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Gründung für die Finanzwelt : Der Hedgefonds-Pionier ist noch nicht satt

  • -Aktualisiert am

Wolfgang Stolz Bild: Wolfgang Eilmes

Der ehemalige Investmentbanker Wolfgang Stolz lenkt Anlagegeld der Versicherer in die Realwirtschaft. Sein Unternehmen Prime Capital profitiert davon, dass Banken kaum noch langfristige Kredite vergeben.

          Vor zehn Jahren hat Wolfgang Stolz das Investmenthaus Prime Capital gegründet. Damals, zwei Jahre vor Ausbruch der Finanzkrise, war es ungewöhnlich, dass Banker sich selbständig machten, zumal Stolz als Mitglied der europäischen Geschäftsleitung der Schweizer Großbank UBS in London prächtig verdiente und in der Spitze für 120 Investmentbanker verantwortlich war. Aber dem gebürtigen Hamburger fehlte zunehmend die Balance. „Ich habe nicht geahnt, dass 2008 mit der Insolvenz von Lehman eine Finanzkrise ausbrechen würde“, sagt Stolz. „Aber mir ging gegen den Strich, dass in der UBS Investment Bank über Jahre aufgebaute Reserven plötzlich aufgelöst wurden, erstmalig im Vorfeld prozentual festgelegte Boni für vermeintliche Erfolgsgeschäfte flossen und sich damit der Schwerpunkt vom kundengeprägten zum handelsgetriebenen Investmentbanking verschob“, erinnert sich der heute 53 Jahre alte Stolz.

          Schon als Dreizehnjähriger hatte er seine ersten Aktien (AEG und Lufthansa) gekauft, bald kamen Optionsscheine hinzu, gerne auch auf Kredit. 1987 im Börsencrash war der Kredit plötzlich größer als die Vermögenswerte - die Lektion in Sachen Risikomanagement saß. Nach dem Einser-Abitur ging er zur Deutschen Bank, genoss dort eine sehr gute Ausbildung und betreute Fonds, die nicht nur Aktien und Anleihen kaufen, sondern auch Infrastruktur und sich wegen ihrer eigenwilligen Strategien für „alternativ“ halten: Hedgefonds wie Quellos (heutige Blackrock), Blackstone, Grosvenor, Highbridge, Lighthouse oder York Capital - Namen, die heute in der Finanzwelt bestens bekannt sind. Und Stolz strukturierte diese Fonds so, dass auch Pensionskassen von Dax-Unternehmen sie erstmals kauften.

          Als Stolz 2005 im Alter von 42 Jahren nach 22 Jahren im Bankgeschäft bei der UBS kündigte, wollte er, ermutigt von seiner Ehefrau und gestützt auf seine Kenntnisse und Kontakte zu Hedgefonds, in Deutschland eigentlich eine Vollbank erwerben. Doch Ende 2005 geriet die gewerkschaftliche Hypothekenbank AHBR in Schieflage, der texanische Investor Lone Star übernahm sie, gab aber wenig Eigenkapital, und der deutsche Banken- Einlagensicherungsfonds begrenzte aus Vorsicht die Kreditvergabemöglichkeiten für alle den Eigner wechselnden Banken. Damit war Stolz’ Konzept hinfällig. Er zog sich auf einen Berg zurück, zum Nachdenken, und gründete zwei Monate später mit einem früheren UBS-Kollegen, dem Juristen John Staddon, die Prime Capital AG. Die Idee: kein Eigenhandel wie bei einer Bank, also keine Zockerei, sondern Anlagegeld für Kunden intelligent am Kapitalmarkt investieren oder für die Realwirtschaft mobilisieren. Dafür sucht Prime Capital bis heute für Kunden wie Versicherer den richtigen Durchführungsweg unter regulatorischen, bilanziellen und steuerlichen Gesichtspunkten.

          „Wir hatten einen zu guten Job gemacht“

          Vor dem Bürotag schwingt sich Stolz oft für eineinhalb Stunden aufs Mountainbike. Der Ertrag: ein drahtiger Körper und offenbar gute Ideen. Immer wieder musste er das Geschäftsmodell verändern. Anfangs lief es blendend, nach sechs Monaten hatten ihm dank seines guten Rufs Versicherer schon 2 Milliarden Euro anvertraut, die Stolz in Hedgefonds anlegte. Denn er kannte von 8000 Hedgefonds wie kaum ein Zweiter die besten Manager und verteilte das Geld der Kunden auf Fonds, die sich gut ergänzten. „2008 verlor ich dann die Hälfte meiner Assets“, erinnert er sich an manchen bitteren Moment. „Wir hatten einen zu guten Job gemacht. Nach der blanken Panik an den Märkten nach der Lehman-Pleite waren unsere Kunden mit unseren Fonds noch im Plus und konnten damit woanders Löcher stopfen.“

          Die Finanzwelt hatte sich geändert. „Die Kunden wollen mehr Kontrolle über ihre Vermögenswerte und Sicherheiten“, sagt Stolz. Prime Capital eröffnete neben London eine Dependance in Luxemburg, wo die Gesetze konkursfestere Wertpapiere erlaubten. Verbriefungsgesellschaften sind ein Weg, damit Versicherer in zuvor von Prime Capital auf Risiken abgeklopfte Anlagen wie Hedgefonds, Kredite und Realwerte wie Solar- und Windparks investieren können. Auch Fonds und operative Gesellschaften kann man bieten, nachdem Prime Capital in den ersten sieben Jahren keine Gewinne ausschüttete, sondern zweistellige Millionenbeträge in die Risikomanagementsysteme investierte. Inzwischen sammelt man auch privates Fremdkapital ein, für Flugzeuge und Infrastruktur wie Krankenhäuser, künftig auch für gewerbliche Immobilien. Dieses Geschäft wächst gerade stark, weil Banken wegen eines Übermaßes an Regulierung, wie Stolz meint, kaum noch langfristige Kredite vergeben.

          Auch deshalb gehört Prime Capital zu den wenigen Erfolgsgeschichten am Frankfurter Finanzplatz. 6 Milliarden Euro werden verwaltet - bis Ende 2017 werden es gut 8 Milliarden Euro sein, wenn die bestehenden Mandate voll investiert sind. Mit 50 meist hochspezialisierten Mitarbeitern ist man recht schlank, nur die Geschäftsleitung wirkt nach einigen Zugängen aufgebläht. „Besonders in einem schnell wachsenden und dynamischen Unternehmen ist ein breit aufgestelltes, erfahrenes und aktiv eingebundenes Senior Management von großem Vorteil“, sagt Stolz. Den Kundenkontakt kann er nun seit 18 Monaten weitgehend Andreas Kalusche, einem ehemaligen Banker von JP Morgan, überlassen. Stolz hat sich strategischen Optionen zugewandt. „Ich prüfe derzeit Partner für einen Zusammenschluss“, berichtet Stolz.

          Was treibt ihn noch an? „Durch einen Zusammenschluss soll Prime Capital die Angebotspalette erweitern und die verwalteten Gelder von sechs auf 15 bis 20 Milliarden Euro steigern“, nennt Stolz als Ziel.

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