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Gründerserie : World Wide Wein

Felix Gärtner, Max Gärtner und Daniel Nitz (von links nach rechts) Bild: Marcus Kaufhold

Drei Jungunternehmer aus dem Rheingau wollen den Weinverkauf im Internet revolutionieren. Und mit ausgeklügelten Algorithmen den Geschmack der Kunden genau treffen.

          Max Gärtner ist ein nüchterner junger Mann. Besonnen, analytisch, schnell im Kopf, bedacht im Handeln. Als junger Unternehmensberater war er ganz ohne Frage einer, auf den sein Arbeitgeber große Stücke halten konnte. Aber er ist nicht mehr Berater, auch wenn er, wie er freimütig sagt, mit dieser Arbeit aktuell vermutlich mehr verdienen würde - genauso wie seine Mitstreiter, sein Bruder Felix Gärtner und der gemeinsame Freund Daniel Nitz. Alle drei sind hervorragend ausgebildet: Max, heute 34 Jahre alt, Medienwirt mit MBA und vier Jahren Beratererfahrung bei Bain, Felix (29) Betriebswirt mit Abschluss der European Business School und Daniel Nitz (30) Mediengestalter und Softwareentwickler. „Wir bekämen einen Job, wenn wir ihn wollten“, sagt Gärtner. Aber die drei wollen nicht. Sie wollen, man kann das so sagen, den Weinverkauf revolutionieren. Nicht nur Wein über das Internet verkaufen, sondern mit Hilfe von Daten und ausgeklügelten Algorithmen den Geschmack der Kundschaft derart gut treffen, dass das Geschäft allein schon über zielsichere Empfehlungen ein Erfolg wird.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Dass der Anfang gelungen ist, darüber gibt es heute, vier Jahre nach der Gründung ihres Unternehmens Vicampo, keine Zweifel. In kurzer Zeit hat sich ihr Unternehmen zum größten Anbieter von Winzerweinen in Deutschland entwickelt, mit aktuell 12.000 Weinen von 1000 Winzern im Angebot, mehr als 100.000 Kunden und einem Jahresumsatz von 20 Millionen Euro. Vor zwei Jahren noch waren es „nur“ 4,5 Millionen. Das Geheimnis seien Geschwindigkeit, Flexibilität und Technologie. Denn darauf legt Gärtner Wert: Vicampo sei nicht nur ein Weinvermittler, Vicampo sei ein Technologieunternehmen.

          Die Idee dazu hatte eigentlich sein Bruder Felix. Die beiden Arztsöhne sind im Rheingau aufgewachsen, im Weinörtchen Eltville nahe Wiesbaden. Dort hätten sie Winzer und ihre Weine zu schätzen gelernt. Felix habe während des Studiums einen Online-Shop für Rheingauer Weine namens Weinwelt Rheingau gegründet und dort gelernt, wie man es nicht macht. Nämlich nur mit eigenem Lager, eigenem Einkauf und einer Menge gebundenem Kapital. Gemeinsam mit Daniel Nitz und zwei Bekannten entwickelten die Brüder das Verkaufsportal „Wine in Black“. Bald trennten sich jedoch ihre Wege. Zwei gingen nach Berlin und bauen dort Wine in Black als Shoppingclub weiter aus. Die Gärtners und Nitz blieben in Mainz und gründeten Vicampo als Handelsplattform für Winzerweine.

          Zum Winzer fahren und den Kofferraum vollpacken? Das ist out!

          Die Vicampo-Gründer residieren heute passend in einem historischen Weinlager im Zollhafen von Mainz: einem kernsanierten schicken Sandsteinbau, alter Industriecharme und Blick auf den Rhein inklusive. Im eigenen Lager haben sie nur „Schnelldreher und Probierpakete“, wie Gärtner sagt. Die andere Hälfte der verkauften Weine versenden die Winzer selbst. Wobei sich nicht nur deutsche Winzer auf Vicampo präsentieren, auch immer mehr Ausländer und Exklusivimporteure kämen dazu. Auch das unterscheide Vicampo von Wettbewerbern.

          70 Leute arbeiten aktuell in Mainz, zwischen 500 und 1500 Bestellungen würden jeden Tag abgearbeitet.

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