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Gründerserie : Lichtmacher in Down Under

Volker Haug Bild: Archiv

Innere Unruhe ließ einen jungen Baden-Württemberger rastlos in der Welt umherwandern. In Australien hat sich der angehende Friseur als Lampendesigner verwirklicht.

          Wäre alles so gekommen, wie es aussah, wäre Volker Haug heute in Stuttgart und schnitte Haare. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Außer, dass Haug aus anderem Holz geschnitzt scheint. Denn der 42-Jährige lebt in Melbourne. Und er entwirft und baut Lampen, die so begehrt sind, dass er sie inzwischen rund um die Erde verkauft und ganze Einkaufszentren in Australien ausstattet.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Haug arbeitet genau so, wie man sich das für Jungdesigner in Berlin vorstellt. Als sein Geschäft wuchs, musste er sich eine neue Bleibe suchen. „Das hier ist eine alte Strumpffabrik, die seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hier fertigte“, sagt Haug. Er empfängt im Obergeschoss des Backsteinbaus, den er und seine Freunde innerhalb von drei Monaten hergerichtet haben. Während der Arbeiten stießen sie sogar noch auf alte Modellbeine für die Strümpfe. Diesen Charme hat die Fabrik behalten. Heute residiert Haug hier mit seinen knapp zehn Mitarbeitern, von denen ein Teil frei für ihn arbeitet, einer Modefirma und einem Eventveranstalter. „Wir sind alle drei gute Nachbarn, wir helfen uns gegenseitig“, sagt der Gründer.

          Nie lässt er einen Zweifel daran, dass er den Wert eines guten Netzwerkes kennt und es pflegt - auch über Jahre. Zwei weitere Komponenten prägen ihn und seine Arbeit: Haug ist entscheidungsstark - und kreativ. Als er damals in Stuttgart die Schule abgebrochen hatte, wollte er zunächst Landschaftsgärtner werden. Als der damalige Chef ihn aber im tiefsten Winter gefrorene Erde hacken ließ, packte er seine Sachen. Dann kamen die Lehre als Frisör und bald darauf der Umzug nach Berlin. Als er das kannte, ging es weiter nach London. „Das war schon abenteuerlich mit meinem Schulenglisch“, sagt der Mann, der heute manchmal nach deutschen Worten suchen muss. Zu London entwickelte Haug eine „love and hate“-Beziehung - er liebte und er hasste es. In ihm nagte der Wunsch nach einer Weltreise, die in Kanada enden sollte. Er kam allerdings nur bis Thailand, zog von da nach Sydney, verliebte sich in die Stadt, aber ging weiter nach Melbourne, weil er dort Freunde besaß. „Ich habe dann erst mal fünf Jahre als Friseur gearbeitet, auch weil ich damit mein Visum bekommen habe. Aber wirklich ausgefüllt hat mich das nicht“, sagt er.

          Eine Bleibe in der Strumpffabrik gefunden

          In all seinen Lehr- und Wanderjahren blieb eine Konstante: Wann immer Haug Zeit fand, baute er Lampen. Im Keller, in der Garage, für Freunde, für erste Kunden. „Mein Vater hat noch Lampen aus meiner Berliner Zeit“, sagt der Designer. Angst vor großen Namen hatte er nie: Sein wichtigstes Vorbild ist Ingo Maurer, der weltberühmte Lampen-Poet aus München. Als er ihn einst besuchte, gab ihm der Meister bereitwillig Tipps für die Verbesserung der eigenen Ideen. In Melbourne besorgte er sich eine Stelle bei dem inzwischen gestorbenen Geoffrey Mance - auch er mit seinen naturnahen Kreationen wie leuchtenden Korallen oder Treibholz stilbildend für eine ganze Generation.

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