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Kolumne „Expat“ : Slowenische Befindlichkeiten

  • -Aktualisiert am

Kulturhauptstadt: Das slowenische Städtchen Maribor Bild: dapd

Das slowenische Städtchen Maribor/Marburg ist in diesem Jahr Europäische Kulturhauptstadt. Der „Marburger Mikrokosmos“ steht dabei für die selbstverständlich gewordene Koexistenz von Deutschen und Slowenen. Wirklich?

          Rivalitäten zwischen Städten gibt es in vielen Ländern. In der slowenischen Hauptstadt Laibach (Ljubljana) witzelt man über die zweitgrößte Stadt Marburg (Maribor), und in Marburg hat man wiederum die Hauptstadt noch nie so richtig gern gehabt. Marburg ist in diesem Jahr Europäische Kulturhauptstadt. Das Städtchen an der Drau hat sich fein herausgeputzt, ein Spektakel folgt auf das andere, und die vielen Cafés und Kneipen freuen sich über Touristen, die sonst wohl nie hierhergekommen wären.

          Die meisten kommen aus Deutschland und Österreich. Marburg liegt unweit der österreichischen Grenze und war bis zum Ersten Weltkrieg eine deutschsprachige Enklave in der slowenischen Untersteiermark. Die Velika Kavarna, das Grand Café, zeigt noch bis Juni eine vorbildlich gestaltete Ausstellung über die Licht- und Schattenseiten der nationalen Koexistenz von Deutschen und Slowenen im Marburger Mikrokosmos. „Die Zeiten, in welchen nationale Fragen Entrüstung oder Verlegenheit auslösten, sind offensichtlich vorbei“, schrieb die slowenische Historikerin Tamara Griesser-Pecar in ihrer soeben auf Deutsch erschienenen Stadtgeschichte „Maribor/Marburg an der Drau“. Man möchte es gerne glauben. Aber stimmt das auch?

          Denn nach Marburg kam in diesen Tagen auch der Laibacher Bürgermeister Zoran Jankovic, allerdings nicht zu einem kulturellen Event, sondern ins Volksgarten-Stadion zu einem Fußballspiel des NK Maribor, des traditionell stärksten Klubs des kleinen Landes. Dort streifte er sich ein T-Shirt über, das ihm seine Marburger Parteifreunde (Jankovic ist auch Vorsitzender einer linken Liste im slowenischen Parlament) überreicht hatten. Auf dem Hemd stand in deutscher Sprache: „Ich bin ein Mariborcan“, wobei „Mariborcan“ nicht nur den Marburger als solchen bezeichnet, sondern im Besonderen auch einen Fan des NK Maribor. Das war, vom Standpunkt des Laibacher Bürgermeisters aus gesehen, wohl eine besondere Geste guten Willens. Kommunikation aber entsteht bekanntlich erst bei den Empfängern, und von denen wurde die Botschaft völlig anders interpretiert. Das Marburger Stadtparlament setzte das Thema auf die Tagesordnung und verabschiedete eine Resolution, in der Jankovic aufgefordert wurde, sich für das T-Shirt zu entschuldigen, mit dessen deutscher Aufschrift er die Gefühle der Bürger verletzt habe. Denn die Slowenen hätten unter den Deutschen und ihren Germanisierungsversuchen schwer gelitten, sagte ein Stadtdeputierter bei der Sitzung. In der Ausstellung in der Velika Kavarna hätte er erfahren können, dass auch die Deutschen in Marburg schwer gelitten haben. Marburg/Maribor ist, um es noch einmal zu sagen, Europäische Kulturhauptstadt 2012.

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