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Führungspositionen : Japans Konzerne berufen die ältesten Manager auf Chefposten

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Trotz seines hohen Alters wurde Yoshinori Yamashita zum CEO des Druckherstellers Ricoh berufen. Bild: Picture-Alliance

Deutsche Konzernlenker sind mit 50 im Durchschnitt deutlich jünger. So früh schaffen es Manager in anderen Ländern selten auf den obersten Posten der Karriereleiter. Doch ihre Halbwertszeit an der Spitze sinkt drastisch.

          Rund 50 Jahre alt sind Spitzenmanager in Deutschland im Schnitt, wenn sie den obersten Posten auf der Karriereleiter in einem großen börsennotierten Unternehmen erklimmen. So jung schaffen es Manager in anderen Ländern selten auf den Chefposten in Konzernen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Strategy&, die zum Wirtschaftsprüfungskonzern PWC gehört, liegt das Durchschnittsalter der Konzernchefs zum Zeitpunkt ihrer Berufung global bei rund 53 Jahren. In Japan werden Manager im Durchschnitt erst im Alter von 57 Jahren auf den Spitzenposten befördert.

          Die Altersunterschiede zwischen Deutschland und Japan zeigten sich auch wieder im vergangenen Jahr: In Deutschland schafften es mehrere Mittvierziger auf einen Posten eines Vorstandsvorsitzenden, etwa beim Spezialchemiekonzern Evonik der 48 Jahre alte Christian Kullmann, beim Werbevermarkter Stroer der 43 Jahre alte Christian Schmalzl und beim Finanzkonzern Wüstenrot der 47 Jahre alte Jürgen Albert Junker. In Japan wurden deutlich erfahrenere Manager an die Spitze berufen, in einigen Fällen auch noch im Alter von 60 Jahren und darüber, etwa bei dem Logistikkonzern Nippon Express und dem Druckerhersteller Ricoh.

          Deutsche Unternehmen standen lange im Ruf, ihren Managern länger als anderswo die Treue zu halten. Zuletzt ist die durchschnittliche Verweildauer auf den Spitzenposten aber auch in Deutschland deutlich gesunken. Laut der Studie über Chefwechsel mussten im deutschsprachigen Raum im vergangenen Jahr so viele Vorstandsvorsitzende wie schon lange nicht mehr den Posten räumen. Dabei waren die meisten Wechsel zwar schon länger geplant, aber immerhin in einem Fünftel der Fälle mussten die Chefs vorzeitig gehen – etwa beim Windradhersteller Nordex, beim Maschinenbauer Pfeiffer Vacuum und beim Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum. „Die Halbwertszeit von Vorstandsvorsitzenden im deutschsprachigen Raum sinkt drastisch und liegt jetzt mit 5,1 Jahren unter dem internationalen Mittel von 7 Jahren“, sagt Peter Gassmann, Europachef der Unternehmensberatung Strategy&: „Das regelmäßige Stühlerücken ist auch auf immer kurzfristiger zu erreichende Ziele sowie eine geringere Fehlertoleranz der Aufsichtsgremien und Eigentümer zurückzuführen.“ Während Vorstandsvorsitzende früher oft über ein Jahrzehnt im Amt gewesen seien, entwickle sich der Posten immer mehr zu einer „überschaubareren Episode im Manager-Lebenslauf.“

          Zuletzt sorgten vor allem Chefwechsel nach ethischen Verfehlungen für Schlagzeilen: So musste Audi vor wenigen Wochen einen Nachfolger für Rupert Stadler suchen, der im Zuge des Abgasskandals verhaftet wurde. Bei der Deutschen Börse musste Carsten Kengeter vorzeitig seinen Posten räumen, nachdem bekannt wurde, dass Staatsanwälte wegen Insiderhandels ermitteln. Insgesamt aber sind ethische Verfehlungen im deutschsprachigen Raum nur für zwei Prozent aller Chefwechsel verantwortlich (global: fünf Prozent). Häufiger müssen die Vorstandsvorsitzenden im deutschsprachigen Raum wegen schwacher finanzieller Ergebnisse gehen – in rund zehn Prozent aller Wechsel (global: sieben Prozent).

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