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Interview : „Heben Sie selbstbewusst die Hand“

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Politik macht´s möglich: 2006 kommt die erste Frau an die Spitze einer deutschen Großbank Bild: dpa

Haben es Frauen schwerer, nach oben zu kommen - oder trauen sie sich einfach zu wenig zu? Fragen an Ingrid Matthäus-Maier, Vorstandssprecherin der staatseigenen Förderbank KfW.

          Frau Matthäus-Maier, wie viele Führungspositionen besetzt die KfW im Jahr?

          In den letzten drei Jahren haben wir im Durchschnitt etwa 10 Prozent der Führungspositionen neu besetzt. Wir sind stolz darauf, dass wir dank unserer Personalentwicklungsinstrumente Führungspositionen in aller Regel von innen besetzen können.

          Sie führen zur Besetzung dieser Stellen Potentialbeurteilungsverfahren durch. Wie viele Männer und wie viele Frauen bewerben sich um den Einstieg in die unterste Führungsebene?

          Rund 30 Prozent der Teilnehmer unserer Potentialanalyse sind Frauen, es bewerben sich also immer noch mehr Männer. Doch der Anteil derer, die im Anschluss an dieses Verfahren Führungskraft wurden, ist bei beiden Geschlechtern prozentual gleich groß. Wir stellen fest, dass Frauen, die sich der Herausforderung stellen, genauso gut oder schlecht sind wie ihre männlichen Kollegen. Der Anteil von Frauen auf der untersten Führungsebene hat sich in der KfW Bankengruppe seit dem Jahr 2000 von 20 auf fast 30 Prozent gesteigert.

          Trauen sich Frauen weniger zu?

          Leider ja. Mein Eindruck ist, dass bei Männern das Selbstbewusstsein stärker ausgeprägt ist. Männer sagen: Ich kann das! Frauen dagegen fragen: Kann ich das? Tritt eine Frau so selbstbewusst auf wie ein Mann, wird ihr das schnell als Selbstüberschätzung ausgelegt. Dieses Missverhältnis muss abgebaut werden, hin zu beiderseitig realistischer Einschätzung.

          Haben Sie aus Ihrer eigenen Erfahrung den Eindruck, Frauen haben es auf der Karriereleiter schwerer als Männer? Welche Hindernisse stehen im Weg?

          Richtig erscheint mir nach wie vor: Frauen müssen besser als Männer sein, um in die gleichen Positionen zu kommen. Aber Frauen müssen sich auch selbstbewusst durchkämpfen. Und sie müssen bereit sein, in Bereiche und Positionen zu gehen, wo die Luft dünner wird, wo Konflikte ausgetragen werden und das grundsätzlich positive Streben nach Harmonie und Ausgleich auch schon mal durch harte Auseinandersetzung ersetzt werden muss.

          Was können Frauen und was können Unternehmen tun, um die Chancen des weiblichen Geschlechts zu verbessern?

          ANTWORT: Selbstverständlich müssen die betrieblichen Möglichkeiten, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, weiter verbessert werden. Allerdings werden die Unternehmen nicht gesamtgesellschaftliche Defizite ausgleichen können. Umso wichtiger ist es, dass das Angebot an Ganztagsschulen und -kindergärten ausgebaut wird. Außerdem rate ich Unternehmen, bewusst auf gemischte Teams zu setzen. So kann man als männlich geltende Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke und solche Eigenschaften, die eher als weiblich gelten, wie Teamfähigkeit und Kommunikationsgeschick gewinnbringend miteinander verbinden. Und den Frauen rate ich: Heben Sie selbstbewusst die Hand, wenn eine Führungsposition zu besetzen ist. Und wenn es nicht klappt, gibt es immer eine zweite Chance.

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