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Wer zahlt für die Fernuni? : Kein Herz für Hagen

  • -Aktualisiert am

Deutschlands größte Akademikerschmiede: die Fernuniversität Hagen Bild: dpa

Die Fernuniversität ist die größte Schmiede für Akademiker in Deutschland. Für mehr Studenten und Fächer fehlt bislang das Geld. Ein Bundesland bastelt nun an einer eigenen Lösung.

          Der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle, DFB-Manager Oliver Bierhoff und der 11 Jahre alte Philip Fricke, Mathematik-Ass aus Krefeld, haben eine Gemeinsamkeit: Die Fernuniversität Hagen ist ihre akademische Startrampe. Fernlehre ist in Deutschland gerade unter Berufstätigen beliebt. Acht von zehn Studenten in Hagen gehen während des Studiums weiter ihrer Arbeit nach. Sie machen ihren Bachelor, Master oder die Promotion, begleitend zum Beruf. Die Fernuni Hagen liegt auf stetem Wachstumskurs. Vierzig Jahre nach ihrer Gründung tritt Rektor Helmut Hoyer jetzt aber auf die Bremse. Die Expansion ist nicht mehr zu finanzieren.

          Doch die Finanzierung der Zukunft ist unklar

          Mit 88.000 Studenten zum Wintersemester 2013 robbte sich die Fernuniversität an ihre Grenzen heran. Die Hochschulleitung musste sich in diesem Semester eingestehen: Dauerhaft ist diese Studentenzahl mit den vorhandenen Ressourcen nicht zu bewältigen. Auch Pläne für zusätzliche Studienfächer legte die Leitung erst einmal beiseite. „Für eine deutliche Steigerung der Studierendenzahlen müssten wir unser Angebot bei den Studienfächern ausweiten. Genau das können wir aber nicht umsetzen“, erläutert Hoyer, der Elektrotechnik studiert hat.

          Ohne Hochschulpakt wäre Schluss

          Das war das Signal für eine Schrumpfkur. Im Sommersemester 2014 zählt die Universität nur noch rund 78.000 Studierende. Auf diesem Niveau soll es jetzt erst einmal weitergehen. Wie bedrohlich die Lage insgesamt ist, machte Hoyer im Ausschuss für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landtags in Düsseldorf klar. „Ohne die zusätzlichen Hochschulpaktmittel könnten wir die Uni dichtmachen oder müssten Personal entlassen.“ Die Fernuniversität kassierte aus den Hochschulpakten I und II des Bundes im vergangenen Jahr rund 32,5 Millionen Euro. Damit finanzierte sie ihre Expansionsstrategie. Die Krux bei den Bundesmitteln: Das Geld fließt nur vorübergehend. Schon in diesem Jahr halbiert sich der Zuschuss aus Berlin. „Und was passiert in den nächsten Jahren?“, fragt die Hochschulleitung in Hagen besorgt.

          Rektor Helmut Hoyer setzt auf ein neues Finanzierungskonzept

          Da müssen andere Lösungen her. Die Hagener schufen sich eine Lobby in Berlin: den „Parlamentarischen Beirat Fernuniversität“. Vorsitzender ist der Hagener Bundestagsabgeordnete René Röspel von der SPD. 18 Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen machen mit, nennenswerte Erfolge gibt es bislang aber nicht. „Wir sprechen mit der Bundesregierung und den Ländern über den nationalen Rang der Universität. Auch über die Unterfinanzierung und das schrumpfende Studienangebot. Langfristiges Engagement gibt es dennoch nicht“, berichtet Röspel.

          Föderalisten zum Umdenken gezwungen

          Die Botschaft des Abgeordneten überrascht nicht. Bund und Länder halten Fernlehre zwar unisono für wichtig, aber finanzieren wollen sie das Projekt nicht. Für den Bund ist ein dauerhaftes Engagement im Augenblick aus rechtlichen Gründen noch unmöglich, und die Länder wollen sich eigentlich in ihre Hochschulpolitik nicht reinreden lassen. In Form des Kooperationsverbots steht dieser Grundsatz auch in der Verfassung. Die Expansion hin zu Massenuniversitäten und die chronische Finanznot zwingen aber auch lautstarke Verfechter des Föderalismus zum Umdenken. Jetzt gibt es Bewegung: Die Bundesregierung hat ihren Antrag zur Lockerung des Kooperationsverbots beschlossen und in den Bundestag eingebracht. Niemand wagt allerdings eine Prognose, ob die Einigung zwischen Bund und Ländern wirklich gelingt und wie sie am Ende konkret aussieht.

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