch ziemlich ereignislos. Ganz normal eben. Natürlich gibt es auch einige Ausnahmen. Brillante Beobachter und poetische Twitter-Aphorismen. Aber die fallen auch klugen Köpfen nicht sekündlich ein.

          Das Aufregendste bei uns war übrigens der Auftritt der Nachbarskatze. Die hatte ihre erbeutete, halbverdaute Maus auf dem Teppich ausgespieen, ärgerlicherweise nicht auf dem dunklen Arabeskenmuster, sondern dem wollweißen Teil. Zum Glück Ikea, kein Designerstück. Wer will das hören? Wer mag das lesen? Eben. Alles für die Katz. Und aus die Maus.

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