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Eliteförderung : Visite bei den Chefs von morgen

Fiat-Erbe John Elkann erklärt den Studenten am Collège des Ingénieurs worauf es ankommt. Bild: Exor

Im Kampf um die größten Talente werden Arbeitgeber erfinderisch. Da gibt Fiat-Erbe John Elkann für die Elite des europäischen Ingenieurnachwuchses auch schon mal den Konzernchef zum Anfassen.

          Aufregung liegt in der Luft. Die Studenten des Collège des Ingénieurs (CDI), die in Feldkirchen bei München zu einer ihrer Seminarwochen zusammengekommen sind, erwarten Besuch aus der obersten Führungsetage der Wirtschaft. Die Nervosität legt sich, kurz nachdem John Elkann an das Rednerpult getreten ist. Freundlich und unprätentiös begrüßt der hochgewachsene dünne Mann mit der Denkerstirn die Anwesenden. Elkann ist einer der wichtigsten Industriellen Europas: Er ist der Verwaltungsratsvorsitzende von Fiat und Präsident von Exor, der Gesellschaft, die das Milliardenvermögen seiner Familie - der Agnellis, die Fiat gegründet haben - verwaltet. In seiner kurzen Einführungsrede spricht Elkann von Europa, von Fiat und seinem Werdegang. Mit 21 Jahren wurde er in den Verwaltungsrat des Konzerns berufen; heute ist er 35 Jahre alt und hat schon einige Turbulenzen und Führungswechsel erlebt.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Ein Konzernlenker zum Anfassen - die Studenten sind nach der Begegnung, in der sie Elkann viel fragen durften, begeistert. Sehr menschlich, sehr sympathisch sei er aufgetreten. Natürlich sei er - anders als sie - schon in eine bedeutende Industriellenfamilie hineingeboren worden. Ein Vorbild sei er trotzdem. "Seine Art ist das Vorbild", sagt Maschinenbauingenieur Heiko Huber.

          In eine Führungsposition streben auch die CDI-Studenten. Deshalb haben sie sich entschieden, an dem zehnmonatigen Eliteprogramm teilzunehmen, in dem junge Ingenieure und Naturwissenschaftler einen Master of Business Administration (MBA) absolvieren. Sie alle haben schon an einer der besten technischen Universitäten ein Diplom- oder Masterstudium mit Prädikat abgeschlossen. Sie haben am CDI ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen und mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu neun einen der begehrten Studienplätze ergattert. In dem Auswahlverfahren haben sie eine Jury überzeugt, dass sie Talent besitzen für eine Führungsposition in einem Unternehmen. Denn das ist das klar definierte Ziel der Ausbildung. "Sie soll ihnen die bestmögliche Karriere eröffnen", sagt CDI-Geschäftsführer Vasco Szymanski.

          Dass es deutlich in Richtung Führungsposition geht, belegt eine Statistik, nach der zwei Drittel der Absolventen in Führungspositionen landen, 20 Prozent auf der ersten und 25 Prozent auf der zweiten Ebene. Damit sind auch die Gehaltsaussichten weit überdurchschnittlich. Ein CDI-Absolvent steige mit einem Gehalt in den Beruf ein, das mindestens 20 Prozent höher sei als das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Ingenieurs, sagt Szymanski. 80 Prozent arbeiten dann in der Industrie, die anderen in einem Beratungs- oder Finanzunternehmen.

          Der Kontakt zu Führungskräften ist gewissermaßen Teil ihrer Ausbildung. So bekommen die CDI-Studenten nicht nur regelmäßig Besuch von Unternehmenschefs wie John Elkann; sie werden auch von Spitzenmanagern unterrichtet - neben Dozenten von Elitehochschulen wie Harvard, Insead und der Universität Sankt Gallen. "So lernen sie, was Manager auf hohen Ebenen beschäftigt; welche Sprache diese sprechen", erklärt Szymanski. Das sei wichtig, "weil man später diesen Kalibern ausgesetzt ist".

          Der Kontakt zu Führungskräften gehört am Collège des Ingénieurs zur Ausbildung.

          Das CDI wurde vor 25 Jahren in Frankreich als Eliteeinrichtung gegründet. Inzwischen ist es nicht nur in Paris, sondern auch in München und Turin vertreten. Die Turiner Niederlassung hat die Agnelli-Stiftung mitgegründet. Agnelli-Erbe Elkann erzählt den Studenten, die vor allem aus Frankreich, Italien und Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Spanien, Kroatien, Mexiko, Russland, Indien und China stammen, dass man einen Weg wie seinen nicht planen könne. Und er lässt keinen Zweifel, dass es oft schwierig für ihn war. Doch habe er viel gelernt: "Wenn man ins kalte Wasser geworfen wird, dann beginnt der Kopf in einer Weise zu arbeiten, die einem hilft, Lösungen zu finden."

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