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Gründung für Arbeitswelt 4.0 : Mit 100 Fragen in die digitale Welt

Christian van Megen Bild: Edgar Schoepal

Viele Unternehmen tun sich mit der Digitalisierung schwer. Das Start-up „Digitisation“ will ihnen die Sache erleichtern. Die Gründer haben sich im Ehrenamt kennengelernt.

          Sie stecken längst mittendrin in der neuen Welt. Nicht nur beruflich haben es die Gründer der Kölner Digitisation GmbH mit der Digitalisierung zu tun. Guido Breunung, Produzent von Imagefilmen für Unternehmen, testet gerade die App Drivy, mit der man das eigene Auto zeitweise vermieten kann. Informatiker Mike Gahn entwickelt mit seinem Softwarehaus Datenbanklösungen für Sozialeinrichtungen und Fernsehsender und probiert privat gern Anwendungen fürs vernetzte Wohnen aus.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Immer mit den neuesten Trends in Berührung kommt auch Diplom-Kaufmann Georg Ruppert, wie Breunung und Gahn 45 Jahre alt und Organisator des Digitalisierungs-Kongresses Cologne IT Summit. Mit 62 Jahren Ältester im Bunde ist Rudolf van Megen, Mitgründer und Hauptaktionär der SQS Software Quality Systems AG, die mit ihren 4600 Mitarbeitern Softwareprogramme von Unternehmen auf Fehler testet. Der Wirtschaftsbotschafter der Stadt Köln hat kürzlich das Digitalisierungs-Netzwerk Gimi mit aus der Taufe gehoben, das sich ein digitales Bauantragsverfahren für die Kölner Stadtverwaltung zum Ziel gesetzt hat.

          Kennengelernt haben sich die vier Unternehmer bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für die Industrie- und Handelskammer Köln. Im Ausschuss für Informations- und Kommunikationstechnik beschäftigen sie sich vor allem mit den Herausforderungen, die der digitale Wandel für die Wirtschaft mit sich bringt. „Der Drang des Mittelstands, etwas in Sachen Digitalisierung zu tun, ist immer noch verhalten“, stellt van Megen fest. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages fühlt sich nur ein Viertel aller Unternehmen in Sachen Digitalisierung schon gut aufgestellt. Auf den einschlägigen Veranstaltungen tummelten sich immer dieselben Menschen, berichtet van Megen. „Gerade die Firmen, die es nötig haben, erreichen wir nicht.“ Die vielen Ausflüchte - „Das betrifft uns nicht, dazu habe ich keine Ideen, das soll mein Nachfolger machen“ - kenne er zur Genüge. „Wir müssen die betroffene Community besser abholen“, fordert er.

          „Der Bedarf ist riesig“

          Mit ihrer im März 2016 gegründeten Digitisation GmbH zielen die vier Unternehmer speziell auf kleine Betriebe und den Mittelstand. „Der Bedarf ist riesig“, stellt van Megens Sohn Christian fest, der nach seinem Studium in Schottland bei mehreren Start-ups als IT-Berater tätig war und nun als Geschäftsführer der Neugründung fungiert. „Viele Unternehmen wissen, dass sie mehr tun müssen, haben aber keine Vorstellung, wie sie es angehen sollen.“ Abschreckend wirkten vor allem die Komplexität des Themas und die Furcht vor hohen Kosten. Insbesondere Engpässe in finanzieller Hinsicht, fehlendes Personal und mangelndes Knowhow halten viele Unternehmen davon ab, stärker auf Digitalisierung zu setzen, wie eine Studie von EY ergeben hat. Als Hauptziel formuliert Gahn deshalb: „Wir müssen die Hemmschwelle senken und konkrete, gut verdaubare Schritte empfehlen.“ Viele Unternehmen drehten sich zu sehr um sich selbst, benötigten frischen Wind von außen und vor allem konkrete Handlungsempfehlungen statt vieler Schlagworte.

          Einhundert Fragen, etwa eine Stunde Zeitaufwand, Preis: 99 Euro. Die Digitisation-Gründer setzen als Einstiegsprodukt auf einen Digitalisierungs-Check mit 100 Fragen, der einfach zu verstehen und von den Kosten her überschaubar sein soll. Der zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik entwickelte Fragebogen klopft eine Vielzahl von Punkten rund um Produktion, Prozesse, Vertrieb und Personal ab, die in der Analyse miteinander verknüpft werden: Welche Softwareprogramme werden verwendet, wie hoch ist der Online-Anteil am Umsatz, wie stark die Verflechtung mit dem Ausland, werden digitale Trends als Chance oder Risiko gesehen? Mit Hilfe einer automatisierten Auswertung folgt eine Auskunft, wo das Unternehmen in Sachen Digitalisierung steht und ob es Handlungsbedarf gibt.

          Als größter Schwachpunkt entpuppt sich laut den ersten Erfahrungen des Digitisation-Teams meist die Personalabteilung. Bei der Personalgewinnung und -verwaltung würden die Möglichkeiten der Digitalisierung noch am wenigsten genutzt, berichtet Breunung. Vor allem das produzierende Gewerbe offenbare hier Verbesserungspotentiale. Ganz besonders stark fallen kleine Betriebe mit weniger als 25 Mitarbeitern ab. „Das Tagesgeschäft drängt meist alles andere nach hinten.“ Dabei müssten beispielsweise gerade kleine Handwerksbetriebe angesichts ihrer Nachwuchsschwierigkeiten verstärkt auf Online-Kanäle zur Mitarbeitersuche setzen.

          Wie Allgemeinmediziner im Unternehmen

          Aber auch ein großer Mittelständler erhielt im anschließend gebuchten Workshop - hier werden dann zwischen 2000 und 6000 Euro fällig - die Empfehlung, seinen Auftritt als Arbeitgeber im Internet besser zu pflegen. Zudem entpuppten sich in der detaillierten Analyse seine Innovationsprozesse und die Produktentwicklung als zu langsam und unflexibel. Ein Handelsunternehmen wiederum ließ sich beim Aufbau eines Online-Shops beraten, der wegen vielfältiger Schwierigkeiten ins Stocken geraten war. Vorstellig wurden bislang zudem Anbieter aus der Medizintechnik, Logistik, Autozulieferung und Personaldienstleistung. Für die detaillierte Erarbeitung und Umsetzung der Maßnahmen holt sich Digitisation bei Bedarf Experten an die Seite. „Wir sehen uns als eine Art Allgemeinmediziner im Unternehmen“, sagt Ruppert.

          Vor wenigen Tagen sind die Gründer, die ihre Geschäftsidee bisher aus privaten Mitteln finanzieren, einen wichtigen Schritt vorangekommen. Gewonnen wurde ein erster großer Partner, der den Digitalisierungs-Check seinen Kunden in einem Pilotprojekt zur Verfügung stellen will.

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