https://www.faz.net/-gyl-9lgoi

Start-up-Szene : Unternehmen gründen am laufenden Band

Unternehmer für Unternehmer: Benjamin Schüdzig (links) und seine Kollegen Markus Ortmann und Manfred Tropper haben sich auf junge Firmen spezialisiert. Bild: Jan Roeder

Das Geschäftsmodell von Mantro ist speziell: Das Start-up bietet sich als Partner zur Gründung von Start-ups an. Wie das genau funktioniert.

          Für einen Autohersteller ist es unternehmenspolitisch delikat und nicht unbedingt strategiekonform, ein Mobilitätskonzept für die Mitarbeiter aufzusetzen, das ein eigenes Auto überflüssig macht. Doch erscheint es selbst für Audi unumgänglich, den Beschäftigten derlei Anreize zu bieten. „Mobiko“ ist eine Plattform, die den Mitarbeitern des Ingolstädter Unternehmens das Bahn- und Busticket, den Mietwagen oder die Taxi-Fahrt bezahlt und direkt abrechnet – um am Ende den Firmenwagen stehen zu lassen oder gar nicht erst anzuschaffen. An der App haben sich die Entwickler aus dem eigenen Haus die Zähne ausgebissen. Dieser „Kleinkram“ gehört ja auch nicht zur Kernkompetenz.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Für derlei Fälle bieten sich die Dienste von Manfred Tropper, Benjamin Schüdzig und Markus Ortman an. Daher haben sie mit der Volkswagen-Premiummarke Anfang 2018 die Mantro Benefits GmbH gegründet. In wenigen Monaten wurde das Projekt aufgesetzt. Tropper, 34 Jahre, Ortmann und Schüdzig, beide jeweils 37 Jahre, nennen sich „Unternehmensbauer“ oder „Company Builder“ – klingt in der Gründer- und Start-up-Szene einfach besser. Tropper ist als Vorstandsvorsitzender für die Strategie zuständig, Schüdzig für die Technik und Ortmann für die Produktentwicklung.

          Was die drei gleichberechtigten Kompagnons aus der Taufe gehoben haben, ist keine Dienstleistung für Dritte. „Wir suchen Geschäftsmodelle, entwickeln Produkte und investieren in sie“, sagt Tropper, der Namensgeber des Unternehmens. „Was wir machen, sind Ergänzungen zu den Geschäftsmodellen der Kunden, knapp links und rechts von deren Kerngeschäften“, sagt Tropper.

          Eine Gesellschaft für jedes Produkt

          Für jedes Produkt gründen sie eine Gesellschaft mit eigener Geschäftsführung und Team. Mantro übernimmt die Marktforschung, Validierung, werkelt an Prototypen, vermarktet und verkauft. So kommt es, dass zu den 65 Mitarbeitern noch einmal rund 120 in den Projektgesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen tätig sind. Kunden wie Audi sind als Mitinvestor beteiligt und stellen auch Personal. Die operative Führung von „Mobiko“ liegt bei Mantro. „Audi kauft sich so die Exklusivität für das Produkt, was wir für sie entwickeln.“

          Tropper spricht von 6,5 Millionen Euro Umsatz, den die Mantro GmbH aus München erzielt. Dabei handelt es sich eigentlich um die „Investmentscheiben“, die von den Partnern kommen und in Tranchen für die Produkte je nach Entwicklungsstand in Abständen zufließen. Nur ein einstelliger Prozentsatz entfällt auf Beratungshonorar. „Wir verdienen, wenn wir einen Wertzuwachs in der Gesellschaft und damit für deren Eigentümer schaffen“, sagt Tropper – indem die Gesellschaft an den Partner irgendwann nach Etablierung des Produktes verkauft wird. Seit im Jahr 2015 das Geschäftsmodell an den Start gegangen ist, wurden zwei Gesellschaften verkauft. Es gehört aber auch zum Geschäftsrisiko, dass etwas nicht läuft: Zwei wurden bislang eingestampft.

          Derzeit befinden sich fünf eigene Geschäftsmodelle in der Umsetzung. Hinzu kommen sieben Gemeinschaftsunternehmen. Mit Osram wurde im vergangenen Herbst Visn herausgebracht. Der Lichttechnikkonzern, der sich auf digital vernetzte Beleuchtungssysteme konzentrieren will, hat sich Mantro ins Boot geholt, um mit ihr die Software für ein intelligentes, effizientes System für das Gebäudemanagement zu entwickeln. Festinstallierte Raumsensoren, angebracht in Leuchten, erkennen die Belegung von Räumen in Echtzeit. So kann die Auslastung vor allem in großen Gebäudekomplexen besser gesteuert, die Beleuchtung, Klima- und Heiztechnik effektiv geregelt werden. Visn hat die Sensorik und die notwendige Software entwickelt.

          Weitere Themen

          „Wir können die Ziele erreichen“ Video-Seite öffnen

          Merkel zu Klimapaket : „Wir können die Ziele erreichen“

          Angela Merkel ist froh, dass sich Greta Thunberg hinter die Wissenschaften stellt und genau das wolle die Regierung mit dem Klimapaket auch. Die Bundeskanzlerin betont jedoch, dass die Politik immer auch nur das ausloten kann, was möglich ist.

          Topmeldungen

          Eckpunktepapier : Ist das Klimapaket eine Mogelpackung?

          Umweltverbände halten das „Klimaschutzprogramm 2030“ für unzureichend und werfen der Bundesregierung Ignoranz vor. Aus der Wirtschaft gibt es mehr Lob, doch auch dort gibt es Zweifel an dem Paket.
          Den Jakobsweg läuft man nicht an einem Wochenende. Das geht nur mit einer Auszeit.

          Die Karrierefrage : Wie komme ich an ein Sabbatical?

          Einfach mal die Seele baumeln lassen, Kraft tanken, den Horizont erweitern: Eine Auszeit vom Beruf wollen viele. Wie aus dem Wunsch Wirklichkeit wird, erfahren Sie hier.
          Das Baden ist untersagt, aber es kostet nichts: Schwanenpaar mit menschlichen Passagieren auf dem Eisbach im Englischen Garten

          Aufwachsen in München : Ja mei, die jungen Leute

          München ist das teuerste Pflaster Deutschlands. Das ist hart für Jugendliche und Heranwachsende, die noch kaum Geld verdienen. Die Stadt hilft ihnen, indem sie bei zivilem Ungehorsam wegschaut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.