https://www.faz.net/-gyl-96ak9

Gründerserie : Technologie für den Tatort

Jürgen Marx Bild: privat

Mit seinem Scanner für Fingerabdrücke könnte der Koblenzer Jürgen Marx eine wichtige Arbeit der Polizei revolutionieren. Auch das BKA scheint interessiert zu sein.

          Wenn Jürgen Marx Erfolg haben sollte, wird kein Tatort mehr so sein wie früher. Männer und Frauen, die in weißen Ganzkörperschutzanzügen Kohlestaub pinseln, um Fingerspuren zu finden, werden dann der Vergangenheit angehören. Marx hat eine Maschine entwickelt, einen Laserscanner, mit der die Forensik in das digitale Zeitalter gehoben werden könnte. Fingerabdrücke werden nicht mehr mühsam bepinselt – und damit berührt – sondern gescannt, dreidimensional erfasst und digitalisiert. Lange dürfte es laut Marx nicht mehr dauern, bis diese Vision Formen annimmt. Die Probeläufe seien so gut wie abgeschlossen, bis auf das Design stehe die Maschine. In den nächsten Wochen will das Bundeskriminalamt (BKA) den Scanner testen. In diesem Jahr will Marx die ersten Geräte an die Polizei ausliefern.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Marx selbst könnte als Tatort-Kommissar durchgehen, mit seinen nach hinten zum Zopf gebundenen grauen Locken und seiner schwarzen Motorradlederjacke über dem schwarzen Hemd. Aber der 55 Jahre alte Koblenzer ist kein Polizist, sondern Elektromeister. Beim Lebensmittelkonzern Mars hat er sich lange um die Messtechnik in der Produktion gekümmert, 2005 macht er sich selbständig. Um eigene Projekte umsetzen zu können, wie er sagt. Die Arbeit bei Mars habe ihm gefallen, aber als das Unternehmen zum wiederholten Male ein Programm mit üppiger Abfindung bot, habe er die Chance genutzt. Mit einer Handvoll Mitarbeiter entwickelte er Regel- und Messtechnik für kleinere Industriebetriebe. Währenddessen kam die Idee zum Scannen von Fingerabdrücken auf. Ein erstes Unternehmen zur Entwicklung eines Scanners scheitert, Marx und seine ehemaliger Partner trennen sich, Marx machte allein weiter, sucht Investoren und gründete 2015 Scanovis.

          „Viele Leute denken, dass es solche Technik schon lange gibt“

          Ein vergleichbares Angebot gebe es nicht, sagt Marx. Der Scanner würde die Arbeit von Polizei, Geheimdiensten, Prüflaboren und Industrieunternehmen erheblich erleichtern und schneller machen. Der Laser-Scanner kann nach Marx’ Worten Fingerabdrücke anders als bisher berührungslos sichtbar machen, und zwar dreidimensional, in Minutenschnelle und auf nahezu allen Materialien. Dazu macht sich der Entwickler die Tatsache zunutze, dass Fingerfett Strahlung einer bestimmten Wellenlänge im Infrarotbereich absorbiert. Ein entsprechend eingestellter Laser kann also Fingerspuren erkennen, wo das bloße Auge keine sieht. Er kann sie vermessen und von anderen Substanzen unterscheiden. Die Wirksamkeit sei durch mehrere Expertisen nachgewiesen. Außerdem hat er in Deutschland und Amerika – nach Marx Worten der wichtigste Markt für Forensik – ein Patent auf die Technik erhalten. Seine ehemaligen Partner aus Koblenz, die einzig relevante Konkurrenz, arbeite mit Kameras und nicht mit Scannern – die Ergebnisse seien also „nur zweidimensional“, die Geräte zudem erheblich teurer.

          Weitere Themen

          Cyberkriminelle erpressen Krauss Maffei

          F.A.Z. exklusiv : Cyberkriminelle erpressen Krauss Maffei

          1800 Mitarbeiter hat Krauss Maffei in München. Sie mussten die Produktion drosseln, weil Hacker die Unternehmenscomputer lahmgelegt haben. Nach Informationen der F.A.Z. gibt es eine Lösegeldforderung.

          Topmeldungen

          Salafismus : Die freiwillige Ausreise des Gefährders Halil D.

          Halil D. wurde verdächtigt, einen Anschlag auf ein Radrennen in Frankfurt geplant zu haben. Nach seiner Freilassung galt er als einer der gefährlichsten Islamisten in Nordrhein-Westfalen. Nun ist er seiner Familie in die Türkei gefolgt.

          Anleihekäufe der EZB : Nun sollte Schluss sein!

          Für mehr als zwei Billionen Euro haben die Notenbanken der Währungsunion Staatsschulden gekauft. Sie durften das, befinden Europas höchste Richter. Das bedeutet aber nicht, dass das eine gute Idee war. Eine Analyse.

          Brexit-Abkommen : Unterhaus soll vor dem 21. Januar abstimmen

          Am Montag hatte die britische Premierministerin Theresa May das Unterhaus-Votum über das Brexit-Abkommen wegen mangelnder Erfolgsaussichten verschoben. Für den Außenhandelsverband ist der Brexit ein „Schlamassel“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.