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Titel für die Karriere : Der MBA ist der neue Doktor

Der Dr. war gestern: Wer heute im Management Karriere machen will, sollte zügig durchs Studium kommen Bild: dpa

Der Doktortitel galt lange als Karriereturbo im Management. Doch heute scheint Tempo anderweitig gefragt. Auch beim Alter der ausscheidenden Konzernlenker gibt es eine interessante Wendung.

          Gut ein Jahr ist es her, dass der Vorstandsvorsitzende von BASF den Kulturbruch wagte. In einer Videobotschaft legte Kurt Bock damals seiner Belegschaft nahe, im täglichen Miteinander die Doktortitel doch bitte wegzulassen. Zu altmodisch, zu steif - die deutsche Vorliebe für diesen akademischen Titel passe nicht zu einem internationalen Konzern, argumentierte Bock, selbst ein promovierter Betriebswirt.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es sieht ganz so aus, als ob er damit den Zeitgeist getroffen hätte. Neue Daten zeigen: Nur noch 18 Prozent der Vorstandsvorsitzenden, die im vergangenen Jahr in Deutschland, Österreich und der Schweiz in diese Position berufen wurden, wurden promoviert. Im Jahr zuvor lag der Anteil der Doktoren unter den Neuernannten noch bei 23 Prozent. Mit dem Bedeutungsverlust des Doktors geht der Aufstieg eines anderen Titels einher: 26 Prozent der neuen Vorstandsvorsitzenden haben ein MBA-Programm absolviert, im Jahr zuvor waren es erst 15 Prozent.

          Trend zum zügigen Studieren

          Die Zahlen stammen aus der jüngsten CEO-Studie der Unternehmensberatung Strategy& (ehemals Booz & Company). Jedes Jahr beleuchten die Berater die Wechselfälle an der Spitze der 2500 größten börsennotierten Unternehmen der Welt. Dass nun im deutschsprachigen Raum unter den Neu-Chefs erstmals der Anteil der MBAler den der Promovierten übersteigt, findet Chefberater Klaus-Peter Gushurst ebenso bemerkens- wie lobenswert. „Der Trend geht zum zügigen Studieren“, sagt er. „Mit einem MBA startet man zwei bis drei Jahre früher ins Berufsleben als mit einer Promotion.“

          Auch die wiederholten Diskussionen der vergangenen Jahre über Plagiatsvorwürfe haben seiner Meinung nach dazu beigetragen, dass immer mehr Personalverantwortliche auf Abstand zu dem einst so geschätzten Titel gehen. Und auch das Interesse der Studenten lässt nach. Zwar bewegt sich die Zahl der Promotionen seit dem Jahr 2000 relativ konstant bei etwa 25.000 im Jahr. Die Zahl der Hochschulabsolventen hat sich im selben Zeitraum allerdings von rund 122.000 auf 280.000 mehr als verdoppelt, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Berater Gushurst hat übrigens zwei Visitenkarten: Auf der deutschen steht sein Doktortitel (noch), auf der englischen Version dagegen verzichtet er schon seit langem darauf.

          Ab Mitte fünfzig vom Radar runter

          Neben den Veränderungen in der Titelfrage fällt im Zahlenwerk der Berater auf, dass die ausscheidenden Vorstandsvorsitzenden immer jünger werden. Mittlerweile sind sie im Schnitt erst 57 Jahre alt, wenn sie ihre Ämter abgeben. „Früher waren die meisten 60 Jahre oder älter“, sagt Gushurst. Die meisten Ausgeschiedenen fühlten sich noch zu jung, um sich auf eine beratende Tätigkeit zurückzuziehen. „Die möchten weiter voll arbeiten.“ Am liebsten wieder als Vorstandsvorsitzender. Das aber ist schwer. Auch wenn die Headhunter nicht mehr wie vor einigen Jahren nach den dynamischen Mittvierzigern suchen: „Ab Mitte fünfzig fällt man vom Radarschirm für eine CEO-Position“, sagt Gushurst.

          Im internationalen Vergleich sind die Chefetagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Hort der Kontinuität. Die Fluktuationsrate bewegte sich im vergangenen Jahr bei 12,3 Prozent, die mittlere Verweildauer bei fast sieben Jahren - damit war Deutschland wieder einmal die Region auf der Welt mit den wenigsten Wechselfällen. Im weltweiten Durchschnitt lag die Fluktuation bei 14,4 Prozent und die Verweildauer bei fünf Jahren. Besonders schnell drehte sich das Personalkarussell in den aufstrebenden Wachstumsregionen der Welt, etwa in Brasilien, Russland und Indien: Dort wurde mehr als jeder fünfte Vorstandsvorsitzende ausgewechselt.

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