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Analyse : Feministinnen, regt euch ab!

  • -Aktualisiert am

Frauen sind die Aufsteiger im Berufsleben. Bild: dpa

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer. Mit Diskriminierung hat das aber kaum etwas zu tun – bei der Lohnlücke bleiben wichtige Merkmale unberücksichtigt.

          Vergleiche sind praktisch, um Menschen von einer Sache zu überzeugen. Vor allem, wenn es ums Thema Gerechtigkeit geht. Ob sie dagegen sinnvoll sind, das steht oft auf einem ganz anderen Blatt. Zum Beispiel bei der Lohngerechtigkeit, einem Lieblingsschlagwort der SPD. Klingt gut, ist aber leider komplexer, als es auf den ersten Blick scheint.

          Es sei ein „sozialpolitischer Skandal“, dass Frauen in Deutschland im Jahr 2015 noch immer 21 Prozent weniger verdienten als Männer, empörte sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel Anfang der Woche. Ein „Gender-Gap“ von 21 Prozent, das klingt allerdings nach einer Menge Holz und impliziert, dass Frauen ungerecht behandelt werden.

          „Bereinigte Lohnlücke“ ist deutlich kleiner

          Doch schaut man sich an, wie diese Zahl zustande kommt, dann relativiert sie sich recht schnell. Es handelt sich um die unbereinigte Lohnlücke, das heißt: Es zählt allein der nach Geschlechtern erhobene Bruttodurchschnittslohn. Völlig unbeachtet bleibt, ob die Menschen zum Beispiel Teil- oder Vollzeit arbeiten, in welchen Branchen sie beschäftigt sind, wie groß das Unternehmen ist, für das sie arbeiten, und wie ihre Berufserfahrung aussieht.

          Genau solche Merkmale muss man aber berücksichtigen, um die sogenannte bereinigte Lohnlücke zu berechnen. Auch dazu gibt es eine Reihe von Untersuchungen. Je nach Studie liegt der Abstand zwischen Männern und Frauen dann nicht mehr bei 21, sondern irgendwo zwischen 7 und 2,3 Prozent. Zum höchsten Wert von 7 Prozent kommt in seiner Berechnung das Statistische Bundesamt. Doch es berücksichtigt zum Beispiel die Erwerbsunterbrechungen nicht – also jene Pausen in der beruflichen Laufbahn, die bei Frauen mit Kindern die Regel sind, bei Männern jedoch deutlich seltener auftauchen.

          In einer Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts hingegen werden solche Unterbrechungen berücksichtigt. Das hat zur Folge, dass der unerklärte Anteil am Lohnunterschied mit 2,3 Prozent deutlich geringer ausfällt. Nicht einmal diese deutlich geringere Gehaltslücke lässt sich automatisch auf systematische Frauendiskriminierung zurückführen. Das wäre zwar aus populistisch-politischer Sicht verständlich, doch trotzdem falsch. Die Studie sagt erst einmal einfach nur, dass der Unterschied nicht mit den angewandten statistischen Merkmalen erklärt werden kann.

          Es hängt viel an individuellen Entscheidungen

          Es gibt eben auch noch ganz andere Faktoren, die sich auf den Lohn auswirken. Letztlich hängt viel an individuellen Entscheidungen und traditionellen Rollenbildern in der Gesellschaft. Die ersten Weichen werden schon bei der Entscheidung für eine bestimmte berufliche Laufbahn gestellt. Frauen arbeiten häufiger in Jobs mit geringem Verdienst als Männer. Das bedeutet konkret, dass sie in sozialen Berufen über- und in technischen unterrepräsentiert sind.

          Wenn sie sich also eher für Tätigkeiten in schlechter bezahlten Branchen entschließen, dann ist das ihre eigene Verantwortung. Zwar kann diese Wahl durch das Rollenverständnis innerhalb der Gesellschaft beeinflusst werden. Aber ist es die Aufgabe des Staates, die Ansichten der Menschen hier unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit durch Regulierung zu beeinflussen? Was sich zudem vor allem im Gehaltsvergleich niederschlägt, ist der Entschluss, eine Familie zu gründen und ein Kind zu bekommen. Am geringsten ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen am Anfang der Karriere. Doch mit etwa 29 Jahren ist der Punkt im Leben erreicht, wo die Durchschnittsgehälter anfangen auseinanderzuklaffen.

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