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Gründerserie : Mit punktgenauer Hitze gegen Plastikberge

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Die Ronald Claus von Nordheim, Marcus Stein, Michaela Wachtel und Sascha Bach (vlnr.) vor einer Verpackungsmaschine. Bild: Matthias Luedecke

Die Verpackungsindustrie wollte ihre Kunststoff-Technologie nicht. Deshalb haben vier Forscher ihr eigenes Unternehmen gegründet und Lebensmittelhersteller ins Boot geholt - um jede Menge Plastikmüll zu vermeiden.

          Wie sich der Kunststoffverbrauch verringern lässt, ist eines der Forschungsfelder der Verpackungsindustrie. Das dachten sich vor Jahren vier Wissenschaftler in Dresden. Doch weit gefehlt: Denn als die seinerzeit am dortigen TU-Institut für Naturstofftechnik und in einer Fraunhofer-Einrichtung tätigen Maschinenbauer Verpackungsherstellern ihre Matrix-Heiztechnologie schmackhaft machen wollten, ernteten sie nur Absagen.

          „Wir wollten sie bei großen Maschinenbauern etwa für die Joghurtbecher-Produktion lizenzieren lassen. Immerhin werden täglich allein in der EU mehr als 8550 Tonnen hitzegeformte Kunststoffverpackungen – viele davon derartige Becher – hergestellt“, sagt Marcus Stein.

          „Doch kein Unternehmen hatte Interesse“, ergänzt der 29 Jahre alte Ingenieur. Er war einer der Wissenschaftler und hat mit den Kollegen daraufhin im Februar 2016 in der nahen Kleinstadt Freital die Firma Watttron gegründet, um Produktentwicklung und Markteinführung selbst voranzutreiben.

          Präziser und schneller als konventionelle Verfahren

          Wie sich Joghurtbecher und Zahnbürsten, Tabletten, Shampoos oder Druckerpatronen im Vergleich zu konventionellen Verfahren mit deutlich weniger Material- und Energieeinsatz herstellen oder verpacken lassen, lautete eine der Fragen, für deren Klärung das Team 2007 erste Patente anmeldete. Und seither viele Preise gewann.

          Der Vorteil ihrer Methode: Sie kann Kunststoffe derart präzise erhitzen, dass diese sich in der gewünschten Materialverteilung formen lassen. Dazu wird in Verpackungsmaschinen eine Heizmatrix installiert, deren Oberfläche mit Leiterbahnen ausgestattet ist. Damit kann der Kunststoff auf kleinster Fläche je verschiedenen Temperaturen ausgesetzt werden. „Bei konventionellen Verfahren ist mal die Becherwand am dicksten und der Boden am dünnsten – oder andersherum. Das können wir vermeiden“, sagt Stein.

          Deshalb ließen sich die Gründer durch die Absagen aus der Verpackungsbranche nicht entmutigen und stellten ihre Entwicklung namhaften Lebensmittelherstellern vor. „Denn was unser System leistet – 30 Prozent Material und mindestens ebenso viel Energie einzusparen –, ist auch für sie interessant“, so der Kaufmännische Geschäftsführer von Watttron. Mit der Hard- und selbstentwickelter Software lassen sich zudem traditionelle Anlagen nachrüsten.

          Das Potential, damit den Markt aufzurollen, haben führende Lebensmittel- und Konsumgüterhersteller wie Procter & Gamble erkannt: Um die Leistungsfähigkeit des Heizsystems unter Beweis zu stellen, arbeitet Watttron mit diesen und anderen Konzernen derzeit an Machbarkeitsstudien, sagt der gebürtige Grimmaer.

          Im Zentrum steht der Nachweis, dass die Module mit je 64, auf vier mal vier Zentimeter Fläche angeordneten Heizpixeln für den geforderten Langzeiteinsatz taugen. Gelingt er, wiegen weitere Vorteile: Die dünnen keramischen Platten, deren Heizkreise im Siebdruckverfahren aufgetragen werden, kommen mit einer kurzen Aufheizphase aus, sind also schnell einsatzfähig und lassen sich individuell anordnen. Dank integrierter Sensoren kann der Vorgang in Echtzeit ausgewertet und angepasst werden.

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