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Lohngerechtigkeit : Reden wir über Geld!

Lieber auf den Bildschirm starren? In Unternehmen wird nur ungern übers Gehalt gesprochen. Bild: dpa

Transparente Gehälter sollen zu mehr Gerechtigkeit führen. Doch viele Unternehmen scheuen vor allzu großer Offenheit zurück. Zu Recht?

          Wie viel verdient der Kollege im Nebenzimmer, wie viel die Kollegin gegenüber am Fenster? In vielen Unternehmen sind nur die Einstiegsgehälter von Studienabsolventen bekannt. Wer an der Börsen notiert ist, muss die Gehälter der Vorstände offenlegen. Darüber hinaus ist das Gehalt der meisten Beschäftigten in der Privatwirtschaft ein gutgehütetes Geheimnis. Im vergangenen Jahr trat das Entgelttransparenzgesetz in Kraft – und erwies sich als kaum genutztes stumpfes Schwert. Das Gesetz hält größere Unternehmen dazu an, ihre Entgeltstrukturen zu überprüfen.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das tun aber nur herzlich wenige. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kam Anfang des Jahres in einer Studie zu der Bilanz: Ein Großteil der Unternehmen hatte noch keine Schritte zur Umsetzung des Entgelttransparenzgesetzes unternommen. Unter denjenigen mit mehr als 500 Mitarbeitern geschah nur in etwa jedem fünften Unternehmen etwas – so jedenfalls die Aussagen der für die Studie repräsentativ befragten Betriebsräte.

          Dabei ist solch eine Überprüfung durchaus möglich, wie etwa das Beispiel der Citigroup zeigt – eines der wenigen Unternehmen, die in Deutschland, aber auch auf der ganzen Welt aktiv geworden sind. Die amerikanische Bank ist eine der größten Adressen rund um die an egoistischer Gier angeblich so reiche New Yorker Wall Street. Ein externes, auf Vergütungsberatung spezialisiertes Unternehmen hat in den vergangenen Jahren zweimal schon die Gehaltsdaten aller rund 200.000 Citi-Mitarbeiter auf Gehaltsungerechtigkeiten hin untersucht.

          Es geht nicht nur um den Gender Pay Gap

          Das Ergebnis: Zwar bekommen auf gleichen Stellen die weiblichen Citi-Mitarbeiterinnen auf der Welt 99 Prozent dessen, was ihre männlichen Kollegen verdienen. Trotzdem gibt es durchaus Ungleichbehandlungen. Nicht immer aber waren, wie vielleicht zu vermuten wäre, Frauen schlechtergestellt, sondern es wurden auch männliche Kollegen identifiziert. „In der Folge haben wir diese Ergebnisse beide Male herangezogen, um Gehälter aufzubessern und dadurch Lücken zu verkleinern“, sagt Andreas Irmer, Personalleiter der Citigroup in Deutschland: „Gehältergerechtigkeit ist ein Thema unabhängig von Geschlecht oder ethnischen Minderheiten.“

          Doch im Fokus der deutschen Öffentlichkeit steht vor allem die Lohnlücke zwischen Mann und Frau. Im Schnitt verdienen Frauen in Deutschland brutto 21 Prozent weniger als Männer. Rechnet man Faktoren wie Branche, Position oder Arbeit in Teilzeit mit ein, schrumpft die Lücke auf rund 6 Prozent. Abhilfe versprechen sich viele unter anderem durch mehr Transparenz bei den Gehaltsstrukturen. Henrike von Platen, die Gründerin des Berliner Fair-Pay-Innovation Labs, sieht vor allem einen Vorteil: „Wenn Lohnlücken öffentlich diskutiert werden können, handeln Unternehmen auch schneller.“

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