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Feng-Shui-Büros : Zwischen Harmonie und Hokuspokus

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Raum für Feng Shui: Die Beschäftigten des Pharmaherstellers Pascoe sollen sich wie im Paradies fühlen; die Eingangshalle lässt’s erkennen. Bild: Marcus Kaufhold

Die Gestaltungslehre Feng Shui gilt vielen als halbseiden, andere richten ganze Büros danach ein. Wer das macht und was sich Unternehmen dabei denken.

          Feng Shui ist so eine Sache: Manche schwören geradezu darauf, andere halten demonstrativ Abstand. Das ist in vielen Unternehmen nicht anders als im Privaten. Zwar werden regelmäßig auch Firmengebäude nach den Regeln der chinesischen Harmonielehre gestaltet, manche Hausherren scheuen sich aber, offen darüber zu reden. Während Feng Shui in Asien in allen Facetten des Alltags integriert ist – bei der Bauplanung werden entsprechende Berater so selbstverständlich hinzugezogen wie Statiker –, steht es im Westen oft im Ruf des Esoterischen, Unseriösen, des Hokuspokus. Damit in Verbindung gebracht zu werden, davor scheuen viele Unternehmer und Manager zurück. Es sei denn, es passt zu ihrer Branche. Wie ticken Unternehmen, die von Feng-Shui-Anhängern geleitet werden? Und wie verändert das die Arbeitsplätze dort?

          Die Unternehmensberaterin Bettina Czajkowski hat sich auf den Bau und Umbau von Firmengebäuden nach den Aspekten des Feng Shui spezialisiert. Und sie habe viel zu tun, sagt sie. Ihre Kunden sind vor allem Mittelständler. „Bei Feng Shui geht es darum, dass sich der Mensch wohlfühlt, gesund ist und sein Potential ausschöpfen kann“, sagt sie. Das Ganze basiere auf „einer Art ganzheitlicher Verhaltensforschung, auf jahrhundertelangen Beobachtungen und Dokumentationen“. Dabei gebe es eine physische und eine metaphysische Ebene. „Meine Kunden können sich auf beide Ebenen einlassen, aber die Physische steht im Vordergrund.“ Sie zählt auf, um was es in Firmenzentralen, Foyers oder Büros konkret geht: organische Formen, Rundungen statt Ecken, natürliche Baustoffe, freundliche Farben, angenehmes Licht, abgeschirmte Kabel und Steckdosen. Dagegen könne doch niemand etwas haben – Kritik an Feng Shui hin oder her. Die Zahlensymbolik des Feng Shui – 4 steht für Tod, 8 für Reichtum und Unendlichkeit – bezeichnet sie als „nette Spielerei, die aus dem Kontext gerissen merkwürdig anmuten mag, die aber auch sachlich, manchmal historisch, erklärbar ist“.

          Czajkowski, bis zum Jahr 2003 Marketingleiterin im Handel, sieht sich als Fachberaterin, manchmal auch als Mediatorin zwischen Architekt, Innenplaner und Bauherr. „Ich kann die Dinge in Fluss und ins Lot bringen“, sagt die 54-Jährige. Bis 2005 hatte sie mit Feng Shui nichts am Hut. Dann hörte sie bei der Neubauplanung einer Gartencenterkette, dass man sich dort mit einem Feng-Shui-Berater unterhalten habe. Neugierig geworden, absolvierte sie eine erste Feng-Shui-Ausbildung in Deutschland und reiste in den nächsten 10 Jahren um die Welt, ließ sich in China, Spanien, der Schweiz, Bhutan, Nepal, Indien, Malaysia und Sri Lanka ausbilden. Den Feinschliff habe sie durch einen langjährigen Lehrer und Mentor, einen asiatischen Großmeister für Feng Shui und Tao, erhalten, berichtet Czajkowski, die ihr Büro in der Nähe von Fulda in Osthessen hat. Wie Feng Shui Unternehmen verändert, vor allem aber, was das für die Beschäftigten im Arbeitsalltag bedeuten kann, zeigt ein Streifzug durch einige Unternehmen, die diesem Trend gefolgt sind.

          Feng Shui und Naturheilkunde – das passt zusammen

          Annette Pascoe etwa, Geschäftsführerin des Gießener Pharma- und Familienunternehmens Pascoe, das naturheilkundliche Arzneimittel herstellt, bekennt sich offen dazu, dass das neue, mehr als 100 Meter lange und 30 Meter breite zweistöckige Produktionsgebäude von Feng Shui geprägt ist. „Gebäude formen die Menschen, die in ihnen wohnen und arbeiten“, sagt sie. „Unsere Mitarbeiter sollen sich hier wohlfühlen.“ Auf der Rückseite des exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichteten Gebäudes, das die Handschrift Bettina Czajkowskis trägt, gibt es bis auf eine Ausnahme, die dem Brandschutz geschuldet ist, weder Fenster noch Türen. Denn der Rücken soll nach dem Prinzip des Schildkrötenpanzers stark und geschützt sein, am besten durch einen Berg. Da das Gelände leicht ansteigt, ist diese Bedingung erfüllt. Dort muss auch Ruhe herrschen. Daher erfolgt die Anlieferung der Rohstoffe, für die die Gebäuderückseite eigentlich prädestiniert ist, an der Seite.

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