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Interne Kommunikation : Wo Veränderung droht, sind Gerüchte nicht weit

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Hast Du schon gehört? Oft ist die Gerüchteküche ein Zeichen schlechter interner Kommunikation. Der Flurfunk ist zwar kaum zu kontrollieren, er kann einem Unternehmen aber auch nützen.

          „Die Produktion wird nach Tschechien verlagert!“ „Wir werden von Heuschrecken übernommen!“ „Es gibt einen Chinesen, der unsere Produkte für ein Zehntel unseres Preises anbietet!“

          Anlaß für Gerüchte auf den Fluren deutscher Unternehmen gibt es derzeit wahrlich genug. Aber solch einschneidende Ereignisse braucht es gar nicht, um „informelle Kommunikation“, wie der nicht gesteuerte Informationsaustausch von Psychologen genannt wird, in Gang zu setzen.

          Gerade in Zeiten, in denen der permanente Wandel in den Unternehmen zum Normalzustand geworden ist, kommt die hausinterne Gerüchteküche häufig nicht mehr zur Ruhe. Zu kontrollieren ist sie für die Unternehmensführung fast nicht, allein durch gesteuerte Kommunikation läßt sich der Hunger der Mitarbeiter nach Informationen nicht stillen.

          Trotz der unbestreitbaren Bedeutung der informellen Kommunikation wurde das Phänomen bisher kaum erforscht. Untersuchungen an der Universität Mannheim zeigen immerhin die Bedingungen auf, unter denen sie stattfindet. Danach sind zwischen 88 und 93 Prozent der Kommunikation in den Unternehmen ungeplant. 84 Prozent der Gespräche finden zwischen zwei Personen statt, sie dauern im Schnitt 1,9 Minuten.

          Zuverlässige Informationsquelle

          Fast ein Drittel dieser Unterhaltungen auf dem Flur wird darauf verwendet, Neuigkeiten auszutauschen, knapp dreißig Prozent dienen der Klärung von Fachfragen, ein weiteres Viertel hat nichts mit dem Geschehen im Unternehmen zu tun. Eine Studie der Personalberatung ISR zeigt ferner, daß Mitarbeiter deutscher Firmen nach eigenen Angaben über nicht einmal die Hälfte der wichtigen Ereignisse im Unternehmen von ihren Vorgesetzten ins Bild gesetzt werden, sondern durch Hörensagen. In Großbritannien und Frankreich liegt dieser Anteil noch höher, in Skandinavien deutlich niedriger.

          Claudia Mast, Professorin für Kommunikationswissenschaft und Journalistik an der Universität Hohenheim, hat sich als eine der wenigen in Deutschland des Themas angenommen. Sie wartet mit einigen überraschenden Erkenntnissen auf: „Das Vorurteil, an Gerüchten sei in der Regel nichts Wahres, ist durch die Praxis nicht gedeckt“, sagt Mast.

          Allenfalls bei kleineren Details liegt der Flurfunk schon einmal daneben, im großen und ganzen ist die Gerüchteküche eine recht zuverlässige Informationsquelle. Und eine leistungsfähige Kommunikationsform ist das Gerücht auch: „Gerüchte überwinden Organisationsstrukturen in Windeseile und gelangen blitzartig zu ihren Adressaten“, hat die Professorin beobachtet. Mast unterscheidet dabei vier Typen von Gerüchten: Das „Wunschgerücht“, in dem sich Hoffnungen auf Besserung eines bestimmten Zustands manifestieren, etwa der Art „unser neues Produkt steht kurz vor der Marktreife“.

          Mängel in der internen Kommunikation

          „Furchtgerüchte“ entstehen aus Angst, etwa, wenn eine Abteilung dauerhaft Zielvorgaben nicht erfüllt oder sich als nicht zum Kerngeschäft des Unternehmens zugehörig fühlt. Als „Aggressionsgerüchte“ bezeichnet Mast Versuche, mittels Flurfunk Mitarbeiter, aber auch Ideen oder neue Produkte in Mißkredit zu bringen. Egoistische Motive einzelner spielen bei ihrer Entstehung eine wichtige Rolle. „Erklärende Gerüchte“ schließen Kommunikationslücken. Den als arg plötzlich wahrgenommenen Eintritt in den amerikanischen Markt erklärt ein Gerücht dieses Typs beispielsweise mit „den guten Kontakten des Chefs in Amerika“.

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