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Gründerserie : Krimidinner - Mord zum Filet

Schauspielerin, Autorin und Krimidinner Erfinderin: Alexandra Stamm Bild: Edgar Schoepal

Nur zu essen, ist langweilig. Und ein Krimi ohne Essen kann auch auf den Magen schlagen. Die Lösung: das Krimidinner, ein Vier-Gänge-Menü mit bester Unterhaltung. Eine Schauspielerin und Autorin hat ein Geschäftsmodell daraus gemacht.

          Lady Ashtonburry begrüßt die Gäste persönlich an der Tür. Tief ergriffen muss sie die Trauerfeier für ihren Mann auf ihrem Stammsitz in Schottland hinter sich bringen. Wurde er etwa umgebracht? Kerzen flackern auf allen Tischen. Es gewittert natürlich. Und abgeschnitten von der Außenwelt passiert der nächste Mord. Ein bisschen sind die Krimidinner wie Karl May. Niemand weiß so genau, wie es in der schottischen Adelswelt vor 60 Jahren so zuging. Man kann sich aber gut vorstellen, dass es genauso war, wie Alexandra Stamm ihre Stücke schreibt und inszeniert – auch wenn man sich im Schloss Sayn in der Nähe von Koblenz befindet. Stamm ist die Gründerin von „Das Original Krimidinner“. Das mit dem Original ist ihr wichtig. Denn längst gibt es viele Nachahmer. Mitbewunderer nennt sie die.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Stamm ist gelernte Schauspielerin. Die Österreicherin hat am Mozarteum in Salzburg gelernt, hatte ein Engagement in Heilbronn, wurde damit aber nicht recht warm. „Ich hatte zu viel Energie, ich konnte mich in der Gruppe nicht unterordnen und nur die Ideen von anderen umsetzen“, sagt Stamm. „Die eigene Kreativität geht dabei kaputt.“ Bis sie ihre eigene Chefin wird, dauert es jedoch ein paar Jahre. In Berlin lernt sie ihren Mann Thomas kennen. Der hat dort Shows veranstaltet, Stamm hat mitgeholfen. Und in ihr reifte ein Gedanke: Das klassische Schauspiel hatte für sie zu wenig Platz für Kreativität, das reine Improvisationstheater zu viel. Eine Mischung musste her. Und in Kombination mit ihrer Liebe zu gutem Essen und zu Krimis entstand die Idee des Krimidinner.

          „Wir wussten natürlich gar nicht wie das ankommt, aber wir haben in Essen das Stiftshaus gemietet, den Termin festgelegt und dann habe ich angefangen, mein erstes Theaterstück zu schreiben“, sagt die 53 Jahre alte Stamm. „Ein Leichenschmaus“ entstand. Die Testamentseröffnung zum Tod von Lord Ashtonburry. Das Testament darf ein Zuschauer in der Rolle des Notars vortragen. Der Arzt wird ebenfalls aus dem Publikum rekrutiert. Die Interaktion ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Stücke. „Das ist eine große Herausforderung für die Schauspieler“, sagt Stamm, die anfangs auch selbst mitgespielt oder Regie geführt hat. „Im Theater haben sie den Schutz der Wände und des Bühnenbilds und ihren festen Text. Beim Krimidinner spielen sie zwischen den Tischen des Publikums und müssen sehr flexibel auf die Stimmungen reagieren.“

          Wachsende Konkurrenz

          Zwei bis drei Monate im Jahr setzt Stamm als Probezeit an. Wegen des großen Erfolgs gibt es mittlerweile sechs Stücke zu den Ashtonburrys. Das siebte soll im April kommen und „Sherlock Holmes und der Fluch der Ashtonburrys“ heißen. Die Stücke müssen nicht in der chronologischen Reihenfolge geschaut werden. Es gibt aber viele Fans, die alle gesehen haben.

          1,6 Millionen Zuschauer haben seit der Premiere im Jahr 2002 Krimidinner von Alexandra Stamm gesehen. Mehr als 200 Hotels und Restaurants quer durch Deutschland sind Gastgeber. „Die melden sich meist von selbst bei uns, weil wir ein Garant für ein volles Haus sind“, sagt Stamm. Der Gastgeber ist für das Vier-Gänge-Menü zuständig, das die Gäste zwischen den einzelnen Szenen serviert bekommen. Den Rest macht das Krimidinner-Team. „Wir bringen unsere eigenen Kerzenleuchter, Spinnweben, Beleuchtung, Ton, Grablichter und was wir sonst so brauchen mit“, sagt Stamm. Derzeit hat sie Hochsaison. Zehn Schauspielteams sind derzeit gleichzeitig im Land unterwegs. Für jedes Stück werden fünf Schauspieler gebraucht, dazu eine Abendleitung und ein Mitarbeiter für Regie und Technik. Insgesamt 70 Schauspieler hat Stamm unter Vertrag.

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