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Serie „Die Karriere googeln“ : Was die Deutschen übers Studium wissen wollen

  • -Aktualisiert am

Google als Studienberater: Viele junge Menschen suchen Antworten erstmal im Netz. Bild: ZB

Was kostet ein Studium? Was soll ich studieren? Die Deutschen googeln viele Fragen rund um ihre Bildungs- und Berufslaufbahn. Wir beantworten die wichtigsten in einer Serie. Hier kommt Folge 1 zum Thema Studium.

          Jeden Tag suchen Millionen Menschen im Internet nach Antworten auf ihre Fragen rund um das Thema Bildung und Karriere. Der führende Suchmaschinenbetreiber Google hat für die F.A.Z. die Anfragen der vergangenen zwölf Monate ausgewertet und die meistgestellten Fragen in den Kategorien Studium, Gehalt, Bewerbung, Kündigung und Kollegen ermittelt. Grundlage der Analyse ist der Dienst Google Trends. Dieser basiert auf anonymisierten, aggregierten Daten, die erfassen, wie stark Begriffe in einem bestimmten Zeitraum gesucht wurden. Auf FAZ.NET berichten wir in einer Serie fünf Tage lang Schritt für Schritt über die wichtigsten Karrierefragen auf Google - und beantworten sie unseren Lesern. Los geht's mit dem Thema Studium. Mehr dazu auf google.com/trends.

          Was kostet ein Studium?

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn dieses Klischee mitunter die Runde macht: Kostenlos ist Studieren in Deutschland nicht. Ob Studiengebühren erhoben werden, ist Ländersache und ändert sich mitunter von einer Wahl zur nächsten. Es gibt zwar einen Trend zur Abschaffung von Studiengebühren, aber die Semesterbeiträge berührt das nicht. Diese sollen einen Teil der Verwaltungskosten abdecken, beinhalten oft verbilligte Tickets für den öffentlichen Nahverkehr und betragen zum Beispiel in Hessen rund 300 Euro.

          Immerhin: Gegenüber privaten Hochschulen sind die staatlichen Unis in jedem Fall günstig. Eine renommierte Business School etwa kostet gut und gerne mehrere tausend Euro je Semester. Hier wie dort gilt aber, dass Gebühren oder Beiträge nur das eine sind, hinzu kommen Kosten für Wohnen und Leben – sofern Studenten nicht weiter bei ihren Eltern leben, was wegen der gestiegenen Kosten vor allem in Großstädten immer häufiger der Fall ist. Das Deutsche Studentenwerk, oberste Interessenvertretung der Studenten hierzulande, hat in seiner letzten Sozialstudie durch Befragungen herausgefunden, dass deutsche Studenten durchschnittlich 864 Euro im Monat zur Verfügung haben. Diese setzen sich aus den wichtigsten Einnahmequellen zusammen: Eltern, arbeiten, Bafög.

          Wer für das Studium die eigenen vier Wände verlässt, muss den größten Teil seines Geldes, durchschnittlich 298 Euro im Monat, für Miete ausgeben, 165 Euro für Ernährung, 82 Euro fürs Auto und öffentliche Verkehrsmittel. Für die Freizeit bleiben, rein statistisch, 68 Euro übrig. Zwar gibt es eine Reihe von Stipendien, aber davon erhalten nur 4 Prozent der Studenten auch eines. Eine Verschuldung fürs Studium über Kredite oder Darlehen nehmen 6 Prozent in Kauf.

          Was ist ein duales Studium?

          Sollte das duale Studium mal so erfolgreich werden wie die duale Ausbildung, dann wären alle zufrieden – gilt doch Letztere als ein Garant dafür, dass Deutschlands Wirtschaft so wetterfest ist und die Verwerfungen der vergangenen Jahre so viel besser überstanden hat als die meisten anderen Länder. Kanzlerin Angela Merkel legte sie kürzlich bei ihrem Amerika-Besuch sogar Präsident Trump ans Herz. Der Kern ist bei beidem die Verbindung von Theorie und Praxis. Dass dies auch im Studium seinen Reiz hat, zeigen die Zahlen: Von den rund drei Millionen Studenten in Deutschland sind fast 100.000 in dualen Studiengängen eingeschrieben. Sie pendeln zwischen Betrieb und Hochschule und gelten als bildungshungrig und interessiert an praktischen Anwendungen gleichermaßen. Kein Wunder also, dass die meisten von ihnen an Fachhochschulen eingeschrieben sind, die ja als besonders praxisorientiert gelten.

          Schwerpunkte sind neben Wirtschaftswissenschaften auch die Ingenieurswissenschaften und die Informatik – was die Hoffnung nährt, dass das duale Studium dabei hilft, den Fachkräftemangel in diesen Bereichen abzumildern. Aber auch Erziehung, Gesundheit und Pflege sind beliebt. So oder so sind für Studenten entweder längere Praxisphasen vorgesehen, oder sie besuchen ihre Hochschule neben einer betrieblichen Teilzeitstelle. Das duale Studium, das aus den Berufsakademien hervorgegangen ist und erst vor wenigen Jahren richtig Fahrt aufgenommen hat, führt meistens zum international anerkannten Bachelor-Abschluss.

          Was soll ich studieren?

          Eine so kurze Frage – und so schwierig zu beantworten. Geht es doch darum, als einer von rund drei Millionen Studenten in Deutschland auf einer der mehr als 400 Hochschulen seinen Platz zu finden. Das üppige Angebot kann verwirren, denn in Deutschland gibt es rund 10.000 Möglichkeiten für ein sogenanntes grundständiges Studium, das einen ersten Abschluss und somit den Einstieg in einen Beruf ermöglicht. Dazu gehören – als „Klassiker“ – der Bachelor, aber auch die Vorgänger Magister und Diplom, die hier und da überlebt haben. Der erste Schritt auf der Suche nach dem passenden Studium ist naheliegend: die eigenen Interessen, Neigungen und Begabungen heranziehen. Das macht aus unglaublich vielen Möglichkeiten nur noch sehr viele Möglichkeiten.

          Und schon wird es übersichtlicher. Nächster Schritt: Die Hochschulart könnte den Kreis weiter eingrenzen. Universitäten bieten viele Fächer an, sind forschungsorientiert und dürfen den Doktorgrad verleihen, Fachhochschulen sind praxisorientierter, private Hochschulen kleiner, aber teurer. Mehrere hundert Euro im Monat können hier zusammenkommen. Auch das Format und der Sitz der Hochschule können weiterhelfen: Wer Größe und ihre Konsequenzen mag oder wenigstens nicht scheut (mehr Leute, größere Unübersichtlichkeit und womöglich Anonymität, dafür aber auch mehr Möglichkeiten, außerdem höhere Lebenshaltungskosten), der kann die kleinen Standorte streichen. Umgekehrt können Freunde heimeliger Umgebungen Berlin, München, Frankfurt und Co. von ihrer Liste nehmen. Was aber auch den Verzicht auf sehr renommierte Universitäten bedeuten würde.

          Das führt zu einer weiteren Möglichkeit der Orientierung: Es gibt eine Reihe von Rankings, die die besten Universitäten der Welt auflisten. Deutsche Exzellenz-Unis wie die TU München, das KIT in Karlsruhe und einige andere gehören hier zu den Stammgästen. Wer so vorgeht, sollte von Anfang an eine gehörige Portion Ehrgeiz mitbringen. Nimmt man dann noch jene Studiengänge, die nicht in Frage kommen, weil sie zulassungsbeschränkt sind und der Interessent die Anforderungen nicht erfüllt, dann lichtet sich das Bildungsdickicht so langsam.

          Weil es aber immer noch gewisse Tücken aufweist, könnten am Ende die Angebote der Hochschulen selbst entscheidend weiterhelfen. Studienberatung, Informationstage, womöglich sogar ein kurzes Schnupperstudium sind nach wie vor Königswege, um bei der Studienwahl auf Nummer Sicher zu gehen. Auch die vielen Angebote auf Online-Plattformen sollten nur als Ergänzung betrachtet werden.

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