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Wettbewerb „Digital Shapers“ : Auf der Suche nach jungen Digitaltalenten

„Wir müssen die Nutzer verstehen“: Veronika Winkler Bild: privat

Viele Unternehmen suchen händeringend Digitaltalente. Das wissen die Umworbenen. Hackathons und Digitalwettbewerbe helfen bei der Orientierung.

          Seit Google, Amazon und Facebook mit ihren Datenschätzen Milliarden verdienen, denken etliche andere Unternehmen über ihren eigenen Weg nach, mit Daten Geld zu verdienen. Wie können sie ihr eigenes Geschäftsmodell digitalisieren? Datenberge gelten als die neuen Goldschätze, doch um die Schätze zu heben, braucht es die richtigen Fachleute. Junge Digitaltalente haben daher glänzende Berufsaussichten. Wer sich mit der Digitalisierung auskennt, wird von Arbeitgebern umworben. Gesucht werden junge Leute, die Spaß an der Digitalwirtschaft haben, die auch Daten analysieren können und dabei den Nutzen für Kunden und Unternehmen im Blick behalten. Dass sie umworben werden, wissen auch die jungen Digitaltalente selbst. Um sich einen Einblick zu verschaffen, nehmen viele Nachwuchskräfte an Digitalwettbewerben oder Hackathons teil, bei denen kleine Teams Projekt- und Programmieraufgaben lösen sollen.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einer davon ist der Talentwettbewerb „Digital Shapers“, der gerade von Airbus, Bertelsmann, Lufthansa, Metro, McKinsey, SAP und Zeiss veranstaltet wird und bei dem die F.A.Z. Medienpartner ist. In dem Wettbewerb werden Teilnehmer mit Problemen aus dem Manageralltag konfrontiert. Die Großunternehmen geben ihnen exklusiven Zugang zu Daten und Informationen, die Teilnehmer sollen dann knifflige Probleme aus dem Manageralltag lösen. Sie dürfen dabei alles auf den Kopf stellen, auch das komplette Geschäftsmodell. Gestartet ist der Wettbewerb im Dezember, aus den 30 besten Bewerbern wurden im Winter dann kleine Teams zusammengestellt, die nun im Finale um die besten Ideen und deren Umsetzung ringen. Das beste Team wird am 27. April von einer Jury in Berlin gekürt.

          Annika Schmid

          Mit dabei ist Annika Schmid. Sie hat schon mehrfach an Hackathons und ähnlichen Wettbewerben teilgenommen. Sie schätzt daran die zwanglose Atmosphäre und die Einblicke, die man in Probleme verschiedener Berufe und Branchen bekommt. Sie selbst ist keine Programmiererin, im echten Leben arbeitet die Schwarzwälderin im Online-Marketing eines Mittelständlers, der Vakuum-Sauggreifer für die Industrie herstellt. Mit solchen Geräten können in einer Fabrik beispielsweise Fensterscheiben bewegt werden. Sie arbeitet dort im E-Commerce-Team. Im Talentwettbewerb Digital Shapers  arbeitet sie jetzt schon seit Wochen mit vier anderen in einem Team an einem Projekt zusammen – vorher kannte sie niemand davon: „Anfangs war das ungewohnt“, sagt die Finalistin, „doch jetzt  läuft es wie eine gut geölte Maschine“.

          Fabian Steuer

          Im Finale dabei ist auch Fabian Steuer. Der 27 Jahre alte Hannoveraner lebt derzeit in Barcelona. Dort studiert er „Data Science“, im Sommer will er seine Masterarbeit schreiben. Nebenher arbeitet er bei einem Start-up-Unternehmen: „Dog Buddy“ ist dessen Name, nach eigener Aussage ist das junge Unternehmen Europas größte Plattform für Hundehalter. „Wir sind eine Art Airbnb für Hunde“, erklärt Steuer.  Rund 20 Stunden in der Woche arbeitet er dort als „Data Scientist“. Seine Erfahrungen dort, kann er im Digitalwettbewerb gut gebrauchen. Zu seinen Aufgaben bei dem jungen Start-up gehören Datenanalysen, die etwa vorhersagen können, wieviele Kundenanfragen im nächsten Sommer kommen. Tatsächlich feiert das Unternehmen erste Erfolge. In Großbritannien und Skandinavien kommt die Plattform sehr gut an, in Deutschland ist die Plattform noch nicht so groß – aber das kann sich noch ändern.

          Auch Veronika Winkler arbeitet neben ihrem Studium in der freien Wirtschaft und macht immer wieder Mal bei einem Hackathon mit. Dabei ist sie kein Technik-Nerd: Sie hat Produkt-Design in Dresden studiert, jetzt sattelt sie eine Masterarbeit über „Automatisierung im Design“ obendrauf,  arbeitet aber schon vier Tage in der Woche in einem Designstudio von IBM in Hamburg als „User Interface Designerin“. Dabei geht es darum, wie Apps und andere Software auf dem PC gestaltet werden sollen: „Wir müssen die Nutzer verstehen“ sagt die Ingolstädterin.

          Auch im Talentwettbewerb „Digital Shapers“ ist sie in ihrem Team jetzt für das Design zuständig. Ihr Team brütet über der Frage, wie man in Zukunft Reisen besser organisieren kann. Auch das Team selbst muss sich im Talentwettbewerb gut organisieren. Winkler sitzt in Hamburg, einer im Team arbeitet derzeit in Hongkong, ein anderer in Kalifornien. „Es läuft super“, sagt Winkler.

          Martin Geissdoerfer

          Aus Kalifornien  trägt derweil Martin Geissdoerfer seinen Teil zur Teamarbeit im Digital-Shapers-Wettbewerb bei. Er ist Wirtschaftsingenieur und schreibt gerade an der Universität Cambridge eine Doktorarbeit darüber, wie Großunternehmen neue Geschäftsmodelle aufsetzen. „Gerade bin ich als Gastwissenschaftler im Silicon Valley und betreibe dort Feldforschung“, sagt Geissdoerfer: „Ein Professor in Berkeley hat mich dazu eingeladen“. Jetzt befragt er Manager, welche Schwierigkeiten sie haben, eine innovative Unternehmensorganisation aufzubauen. Er war im Alphabet-Forschungslabor „Google X“ und beim Computerspiele-Entwickler Nvidia. Mit drei anderen Doktoranden hat er außerdem eine Lern- und Vermittlungsplattform für Programmierkenntnisse gegründet – namens „Favelley“. Das Ziel ist ehrgeizig:  Es soll Jugendliche in Slums und Favellas auf der ganzen Welt Computerkenntnisse beibringen und so den Fachkräftemangel im IT-Bereich lindern. Die Plattform bietet Lehrmodule an, auf die man Online zugreifen kann. Die Absolventen des Programms sollen später an lokale Arbeitgeber vor Ort vermittelt werden, für die Vermittlung sollen die Arbeitgeber dann eine Provision bezahlen. Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen, ein Pilotprojekt soll aber bald in Indien starten.

            

          Talentwettbewerb „Digital Shapers“

          Der Talentwettbewerb „Digital Shapers“ richtet sich an Studenten aller Fachrichtungen, Doktoranden und junge Berufstätige. 30 Finalisten sind noch im Rennen. Das beste Team wird am 27. April von einer Jury in Berlin gekürt. Die Veranstaltung ist nicht öffentlich, wir verlosen unter unseren studentischen Lesern und Berufsanfängern aber 2*2 Karten für das Finale. Studenten und junge Berufstätige können sich unter Angabe ihrer Adresse unter digital-shapers@faz.de bis Mittwochabend 24 Uhr um Karten bewerben.

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