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Führungskräftetraining : Von Lamas lernen

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„Wahrnehmen, beobachten und einfühlen“

Ihre Einschätzung: Lamas sind hochsensibel und reagieren sofort. Damit spiegeln sie dem Führer fast eins zu eins wider, welche Reaktionen sein Verhalten auslöst. Das Gemeine dabei: Auch die Kuschelstrategie bringt Lama-Führern wenig. „Denn dann macht das Tier erst recht, was es will.“ Doch wie sieht der richtige Umgang aus? Diese Frage kann weder Psychologin Philipp-Odermatt noch Trainer Wagner beantworten. Denn den allgemein richtigen Umgang mit den Tieren gibt es schon deswegen nicht, weil auch in der Herde keines wie das andere ist. Black Jack ist abwartend, auch Baron kann nur wenig aus der Ruhe bringen, Balou dagegen ist manchmal ein wenig zu eifrig, Cesar drängelt sich gerne nach vorne ...

„Wahrnehmen, beobachten und einfühlen“, erläutert Trainer Wagner, sind die Schlüsselkompetenzen. Dies gelte für das Lamatrekking wie für den Berufsalltag. Nur wer es schafft, tier- und situationsbezogen zu agieren, gewinnt das Vertrauen. Hier in den Karnischen Alpen ist das nicht immer ganz einfach: Unruhig wandern Mensch und Tier los, zuerst über eine schmale Brücke hinein in den Wald, wo immer wieder umgestürzte Bäume überwunden werden müssen. Dann über einen steilen Pfad zur Burgruine Goldenstein hinauf. Hin und wieder muss Führer Kanzian helfen, zum Beispiel an einer 30 Meter langen Hangbrücke mit nassen Brettern, die nur von drei Tandems fehlerfrei gemeistert wird. Balou mag auch hier nicht.

Das Tier ähnelt ihnen selbst

Zweieinhalb Stunden dauert der Marsch, der auch einiges an Kondition verlangt. Doch nach und nach kehrt Ruhe ein in die Gruppe. Während des Abstiegs ist es zu Kanzians Freude mucksmäuschenstill. Alle Menschen und alle Lamas gehen im Gleichschritt, alle Abstände werden eingehalten. Alle Führer haben den Draht zu ihrem „Mitarbeiter“ gefunden. Doch damit ist die tierische Lehrstunde noch nicht zu Ende. Nach dem Ableinen folgt noch einmal Theorie. Anhand des DISC-Modells erläutert Trainer Wagner die vier verschiedenen Verhaltenstypen, die jeder Mensch in sich trägt - nur in unterschiedlicher Ausprägung: dominantes, inspirierendes, unterstützendes und kontrollierendes Verhalten.

Für alle überraschend: Auch bei den Lamas finden sich laut Wagner diese Eigenschaften. Zuerst löst er mit dieser Aussage großes Geraune aus. Doch schnell sind sich die Teilnehmer in ihrer Verblüffung einig: Das Tier, zu dem sie sich vermeintlich spontan hingezogen fühlten, ähnelt ihnen selbst. „Und das fast zu hundert Prozent“, wie sich nicht nur Teilnehmer Kaschitz wundert. Warum das so ist, können Kanzian und Wagner auch nicht erklären. Und doch erleben sie es auf allen Touren. Psychologin Philipp-Odermatt geht noch einen Schritt weiter. Nicht der Mensch wählt ihrer Meinung nach sein Tier, „sondern andersherum“.

Teilnehmer Johannes Kaschitz ist das egal. Denn kaum ist ihm die Parallelität bewusst, wird das Ergebnis des Seminars sehr konkret. Spontan fallen ihm und den anderen Seminarteilnehmern gleich zig Erlebnisse aus dem Führungsalltag ein, die denen am Berg ähneln - und die sie künftig besser machen wollen. Die größte Erkenntnis, die Kaschitz mit nach Hause nimmt, klingt auf den ersten Blick banal: „Wenn ich etwas erreichen will, muss ich meinen Führungsstil den jeweiligen Situationen und Mitarbeitern anpassen.“ Gehört, räumt Kaschitz ein, hat er das schon häufig. Gezeigt hat es ihm erst Balou.

Anbieter von Lama-Seminaren

Lamatrekking, Rosanna & Johann Kanzian, A-Dellach im Gailtal;
www.lamatrekking.at

Ich-Training, Manfred Wagner, A-Villach; www.ichtraining.at

Vogelsberglamas & Trekkingesel , Silke Philipp-Odermatt, D-Alsfeld-Lingelbach; www.vogelsberglamas.de

Prachtlamas, Beate Pracht, D-Gelsenkirchen; www.prachtlamas.de
 

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