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Dieter Rickert : Guten Tach, Rickert

Der Duft der Macht: Dieter Rickert fing als Assistent des Thyssen-Vorstandschefs an. Jetzt besetzt er Chefsessel. Bild: Müller, Andreas

Dieter Rickert ist einer der bekanntesten Headhunter in Deutschland - und einer der aggressivsten. Eine Geschichte über das Jagen und Sammeln.

          Es riecht nach Macht im Büro von Dieter Rickert. Nach gesetzten älteren Herren in dunklen Anzügen, die sich in sonorer Tonlage über die Lage der Welt im Allgemeinen und die der deutschen Wirtschaft im Besonderen unterhalten. Die sich nach einer Weile eine Pfeife anzünden und dann weiter fachsimpeln, den Rauch kunstvoll in Kringeln ausstoßend. Die Herren sind gerade nicht zu sehen, der Geruch aber ist da. Im Eingangsbereich, im Wartezimmer, überall riecht es nach Pfeife.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Es ist nicht überliefert, wer alles schon Rickerts Büro im Münchener Villenvorort Grünwald besucht hat, darüber schweigt der Headhunter, wie in der Branche üblich. Aber es dürfte so mancher Dax-Vorstand darunter gewesen sein. Hartmut Mehdorn, Gerhard Cromme, Eckhard Cordes, Thomas Ebeling - viele bekannte Köpfe aus der deutschen Wirtschaft hat Rickert dem Vernehmen nach schon einmal von A nach B gelotst. Eheberatung auf oberster Führungsebene, so umschreibt er seinen Beruf. Die Positionen, die Rickert besetzt, haben Jahresgehälter von einer halben Million Euro aufwärts.

          "Guten Tach, Rickert. Können Sie mit meinem Namen was anfangen?"

          "Wenn Sie der Rickert sind ..."

          "Ja, der bin ich."

          Mit so einem Telefonat fängt es normalerweise an, wenn Dieter Rickert auf die Jagd geht. Sein Name ist weithin bekannt. Das liegt nicht nur an seiner Trefferliste. Rickert, bald 72 Jahre alt, ist auch so etwas wie das Enfant terrible der Branche. Gewöhnlich werden Personalberater erst aktiv, wenn ihnen ein Unternehmen einen konkreten Suchauftrag erteilt. Rickert aber sucht immer, spricht mit Managern, die ihn interessieren und mit Unternehmen, die sich für seine Kandidaten interessieren könnten. Und er spricht mit den Medien, sinnt nach Alternativen, wenn mal wieder irgendwo irgendjemand auf dem Sprung ist. Der weniger umtriebigen Konkurrenz ist das alles zu laut, zu selbstbewusst, zu wenig seriös.

          Der rote Faden in Rickerts Leben ist Ehrgeiz. Mit elf Jahren sieht er in seinem Heimatort Bad Ems einen Porsche 356 und setzt sich zum Ziel: "So einen will ich später auch." Als er bei seinen Eltern auszieht, verkündet er, erst dann wieder zurückzukommen, wenn er mehr verdient, als der Vater Umsatz macht. Dem Vater gehört ein kleines Chemieunternehmen, eine "Kümmerexistenz", wie Rickert sagt. Vater und Sohn verstehen sich nicht sonderlich gut. Rickerts Lebensmotto: "Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit."

          Die Initialzündung zum eigenen Aufstieg: ein mutiger Kommentar

          Er studiert Wirtschaftswissenschaften in Köln und heuert danach bei Thyssen an. Er will etwas von der Wirtschaft sehen, bevor er als Journalist über sie berichten wird, so sein Plan. Doch erst mal ist er frustriert, weit unten in der Hierarchie, wie das in Konzernen so ist. Selbst Rickerts Vorgesetzter, der Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung, hat Vorstandschef Hans-Günther Sohl erst einmal in seinem Leben gesehen: im Aufzug. Um die Sache zu beschleunigen, vermerkt Rickert am Rand einer Rede von Sohl - die er eigentlich nur zwecks persönlicher Weiterbildung lesen sollte - "völliger Unfug" und gibt sie wieder in den Umlauf. Es kommt, wie es kommen sollte: Sohl will ihn sprechen. Und macht den Jungspund zu seinem Assistenten. "Ehrgeiz ist für mich etwas völlig Natürliches", sagt Rickert. "Ich bin immer erstaunt, wenn jemand nicht ehrgeizig ist."

          Und doch bleibt er Thyssen nicht lange treu. Ihn stört, dass er keine Prokura bekommt, dass er erst "Jahresringe ansetzen" soll. Er zieht durch die Wirtschaft, geht zu einer "Möbelbude" im Westerwald, geht zur Ruhrkohle AG, geht zum BDI, geht zu einem Pharmagroßhandel. 1977 wirbt ihn eine Personalberatung ab. Er kennt viele Leute, vor allem aus BDI-Zeiten, mögliche Auftraggeber, mögliche Kandidaten, das macht ihn interessant. Jim Fulghum, einer der Altmeister des Headhunting, führt den Quereinsteiger in das Geschäft ein. Rickert findet Gefallen daran.

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