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Fame Lab : Castingshow für Jungforscher

  • -Aktualisiert am

Sie machen Forschung unterhaltsam: Viel Applaus für die Teilnehmer am Fame Lab. Bild: Lisowski, Philip

Einen Quadratmeter Platz und drei Minuten Zeit: Im Fame Lab präsentieren Nachwuchsforscher ihr Fachgebiet.

          Eine Umhängetasche, einen Reisepass und ein Gummibärchen - mehr brauchte Ina Leinweber nicht, um ihren Auftritt zu einem Erfolg zu machen. Die 28 Jahre alte Biologie-Doktorandin zeigte sehr plastisch, wie Kängurus ihre winzigen Jungen (so groß wie ein Gummibärchen) nach rund 35 Tagen gebären, für den Rest der Schwangerschaft in ihrem Beutel (Umhängetasche) herumtragen und damit geschickt die Abwehrreaktion des mütterlichen Immunsystems (eine Art Passkontrolle) gegen den körperfremden Embryo umgehen.

          Das Publikum im Hörsaal des Potsdamer Geoforschungszentrums klatschte begeistert Beifall, die Jury lobte den Einsatz der Utensilien, und Ina Leinweber war der Sieg bei der Fame-Lab-Regionalausscheidung Brandenburg-Berlin samt 300 Euro Preisgeld sicher.

          Ein breites Publikum für die Forschung gewinnen

          Fame Lab, zu Deutsch "Ruhm-Labor", ist eine Art Casting-Show für redegewandte Jungforscher mit Sendungsbewusstsein. Ziel des Wettbewerbs ist, junge Leute durch positive Vorbilder für die MINT-Themen - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - zu begeistern. "Ich finde es einfach wichtig, die Forschung, die ja häufig durch Steuergelder finanziert wird, auch einem breiten Publikum zu eröffnen", beschreibt Ina Leinweber ihre Motivation, beim Fame Lab mitzumachen. Die Biologin ist überzeugt: "Forscher sollten nicht nur um des Forschens Willen oder für sich selbst forschen, sondern alle sollen etwas davon haben. Aber dafür müssen es auch alle verstehen."

          Die Idee für Fame Lab stammt aus England, mittlerweile hat diese Form des "Science Slam" in 15 weiteren Ländern Fuß gefasst. Nach Deutschland gebracht hat das Fame Lab der British Council, eine gemeinnützige Einrichtung des Vereinigten Königreichs.

          Ein Quadratmeter Platz und drei Minuten Zeit, um das eigene Forschungsgebiet kurz, verständlich und anschaulich vorzustellen: so lauten die Grundregeln im Fame Lab. "Gelungen ist ein Vortrag dann, wenn die Zuschauer mit einer neuen Erkenntnis nach Hause gehen und denjenigen, die nicht dabei waren, erklären können, was der Kernpunkt war", erklärt Markus Weißkopf, Geschäftsführer der Initiative "Wissenschaft im Dialog" und Jurymitglied beim Fame Lab in Potsdam.

          Einfallsreichtum statt Powerpoint-Präsentation

          Mitmachen können junge Akademiker, die mindestens 21 Jahren alt sind und Natur- oder Ingenieurwissenschaften, Informatik, Medizin oder Psychologie studieren. Die Themen dürfen die Kandidaten frei wählen. An Requisiten ist nur erlaubt, was die Teilnehmer am Körper tragen können. Statt Powerpoint-Präsentation ist Einfallsreichtum gefragt.

          Wie der von Götz Galuba. Um zu veranschaulichen, dass der geheimnisvolle Saturnmond Japetus eine helle "Vorderseite" und eine dunkle "Rückseite" hat, zog sich der Planetologe eine weiße Steppjacke über sein schwarzes Jackett und drehte sich vor den amüsierten Zuschauern im Kreis. Geochemiker Ilya Ostanin referierte unter Einsatz einer Sprudelflasche, einer Handklatsche und einer Stoffraupe über die Exploration von Kohlenwasserstoff. Und Elvira Mulyukova griff sogar zur Gitarre. Mit ihrem selbstgedichteten Lied über "Thermochemische Konvektion im Erdmantel" ersang sich die Geologin den Publikumspreis.

          Teilchenphysiker Christopher Kyba stellte sich mit einer Luftbildaufnahme des nächtlichen Berlins auf die Bühne. "Wir alle mögen Licht", begann der gebürtige Kanadier seinen Vortrag, um dann dem Publikum eindringlich die Schattenseiten unseres "Helligkeitwahns" aufzuzeigen: die ökologischen Auswirkungen von Lichtverschmutzung - ein brisantes und hochaktuelles Forschungsthema, das Kyba in Potsdam den zweiten Platz und 200 Euro Preisgeld einbrachte.

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