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Studie : Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit wirkt bisher nicht

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Eigentlich sollte das Entgelttransparenzgesetz die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern vorantreiben. Doch bislang ist es kein großer Erfolg.

          Das vor eineinhalb Jahren in Kraft getretene Entgelttransparenzgesetz soll die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern vorantreiben. Doch die Regelungen für mehr Lohngerechtigkeit werden noch selten angewendet, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung berichtet. Das Gesetz zeige bisher „keine spürbaren Effekte“, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Studie. Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten müssen diesen seit Januar 2018 auf Anfrage erläutern, nach welchen Kriterien sie wie bezahlt werden.

          „Offenbar fühlte sich nur ein kleiner Teil der Betriebe von der Aufforderung angesprochen, im Betrieb für Entgeltgleichheit zu sorgen“, kritisieren die Autoren der Studie, für die Antworten aus der WSI-Betriebsrätebefragung ausgewertet wurden. In nur zwölf Prozent der Betriebe sei die Geschäftsführung von sich aus aktiv geworden, um das Gesetz umzusetzen. In mittelgroßen Betrieben mit 201 bis 500 Beschäftigten habe nur knapp ein Fünftel (19 Prozent) der Firmenleitungen etwas unternommen.

          Auch die Beschäftigten zögerten noch, ihren Auskunftsanspruch wahrzunehmen. Nur in 13 Prozent der mittelgroßen Betriebe habe sich mindestens eine Person an den Betriebsrat gewandt, um ihr Gehalt überprüfen zu lassen. Diese Entwicklung hatte sich schon im vergangenen Sommer angedeutet, wie die F.A.Z. damals berichtet hat. Bei großem Betrieben seien es immerhin 23 Prozent.

          Zu ähnlichen Ergebnissen war eine Befragung von Personalleitern durch das ifo-Institut und den Personalvermittler Randstad gekommen. Danach haben nur in knapp 10 Prozent der befragten Unternehmen Beschäftigte von ihrem Auskunftsanspruch Gebrauch gemacht.

          Die Autoren der WSI-Studie sprachen sich für strengere Auflagen und spürbare Sanktionen im Entgelttransparenzgesetz aus. Die gebe es nämlich bisher nicht.

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