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Gründerserie : Das Drei-Monats-Auto

  • -Aktualisiert am

Stolzer Gründer: Armin Müller in seinem Elektroauto ILO 1 Bild: Verena Müller

Vom digitalen Zwilling und von der digitalen Produktentwicklung wird viel gesprochen. Das Start-up Emm Solutions hat es geschafft: In drei Monaten war ein Auto entwickelt.

          Das Ladenlokal der ehemaligen Bäckerei ist leer. Das Firmenschild ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Es weist den Weg. Der Besucher muss einmal um das Gebäude am Rande der baden-württembergischen Kleinstadt Weil der Stadt herumgehen, um den richtigen Eingang zu finden. Tritt er in die umgebaute Backstube, sieht er mitten im Raum ein kleines, einsitziges Elektroauto stehen. Das Fahrzeug mit dem Namen ILO 1 ist von der Emm Solutions GmbH entwickelt worden. Die Technik für das autonome Fahren ist schon mit eingebaut.

          Gründer und Eigentümer des Start- ups mit insgesamt neun Beschäftigten ist der 57 Jahre alte Diplom-Ingenieur Armin Müller. Er hat vor seinem Schritt in die Selbständigkeit jahrelang in der Automobilindustrie und in der Zulieferindustrie gearbeitet. Zuletzt war er Manager bei Porsche, davor beim Zulieferer ZF Friedrichshafen. Und die Anfänge rund um das automatisierte Fahren kennt er aus seiner Zeit bei Daimler. „Doch damals war die Zeit noch nicht reif dafür“, sagt Müller. Zwanzig Jahre später ist das der Fall, und der 57-Jährige befasst sich intensiv mit Mobilitätskonzepten der Zukunft. Sein kleines Unternehmen ist etwa 30 Kilometer westlich von Stuttgart ansässig.

          Drei Prototypen vom Einsitzer

          Im Zuge eines Projekts mit Partnern, bei dem es um die künftige Organisation des Verkehrs in Neubaugebieten ging, ist auch das kleine Elektroauto entstanden. Von ihm gibt es drei Prototypen. Der 450 Kilogramm schwere Einsitzer bringe es auf eine Reichweite von 80 Kilometern. Das Fahrzeug hat die kleine Mannschaft von Müller entwickelt. Und das nur innerhalb von drei Monaten. Das habe in der kurzen Zeit nur geklappt, weil eine digitale Entwicklungs- und Produktionskette zum Einsatz gekommen sei.

          Über eine webbasierte Software sei die gesamte Kommunikation mit den Lieferanten abgelaufen. Dort seien dann einzelne Teile oder Bauteilgruppen für einen bestimmten Lieferanten freigegeben worden. Dieser wiederum hat dann Zugriff auf alle dort hinterlegten Dokumente gehabt. So habe man mit Zulieferern rund um Stuttgart zusammengearbeitet und auch Komponenten aus der Schweiz bezogen. „Wenn man etwas kaufen kann, machen wir es nicht selbst“, sagt der studierte Maschinenbauer.

          Wenig Platz für viel Technik

          Die Mitarbeiter des Mitte 2015 gegründeten Unternehmens kümmerten sich vor allem um Fragen rund um die Software und das Design der Hülle. Das brachte die eine oder andere Herausforderung mit sich. Denn in dem nur 1,3 Meter breiten und 2,3 Meter langen Fahrzeug ist einiges an Technik unterzubringen – neben den klassischen Dingen wie Elektroantrieb samt Batterie, Lenkung und Bremse auch die komplette Elektronik. Heraus kam ein futuristisches Gefährt mit Straßenzulassung. Nun bemüht sich Müller, den kleinen urbanen Mini-Flitzer zu vermarkten, was keine leichte Aufgabe sein wird. In einer späteren Variante sollen dann einmal zwei Personen befördert werden können. Für das Vorhaben ist er auf Investoren angewiesen.

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