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Susanne Funk klickt sich am Computer durch die Marktanalyse, die sie zur Riester-Rente erarbeitet hat. Manchmal aber läßt sie sich ablenken. Die Aussicht sei doch zu verlockend, gibt sie zu. Denn wenn die Neunzehnjährige von ihrem ...

          Susanne Funk klickt sich am Computer durch die Marktanalyse, die sie zur Riester-Rente erarbeitet hat. Manchmal aber läßt sie sich ablenken. Die Aussicht sei doch zu verlockend, gibt sie zu. Denn wenn die Neunzehnjährige von ihrem Arbeitsplatz bei Union Investment aus dem Fenster im siebten Stock schaut, hat sie Frankfurts ganze Welt der Finanzen im Überblick. Die beiden Türme der Deutschen Bank, den Commerzbank Tower, die Zentrale der Dresdner Bank. Und wären die Hochhäuser nicht davor, könnte man wohl auch die Börse in der Altstadt sehen.

          Susanne Funk gehört zum ersten Jahrgang, der seit vergangenen September bei Kapitalanlagegesellschaften zum Investmentfonds-Kaufmann ausgebildet wird. Die Branche braucht neue Spezialisten. Das Fondsgeschäft wird komplizierter, die Produktpaletten der Anlagegesellschaften breiter. "Da kommt ein Bankkaufmann nicht mehr mit", sagt Kirsten Hoppmann von der Personalabteilung bei Union Investment. Bank- und Versicherungskaufleute seien zu sehr für Beratung und Verkauf am Schalter ausgebildet, und auch Absolventen der Wirtschaftsstudiengänge müßten sich das Rüstzeug für den Job peu à peu im Unternehmen erarbeiten. Der neue Beruf bereitet nun den direkten Weg in das Fondsgeschäft.

          Auszubildende lernen Struktur und Zielgruppen von Fonds kennen. Was ist ein Immobilien-, was ein Aktien-, was ein Rentenfonds? Warum wird er aufgelegt, für welche Anleger ist er geeignet, und wie setzt sich seine Wertentwicklung zusammen? Um diese Fragen zu beantworten, lernen Investmentfonds-Kaufleute, wie die Märkte funktionieren. Ihre Analysen unterstützen die Fondsmanager bei den Entscheidungen, die der Investmentfonds-Kaufmann dann wiederum umsetzt. In der Ausbildung durchlaufen Funk und ihre Kollegen Stationen im Depotgeschäft, in der Fondsbuchhaltung, in der Marktanalyse, in Marketing und Vertrieb. "Im Depotservice müssen wir zum Beispiel Fondsanteile buchen", sagt Hau Yuk Man, die bei der DekaBank in Frankfurt lernt. Sie berechnet Steuern für Fonds und Depots, bucht Gelder und kontrolliert Berechnungen anderer.

          In der Berufsschule stehen Steuerrecht, Wirtschaftsenglisch und Wertpapierkunde auf dem Stundenplan. Fachwissen verlangen die Unternehmen von Bewerbern am Anfang nicht. "Das fängt in der Ausbildung bei Adam und Eva an. Welche Wertpapiere gibt es? Und warum gibt ein Unternehmen eine Aktie oder eine Anleihe aus? Das lernt man ganz schnell", sagt Susanne Funk. Für manche ein Nachteil: Fünf der sieben ausbildenden Unternehmen sitzen in Frankfurt. Auszubildende aus München und Stuttgart müssen zum Unterricht eigens an den Main reisen. Erst wenn das Ausbildungsangebot ausgeweitet wird, soll es auch in anderen Städten eigene Berufsschulklassen geben. Laut Branchenverband BVI soll das schon bald geschehen. Das Fondsgeschäft ist zwar vom Auf und Ab an der Börse und der Laune der Anleger abhängig. Wenn er seine Mittel zurückzieht, weil die Kurse an den Börsen fallen, geht es auch der Branche weniger gut. Langfristig aber steigt das in Fonds angelegte Vermögen - im vergangenen Jahrzehnt von 130 auf 862 Milliarden Euro. Im internationalen Vergleich sei der deutsche Fondsmarkt immer noch unterentwickelt, sagen Experten. Außerdem werden Fonds zunehmend für die breite Bevölkerung zu einem begehrten Anlageinstrument, vor allem zur privaten Altersvorsorge. Das schafft Chancen auch für den Nachwuchs.

          Jörg Rühle von der Personalberatungsgesellschaft Kienbaum bescheinigt dem Beruf daher gute Aussichten. Gegenüber alternativen Produkten der Altersvorsorge wie Lebensversicherungen würden Fonds weiter an Bedeutung gewinnen. Auch Marlies Dorsch-Schweizer, beim Bundesinstitut für Berufsbildung zuständig für Finanzdienstleistungsberufe, bewertet die Perspektiven positiv, weil Investmentfonds-Kaufleute nicht nur bei Kapitalanlagegesellschaften, sondern auch bei Kreditinstituten und Versicherungen arbeiten können. Außerdem bilden die Unternehmen nach Bedarf aus, das heißt: Wer eine der Ausbildungsstellen bekommen hat, hat einen Job nach der Ausbildungszeit so gut wie in der Tasche. Doch die Lehrstelle muß man erst mal bekommen. Für die 37 Plätze des ersten Jahrgangs gingen mehr als 600 Bewerbungen bei den Unternehmen ein. Die Selektion ist hart: Formal ist für die Ausbildung nur ein Hauptschulabschluß notwendig. Tatsächlich bevorzugen die Unternehmen aber Abiturienten, Absolventen von Wirtschaftsfachschulen und Realschüler mit sehr guten Noten, vor allem in Mathematik und Englisch. "Ich gehe gern analytisch vor", sagt Susanne Funk und erwähnt damit den Punkt, den Personaler bei der Auswahl ihrer Investmentfonds-Kaufleute am wichtigsten finden. Geachtet wird auch auf Teamfähigkeit, ein Gespür für wirtschaftliche Zusammenhänge, kundenorientiertes, seriöses Auftreten und Interesse am Börsengeschehen, zählen die Personaler der Unternehmen weiter auf.

          "Performance", "Benchmark" und andere Begriffe aus der Finanzwelt haben die junge Frau nie abgeschreckt. Sie fielen sogar am Abendbrottisch, darf man vermuten. Ihr Vater ist Börsenmakler, ihre Mutter arbeitet bei einer Ratingagentur in der Nähe von Frankfurt. Das kam ihr bei ihrer Berufswahl zugute. Über ihre eigene spätere Arbeit hat Susanne Funk noch keine festen Vorstellungen. Nur soviel will sie sagen: "Fondsmanager klingt doch gut, oder?"

          Die Auswahlverfahren haben begonnen

          In der Ausbildung orientiert sich der Lohn je nach Unternehmen am Tarif für Bank- oder Versicherungskaufleute. Im ersten Fall verdienen Auszubildende im ersten Lehrjahr rund 700 Euro, im zweiten und dritten je 50 Euro mehr. Im zweiten Fall gibt es im ersten Jahr 710 Euro und in den beiden folgenden Jahren je 70 Euro mehr. Über Einstiegsgehälter nach der Ausbildung schweigen sich die Unternehmen aus. Ausbildungsbeginn ist der 1. August. Der Deutsche Investment-Trust dit in Frankfurt nimmt noch bis Ende April Bewerbungen an. Bei den übrigen Gesellschaften hat das Auswahlverfahren für 2005 bereits begonnen. Bewerbungen werden jetzt entgegengenommen, die Auswahl beginnt in den meisten Fällen im Sommer. Die Broschüre "Investmentfondskaufmann/frau - der Bluechip für Ihren Karrierestart" sowie weitere Informationen zum Berufsbild, zur Ausbildung und die Adressen der ausbildenden Kapitalanlagegesellschaften gibt es beim Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), Eschenheimer Anlage 28, 60318 Frankfurt, Telefon 069/154090-0. Die Internet-Adresse lautet: www.bvi.de. Nähere Informationen finden sich ebenfalls im Internet unter www.investmentfonds kaufmann.de. Auch auf der Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums unter www.bmwa.bund.de oder beim Bundesinstitut für Berufsbildung (Bibb) in Bonn (www.bibb.de) sind Details nachzulesen oder zu erfragen.

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