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Gründerserie : Das Drei-Monats-Auto

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Von ihnen erwartet er keine allzu große Unterstützung. Denn diese wollen ihre eigenen Transportsysteme anbieten. Und ferner verweist er auf folgenden Umstand: „Die wirtschaftlichen Randbedingungen für eine Zusammenarbeit kann man sich als kleines Unternehmen nahezu nicht leisten.“ Müller sieht in den einmal vielleicht völlig autonom fahrenden Autos nicht das Allheilmittel, um die Verkehrsprobleme in den Städten und Ballungsräumen zu lösen. Es könnte der Verkehr sogar eher zunehmen: „Wenn einer den Mantel vergessen hat, ruft er seine Frau an. Die schickt dann ein Fahrzeug mit dem Mantel los.“ Das sorge dann für zusätzlichen Verkehr. Und dieser müsse durch eine intelligente Organisation eher verringert werden. Denn im Schnitt seien in einem heutigen Fahrzeug nur 1,1 Personen unterwegs. Eine mögliche Lösung: kleine Autos und die intelligente Steuerung des Verkehrs in möglichst kleinräumigen Abschnitten. Am besten in den einzelnen Stadtvierteln.

Konzept für Kommunen gefragt

Auch mit Letzterem befasst sich das Unternehmen, das 2017 einen Umsatz von 1,7 Millionen Euro machte. So entwickelte Müller mit seinen Mitarbeitern ein Konzept, wie in Mannheim auf einem früheren Kasernengelände künftig der Verkehr organisiert werden kann – vom automatisierten Fahren bis hin zum Einsatz von Elektrobussen. Er machte dabei die Erfahrung: Bei Kommunen dauert es immer eine gewisse Zeit, bis die Dinge ins Laufen kommen. „Die Stadtverwaltungen müssen nach politischen Vorgaben arbeiten.“ Das ist er mit seiner Erfahrung aus der Industrie bislang nicht gewohnt gewesen. Eine Verwaltung braucht eben länger Zeit, um etwas umzusetzen, als ein großer Autobauer.

Während das ein oder andere Projekt noch in der Zukunft spielt, befasst sich die Emm Solutions GmbH daneben auch mit der Lösung von aktuellen Verkehrsproblemen. Ein Beispiel dafür ist die Verkehrsfluss-Messung an einer besonders gefährlichen Straßenkreuzung bei Pforzheim. Die Linksabbieger auf einer vielbefahrenen Straße hatten Schwierigkeiten, eine Lücke zu finden, die groß genug für ein sicheres Abbiegen war. „Sie versuchten auch kleinere, riskante Lücken zu nutzen“, sagt Müller. Die Folge: steigende Unfallzahlen.

Verzicht auf Fördermittel

So kam bei der Beobachtung und Zählung der Fahrzeuge heraus, dass ein Kreisverkehr nicht die optimale Lösung sei, sondern die Kreuzung anders umgebaut werden sollte, um künftig die Zahl der Zusammenstöße dauerhaft zu senken. Die Vorschläge des kleinen Start-ups haben die kommunalen Planer nun übernommen.

Unternehmensgründer Müller hat mehrere hunderttausend Euro seines Privatvermögens in den Aufbau seiner neuen Existenz gesteckt. Auf staatliche Fördermittel hat er dabei ganz bewusst verzichtet. Seine knappe Zeit habe er statt in das Ausfüllen der Anträge lieber in den Aufbau des Unternehmens gesteckt. Schon der Umbau der Räumlichkeiten der früheren Bäckerei hat ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Nun reicht der Platz in der einstigen großen Backstube nicht mehr aus. Deshalb wird auch der entsprechende Verkaufsraum hergerichtet, damit dort künftig gearbeitet werden kann.

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