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Start-up Unternehmen Selfapy : Schnelle Hilfe für Depressive

Allerdings ist die als Medizinprodukt zertifizierte Therapie von Selfapy nicht für jede Form von Depressionen geeignet. Leichte und mittelschwere Fälle könne man gut behandeln, sagt Bermbach. Das hat sich das Start-up durch eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf bestätigen lassen. Stark depressive oder suizidgefährdete Menschen allerdings verweisen die für Selfapy tätigen Psychologen, die ein abgeschlossenes Studium haben, in der Regel aber noch in der Praxisausbildung zum Psychotherapeuten stecken, an einen niedergelassenen Psychotherapeuten oder eine Klinik. „Hier haben wir ein gutes Netzwerk aufgebaut“, sagt Bermbach.

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Gut 5000 Menschen hat Selfapy eigenen Angaben zufolge bislang behandelt. Für die meisten Kurse müssen sie bislang noch selbst zahlen – gut 80 Euro für das reine Online-Seminar, gut 180 Euro, wenn sie dabei von einem Psychologen begleitet werden wollen. Nur der Anti-Stress-Kurs wird bislang von den meisten gesetzlichen Krankenkassen erstattet, einige Privatversicherungen bezahlen auch alle anderen Kurse. Viele Nutzer gewinnt Selfapy allerdings auch über Unternehmenskunden wie Zalando oder Glossybox. Gut 30 Betriebe haben die Kurse bislang in ihr Gesundheitsmanagement integriert. „Dabei steht die Prävention im Vordergrund“, sagt Mitgründerin Schurzfeld. So geht es beispielsweise um Themen wie die gesunde Ernährung am Arbeitsplatz, Bewegung, aber auch den Umgang mit Stress. Auch hier übernehmen verschiedene Krankenkassen einen Teil der Kosten.

Im Februar 2016 gegründet, schreibt Selfapy, das sich in einer alten Physiotherapie-Praxis im Prenzlauer Berg niedergelassen hat, noch keine schwarzen Zahlen. Allerdings konnte das Unternehmen schon zwei Finanzierungsrunden abschließen. Zuletzt investierten im Juli dieses Jahres die IBB Beteiligungsgesellschaft, der High-Tech-Gründerfonds und verschiedene Business Angel einen Millionenbetrag – konkreter werden die Gründerinnen hier nicht. Wie es mit Selfapy weitergehen soll, davon haben sie dafür umso genauere Vorstellungen. Zum einen soll es künftig Kurse gegen alle psychischen Störungen geben, also auch gegen Zwänge und Suchterkrankungen. Dann soll die Expansion ins Ausland folgen. Dass Selfapy und die anderen Start-ups, die sich in diesem Bereich tummeln, sich dabei in die Quere kommen, glauben die Gründerinnen nicht. Zum einen sei die Zahl der Anbieter überschaubar, sagt Schurzfeld. Zum anderen habe jeder einen etwas anderen Schwerpunkt. Die Smartphone-App Moodpath beispielsweise hat sich auf das Erkennen von Depressionen spezialisiert. Ihr Ziel ist es, überhaupt erst einmal herauszufinden, ob jemand von dieser Erkrankung betroffen ist. Viele Krankenkassen bieten ihren Versicherten inzwischen ebenfalls Online-Kurse gegen allerlei psychische Erkrankungen an, auch diese Seminare sieht Selfapy nicht als allzu große Konkurrenz. Viele Menschen wollten ihren Krankenkassen nicht verraten, wenn sie an einer Depression erkrankt sind, sagt Nora Blum. Zudem kämpften sie alle für das gleiche Ziel, sagt Bermbach, und darum gehe es: „Betroffenen möglichst schnell zu helfen“.

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