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Gründerserie : Die digitale Nest-Verwaltung

  • -Aktualisiert am

Anke Odrig, die 2015 für den Deutschen Gründerpreis nominiert war, strahlt eine tatkräftige Munterkeit aus, die ansteckt. Wenn sie lacht, und das tut sie ziemlich oft, dann lacht ihr ganzes Gesicht. Und sie hat kein Problem damit, offen auch über Schwierigkeiten zu sprechen. Man merkt ziemlich schnell, wie sehr sie das, was sie tut, auch heute noch begeistert. „Die ersten drei Jahre waren im Vertrieb die Hölle“, gibt sie unumwunden zu. Kein Wunder. Das Geschäftsmodell von Little Bird lässt zwei Welten aufeinanderprallen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: innovatives, wendiges Start-up trifft auf Behördenapparat. Der Kulturschock ist programmiert.

„Kommunen überlegen sich natürlich dreimal, ob sie eine kleine, neue Firma beauftragen“, sagt die Gründerin und Geschäftsführerin. Wer könne schon wissen, ob es sie morgen noch gebe. „Wir machen neben unserer Software auch viel Kommunikations- und Überzeugungsarbeit.“ Manchmal seien Bürokratie und lange Entscheidungswege die größten Hindernisse. Auf der anderen Seite aber seien Städte und Gemeinden gute und treue Kunden, die konstruktiv mitarbeiteten.

Die Little-Bird-Software als Portallösung mit Datenbank

Mit jeder neuen Kommune, die sie als Referenz vorweisen konnten, liefen die Geschäfte besser. 2014 erreichte Little Bird die schwarze Null; dieses Jahr rechnet Anke Odrig mit 1,2 Millionen Euro Umsatz. Inzwischen ist der Social Venture Fund Ananda mit an Bord, der Wagniskapital in soziale Geschäftsmodelle investiert. Auch die Gründerin selbst hat noch einmal in ihr Unternehmen investiert, ebenso ein Business Angel. Anke Odrig aber hält mit 55 Prozent noch immer die Unternehmensmehrheit.

Die Little-Bird-Software, im Grunde eine Portallösung mit Datenbank, funktioniert über Schnittstellen zu den IT-Systemen der Kommunen und Kita-Träger. Über die Benutzeroberflächen können die Kindergärten ihre Belegungssituation in den nächsten Monaten abrufen, Anmeldungen, Wartelisten, Verträge, Stammdaten der Kinder und selbst Bewerbungen verwalten. Eltern wiederum können sich einen Überblick über die Betreuungseinrichtungen in ihrer Stadt verschaffen, sich bewerben und auf im Hintergrund vernetzte Wartelisten setzen lassen. Die Kommune hat durch die Datenbank einen genauen Überblick, wie viele offene Plätze es gibt, wie viele Bewerber je Platz – und wenn jemand einen Platz angenommen hat, bereinigt sich die Warteliste in Echtzeit selbst. Karteileichen auf endlos langen Wartelisten gibt es nicht mehr. Die Kosten für das System richten sich nach der Anzahl der Kindertagesstätten in der jeweiligen Kommune. Erste Städte nutzen das System schon zusätzlich für die Verwaltung von Hortplätzen und Tagespflege; die Vergabe von Grundschulplätzen soll folgen.

Anke Odrig will aber auch Eltern in Städten helfen, die nicht auf eine zentrale und digitale Verwaltung ihrer Kinderbetreuungsangebote setzen können oder wollen. Künftig will Little Bird auch solche Mütter und Väter bei der Suche nach einem Betreuungsplatz unterstützen – und zur Not auch bei der Durchsetzung ihres Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz.

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