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Lernvideos von Youtube-Stars : Nachhilfe von den Kumpels aus dem Internet

Alexander Gisecke (links) und Nicolai Schork in ihren Arbeitsräumen Bild: Matthias Lüdecke

Alexander Giesecke und Nicolai Schork werden von Jugendlichen umschwärmt – obwohl sie Lernvideos für die Schule produzieren. Wie schaffen sie das?

          Fragte man Jugendliche in Deutschland, ob sie Alex und Nico kennen, dann antworteten die meisten „Na klar!“ – ganz im Gegensatz zu ihren Eltern. Alexander Giesecke, 21 Jahre, und Nicolai Schork, 22 Jahre, gehören zu den „Youtube-Stars“, die auf dem Internetvideokanal Hunderttausende oder sogar Millionen Zuschauer erreichen. Meistens sind das junge Erwachsene, die Schmink- oder Backtipps geben, Comedy machen, tanzen und singen oder sich beim Computerspielen zuschauen lassen. Für die Jugend sind sie Popstars.

          Lisa Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          Das sind Giesecke und Schork ebenso. Mit ihren Youtube-Kanälen kommen sie auf rund 1,3 Millionen Abonnenten. Sie treten stets gutgelaunt und locker auf; gut durchtrainiert sind sie außerdem. Für Jungen dürften sie Vorbilder sein, Mädchen dürften für sie schwärmen. Dabei ist ihr Themenfeld wesentlich trockener als das von anderen Youtube-Stars: Die beiden erteilen vor allem Schülern, aber auch Studenten in den Anfangssemestern Nachhilfe. Ihre am meisten geklickten Videos sind, mit jeweils fast einer Million Aufrufe, „Nullstellen einfach bestimmen“ und „Proteinbiosynthese Teil 1“.

          Vor etwa zwei Jahren haben sie die The Simple Club GmbH in Berlin gegründet: Wie es sich für ein Berliner Start-up gehört, residiert man in einem alten Fabrikgebäude in Kreuzberg. In dem jungen Unternehmen sind sechs feste und zwölf freie Mitarbeiter beschäftigt. Gut 1300 Lernvideos haben sie bisher produziert, die jeweils wenige Minuten kurz sind und in denen Animationen eine wichtige Rolle spielen. Jede Woche stellt man 14 neue Videos online. Die Produktionszeit für ein Video beträgt je nach Thema 12 bis 20 Stunden.

          „Erklärt wird, wie man es einem Kumpel erklären würde“

          Begonnen haben Giesecke und Schork mit Mathematik, dem Nachhilfefach Nummer eins. Dann kamen Physik, Chemie und Biologie dazu; inzwischen gibt es auch Videos für Wirtschaft, Informatik, Geographie und Geschichte. „Das Ziel ist, in naher Zukunft Videos für alle Schulfächer anzubieten“, sagt Giesecke. Die Ideen für Themen oder Fächer entstehen auch im Austausch mit den Nutzern. „Wenn Leute ein bestimmtes Thema nachfragen, dann produzieren wir es.“ Kein anderes Unternehmen in Deutschland dürfte mit Nachhilfe mehr Schüler erreichen, was auch an dem kostenfreien Zugang liegt. Im November hatte The Simple Club 600.000 Nutzer. Die Zahl der Aufrufe in diesem Monat ist um 40 Prozent im Vergleich zum November 2015 gestiegen. Alle Videos sind bisher etwa 110 Millionen Mal aufgerufen worden.

          Auf die Idee, Nachhilfe auf Youtube zu erteilen, kamen Giesecke und Schork in der Oberstufe, als sie das Gymnasium in Mosbach im Neckar-Odenwald-Kreis besuchten. Die Schule forderte die beiden nicht genügend; sie wollten zusätzlich „etwas Eigenes im Internet“ machen. „Youtube kam gerade in Mode“, erinnert sich Giesecke. Weil sie sehr gut in Mathe waren, entschieden sie, Nachhilfevideos zu produzieren. Auf dem Rechner installierten sie eine Animationssoftware und stellten die ersten Filme her. Von Computern hätten sie vorher nicht überdurchschnittlich viel verstanden. „Wir haben uns alles selbst beigebracht.“

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