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Joachim Sauer, Airbus-Arbeitsdirektor : „Technik kann Mädchen begeistern“

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Joachim Sauer, Präsident des Personalmanagerverbandes und Airbus-Arbeitsdirektor Bild: Bode, Henning

Wer Frauen in Führungspositionen will, muss bei weiblichen Azubis anfangen, sagt Joachim Sauer. Und sei es mit einer Pflichtquote, wie sie Airbus eingeführt hat.

          Herr Sauer, wie viele Bewerbungsgespräche mit Topmanagerinnen haben Sie diese Woche schon geführt?

          Kein einziges. Das letzte liegt tatsächlich sechs Wochen zurück.

          Sie wollen den Frauenanteil im Management bis 2015 auf 30 Prozent zu erhöhen. Wo stehen Sie jetzt?

          Derzeit sind es rund 14 Prozent. Wir haben uns ein sportliches Ziel gesetzt.

          Haben Sie etwa die weiblichen Führungskräfte schon alle im Haus?

          Noch nicht. Aber wir arbeiten daran. Wir haben eine Frauenquote für die Einstellung der Auszubildenden eingeführt. Das halte ich für sehr sinnvoll. In Hamburg haben wir einen Anteil derzeit von 13 Prozent und wollen im nächsten Jahr 20 Prozent erreichen. Am Standort Stade planen wir einen Anstieg von 28 auf 33 Prozent. Entscheidend ist, dass dahinter der Wille des Arbeitgebers steht. Das löst nicht in allen Bereichen sofort Applaus aus, aber so ein Ziel muss man dann auch mal durchsetzen und vorleben.

           Lassen sich geeignete Kandidatinnen denn so einfach finden?

          Einfach ist es nicht, aber wir finden sie. Wir haben im Jahr rund 1400 Schülerpraktikanten und -praktikantinnen, die wir alle anschreiben und fragen, ob sie an einer Ausbildung interessiert sind. Unseren Auszubildenden zahlen wir 100 Euro Anwerbeprämie, wenn sie eine Kandidatin vermitteln. Außerdem betreiben wir ein offensives Marketing, von der Hoch- bis zur Grundschule. Das zahlt sich aus - man kann Mädchen für Technik begeistern und die Bewerbungen kommen.

          Eine Auszubildende ist noch keine Führungskraft. Wie sieht der Aufstieg aus?

          Eine Schlüsselfunktion übt in der Industrie der Meister aus. Wir haben bei Airbus in Hamburg in dieser Position derzeit knapp 215 Männer und nur sechs Frauen. Ein Hauptgrund liegt darin, dass Frauen häufig weder die Meisterkurse am Abend noch die spätere Schichtarbeit mit ihrer Familie vereinbaren können. Deshalb haben wir ein Förderprogramm aufgelegt. Wir bezahlen einen Teil der Ausbildung und stellen die Teilnehmerinnen zu einem bestimmten Anteil von der Arbeit frei. Das kommt sehr gut an. In der ersten Ausschreibungsphase haben wir 64 Bewerbungen erhalten.

          Letztendlich bleibt Technik eine Männerdomäne. Werden Sie die Quote erfüllen, indem Juristinnen und BWLerinnen in der Verwaltung Karriere machen?

          Ja, und das ist auch richtig so. Es geht ja nicht darum, Gleichmacherei zu betreiben. Frauen sind nun mal überproportional vertreten in Bereichen wie Marketing, Personal, Finanzen, Kommunikation. Wichtig ist, dass Frauen hier die Möglichkeiten bekommen, in die Toppositionen aufzusteigen.

          Haben Sie keine Sorge, dass Geschlecht vor Qualifikation gehen könnte?

          ANTWORT: Nein, Qualifikation und Leistungsbereitschaft stehen an erster Stelle. Aber als Arbeitgeber muss man bereit sein, die Karriereunterbrechung auszugleichen, die Frauen mit Familie vor allem nach der Geburt von Kindern haben. Ein Thema ist "Führen in Teilzeit". So einen Fall habe ich in meiner eigenen Abteilung. Wobei Teilzeit nicht halbtags, sondern 75 Prozent heißt. Das ist sehr spannend, aber es funktioniert.

          Sieht die Realität nicht so aus, dass die Frauen in Teilzeit beschäftigt sind, aber zu Hause zwischen Wickeltisch und Abendessen weiterarbeiten?

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