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Fremde Idiome : Kaltwalzstraße auf arabisch

Bild: F.A.Z.-Tresckow

Wer will schon Kauderwelsch in Bedienungsanleitungen wie früher üblich bei Importgeräten aus Fernost? Heute werden hohe Ansprüche an Industrieübersetzer gestellt. Sie übertragen Fachtexte in fast jede Sprache der Welt.

          "Stellen Sie die Gerte des Singweisen Griffers Zur Einstellung. Eine nette Singweise wird verbeugen den anderen Teil auf denn Telephon von hörender Yhrer geheimer Unterredung." Was klingt wie die ersten Sprechversuche eines nicht ausgereiften Roboters, ist die berühmt gewordene Übersetzung einer koreanischen Bedienungsanleitung für ein Mobiltelefon ins Deutsche. Hätte ein professioneller Fachmann sich des Textes angenommen, das Ergebnis wäre verständlich geworden.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          An solchem Kauderwelsch, wie es noch vor ein paar Jahren vor allem bei Importgeräten aus Fernost üblich war, zeigen sich die hohen Ansprüche an Industrieübersetzer, die nicht nur Bedienungsanleitungen, sondern auch Geschäftsberichte, Bilanzen oder Patente korrekt und schnell in fremde Sprachen übertragen müssen.

          Techniker und Sprachjongleure

          Eine Aufgabe, die außer perfekte Sprachkenntnisse auch umfassendes technisches und betriebswirtschaftliches Wissen verlangt, wenn Begriffe wie "Bilanzkorrektur" oder "Jahreshauptversammlung" übersetzt werden sollen. Gefragt sind Techniker und Sprachjongleure, Generalisten und Spezialisten zugleich.

          Nejib Ben Abbes-Kaiser hat diese Voraussetzungen. Der gebürtige Tunesier studierte in Nordafrika Betriebswirtschaft und Informatik, später in Deutschland mehrere Sprachen, darunter Persisch, Äthiopisch oder Südarabisch. Heute ist Kaiser freischaffender Industrieübersetzer in Bad Homburg und überträgt Texte unterschiedlicher Kunden ins Französische, Englische und vor allem ins Arabische. Die Auftraggeber wechseln täglich; große koreanische Elektronikkonzerne sind genauso darunter wie kleine und mittelständische Unternehmen. Etwa zehn Anfragen bekommt Kaiser an jedem Tag, mit Texten, die so verschieden sind wie die Auftraggeber: Werbebroschüren für Babymilch, die vom Englischen ins Deutsche, oder Handbücher für Mikrowellengeräte, die vom Französischen ins Arabische zu übersetzen sind.

          Obwohl viele Industriekonzerne eigene Übersetzungsabteilungen haben, arbeiten die meisten gerne mit freien Übersetzern zusammen. Denn selbst große Abteilungen können die zahlreichen Übersetzungen, die ständig anfallen, intern kaum bewältigen. Außerdem, sagt Übersetzer Abbes-Kaiser, seien die großen Betriebe so besser in der Lage, auf die Auftragslage zu reagieren - etwa, wenn ein neues Produkt auf den Markt komme und binnen weniger Wochen Tausende Schriftstücke zu übersetzen seien. "Gerade bei unseren Geschäftsberichten würden zu viele Ressourcen gebunden, wenn wir sie intern übersetzten", bestätigt Andreas Framke von der Linde AG. Auch sei die Flexibilität des Konzerns sehr viel größer, wenn man Texte wie Lasten- und Pflichtenhefte oder Maschinenbeschreibungen von Externen in fremde Sprachen übertragen lasse. "Kleinere Pressemitteilungen übersetzen wir auch schon mal selbst", sagt Framke.

          „...oder einfach neue Wörter erfinden“

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