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Freiberufler : Problemlöser für alle Fälle

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Mobiles Wissen: Für heikle Fragen schalten Unternehmen gerne externe Experten ein Bild: Caro / Hechtenberg

Im Zeitalter der Globalisierung benötigen die Unternehmen immer mehr projektbezogenes Spezialwissen. Das ist die Stunde der Freiberufler mit breiter Erfahrung.

          Zeitarbeit, Job-Sharing, Home Offices: Die Arbeitswelt kennt inzwischen viele Varianten. Jahr um Jahr acht Stunden am Tag und dies immer beim selben Arbeitgeber - das ist für viele Beschäftigten passé. Manche verlegen sich auch ganz auf das Dasein als Freiberufler jenseits der klassischen Tätigkeiten als Ärzte, Anwälte oder Architekten. Dies beileibe nicht nur in der IT-Branche. Der Kreis zieht sich heutzutage viel weiter und umschließt immer mehr die sogenannten Independent Professionals, kurz IP genannt.

          Um was geht es? Der oder die IP bildet eine Mischung aus betriebsspezifischem Experten, Unternehmensberatern, Managern und Zeitarbeitern. Im Idealfall vereint er die besten dieser Welten auf sich. Gemeinsam ist diesen Spezialisten mit Beratungshintergrund, dass sie zeitlich begrenzt in die Unternehmen geholt werden und für eine konkrete Aufgabe Teil des Teams werden. „IP sind die eingesourcten Problemlöser“, sagt Robert Berendes, Miteigentümer und Partner der auf diese Berufsgruppe spezialisierten Vermittlungsagentur A-Connect in Zürich und Ablegern unter anderem in München.

          Spezielle Aufgaben für IPs

          Die Aufgaben, für die Independent Professionals auf Zeit gesucht werden, sind in den allermeisten Fällen sehr speziell. Oder, wie der Zukunftsforscher Bob Johansen als Trend definiert: Sie erfüllen in der globalisierten Welt „Mikro-Aufgaben“. Da benötigt ein Hersteller landwirtschaftlicher Geräte jemanden, der den Kundendienst in Portugal auf Vordermann bringt; oder ein Chemie-Experte, der fließend Mandarin spricht, soll in China eine Fabrikerweiterung sachkundig begleiten; oder es wird ein Pharma-Jurist für Brasilien gesucht, der sich in den Zulassungsbedingungen auskennt und Kontakte zu den Behörden hat, und so weiter und so fort.

          Die internen Vorbehalte, die den neuen Kollegen entgegenschlagen können, sind nicht zu unterschätzen. Das ist verständlich, sind diese doch relativ weit oben in der Firmenhierarchie angesiedelt, wenn nicht auf Vorstandsebene, dann zumindest auf der zweiten oder dritten Stufe. Können wir das nicht selbst und im Zweifel besser, heißt es da gerne. So gibt sich zum Beispiel die Personalabteilung des Pflanzenschutzkonzerns Syngenta nach den Worten ihrer Leiterin Caroline Luscombe gegenüber solchen Verstärkungen zurückhaltend, weil man die eigenen Leute nicht entmutigen wolle.

          Allianz und Kuoni arbeiten mit IPs

          Andererseits bediente sich der Schweizer Touristikkonzern Kuoni beim Verkauf seiner Reisebüros an die deutsche Rewe-Gruppe eines IP, weil intern das nötige Wissen dazu fehlte. Der Fernsehsender Pro Sieben Sat.1 griff schon mehrfach auf die externen Profis zurück, zum Beispiel für Analysen zu Zukunftsmärkten, die man im Visier hat. Solche begrenzten Aufgaben seien für die großen Beratungskonzerne nicht sonderlich interessant, befindet der Pro-Sieben-Manager Claas van Delden. Zuweilen holt er IP auch einfach als Verstärkung in bestehende Projektteams. Der Versicherungskonzern Allianz setzte für ein Projekt zur Steigerung der Kundenzufriedenheit in Deutschland sechs Monate lang einen IP ein. „Da benötigte ich nicht gleich die Teams der etablierten Unternehmensberatungen“, erläutert der zuständige Manager Martin Seibold, sondern eine Person mit Industrie-Background und Führungserfahrung.

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