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Die zweite Karriere : Lieber dreimal auf die Nase fallen

Bild: dpa

Bilder aus Beirut, kompakte Informationen: Der Pressesprecher von Care weiß, kann die Presse gut bedienen. Er war 20 Jahre lang Rundfunkreporter und weiß deswegen, wie Journalisten „ticken“ und was die redaktionellen Strukturen fordern.

          Um es vorwegzunehmen: Thomas Schwarz ist ein Beispiel für einen sanften Berufswechsel, denn seiner Branche ist er treu geblieben. Das ist aber auch alles. Der Rundfunkreporter, -moderator und -nachrichtenmann arbeitet als Pressesprecher von Care International Deutschland. Er hat die Seiten gewechselt, nicht aber die Kommunikationsbranche.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nun sendet er keine Interviews, er gibt sie seinen ehemaligen Berufskollegen. Zum Beispiel in den drei Wochen, in denen der Bonner jetzt im Nahen Osten war. Nachts im Beiruter Hotel ruft ein australischer Nachrichtensender an, um einen aktuellen Lagebericht zu bekommen. Zeitungen wollen Einschätzungen.

          „Ich schlafe dann wie ein Sack Zement“

          Ohne Handy bewegt sich Schwarz auf seinen Dienstreisen keine zwei Meter weit. Fünf Stunden Nachtruhe müssen reichen. „Das macht mir nichts aus. Ich schlafe dann wie ein Sack Zement.“ Täglich aktualisiert er im Libanon sein Online-Tagebuch, das den Internetauftritt der Hilfsorganisation bereichert. Hinzu kommen aktuelle Bilder. „Fotografie ist meine Passion.“

          Wieder zurück in Deutschland, ist er live im WDR zu hören, zuvor hat er in Berlin Interviews gegeben. Diese Öffentlichkeitsarbeit bringt den Hilfsprojekten von Care bares Geld. Denn natürlich gilt für alle Hilfsorganisationen, die untereinander im Wettbewerb stehen: Wer Geld spendet, der möchte wissen, wem das konkret zugute kommt. Thomas Schwarz macht das mit seinem Kollegen transparent.

          Wie Journalisten „ticken“

          Das gelingt ihm auch deshalb, weil er weiß, daß gehetzte Journalisten kompakt, sachlich und möglichst unkompliziert über Aktionen ins Bild gesetzt werden möchten. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Pressesprechern, die zwar über ausgezeichnete Fachkenntnisse verfügen, nicht aber über Erfahrungen aus erster Hand, wie Journalisten „ticken“.

          Der überzeugte Rheinländer und Anhänger „katholisch-liberaler Tradition“ hingegen weiß, was die Medien wünschen und was die redaktionellen Strukturen fordern. Manchmal bedauert er, daß er bestimmte Themen kaum plazieren kann, zum Beispiel ein „ganz wunderbares“ Aidswaisenprojekt in Lesotho. Nachhaltig, aber nicht schlagzeilenträchtig. Schade, aber so funktioniere die Medienwelt.

          „Matte bis weit über die Schulter“

          Die lernt er früh kennen. Für seine Linzer Schülerzeitung hat er ein Interview bei Radio Luxemburg gemacht. Als Abiturient klopft er dort wieder an, noch mit langen Haaren. „Ich hatte eine Matte bis weit über die Schulter.“

          Von den kindlichen Wünschen Polizist, Schaffner und Pastor hat er sich längst verabschiedet. „Die Berufe hatten immerhin alle in irgendeiner Form mit Kommunikation, Klarheit und Umgang mit Menschen zu tun.“ Aus dem Praktikum bei RTL entwickelt sich dann ein Volontariat. 1979 wird in der alten Luxemburger Stadtvilla Radio „noch mit der Hand gemacht“.

          „Bei aller Vereinfachung nicht zu flach“

          Sein Volontärsvater ist Hans Meiser, der später durch boulevardeske Formate bekannt wird. „Ich halte ihn nach wie vor für einen großartigen Journalisten. Der hat mir die Flötentöne beigebracht und auf Objektivierbarkeit von Fakten gedrängt, also bei Nachrichten präzise und meinungsfrei zu sein. Darum geht es mir auch heute: auf der Grundlage von Realitäten ausgewogen zu bleiben.“

          Die ersten Nachrichten liest der Jungvolontär Schwarz nachts um 23.30 Uhr, unterstützt von hilfsbereiten Kollegen, die aufpassen, daß er richtig betont und „bei aller Vereinfachung nicht zu flach wird“. Das Handwerk fällt ihm leicht. „Ich hatte Talent und mußte mich vor dem Mikrophon nur konzentrieren, aber es war keine Anstrengung.“

          „Freunde wichtiger als der Beruf, Geld und Karriere“

          Längst ist ihm da klar, daß er politischer Journalist werden möchte. Er und seine fünf Geschwister kommen aus einem sehr politischen Elternhaus, sein Vater ist der ehemalige rheinland-pfälzische Innenminister Heinz Schwarz. „Aber das, was man heute Karrierplanung nennt, habe ich nie gemacht. Dazu lebe ich zu sehr im Hier und Jetzt.“

          Verstärkt wird diese Carpe-diem-Haltung durch den Tod des Bruders, der mit 18 Jahren an den Folgen eines Motorradunfalls stirbt. „Das war das bisher Schlimmste in meinem Leben und eine prägende Wegmarke. Zum Glück waren mir Freunde immer wichtiger als der Beruf, Geld und Karriere.“

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