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Gründerserie : Start-up-Atmosphäre kann man mieten

Jan Hoffmann-Keining (links) und Julian Jost Bild: Matthias Lüdecke

Zwei jungen Unternehmensberatern gingen die ewigen, uninspirierenden Konferenzräume auf die nerven. Das muss nicht so sein, fanden sie und gründeten „Spacebase“.

          Wie viele Stunden sie in irgendwelchen eintönigen Konferenzräumen verbracht haben, können Julian Jost und Jan Hoffmann-Keining nicht genau sagen. Es waren viele. Zwei Jahre lang haben sie als Unternehmensberater bei Roland Berger gearbeitet, in Konferenzen gesessen und Workshops organisiert. Inspirierend fanden sie die Atmosphäre in den Räumlichkeiten der Großkonzerne und Businesshotels nie - im Gegenteil. „Je mehr Zeit wir in den immergleichen Konferenzräumen verbrachten, umso häufiger fragten wir uns: Muss das denn so sein?“, sagt Hoffmann-Keining.

          Maja Brankovic

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick in die Arbeitskultur vieler junger Unternehmen. Start-ups siedeln sich nicht in den öden Büros der Gewerbegebiete an, sie konferieren nicht in den langweiligen Räumen der Businesshotels. In den urbanen Wohnvierteln von Hamburg oder Berlin arbeiten die Menschen in einer kreativeren, dynamischeren Umgebung - und entwickeln immer wieder innovative Ideen. Eigene Konferenzräume stehen vielen dieser Unternehmen nicht zur Verfügung. Auf die klassischen möchten sie dennoch nicht zurückgreifen. Müssen sie auch nicht. „Es ist ja nicht so, dass es weit und breit nur langweilige Konferenzräume gibt“, erklärt Jost. Jede Stadt habe schöne, spannende Räumlichkeiten für Treffen zu bieten.

          Mit „Spacebase“ haben Jost, Hoffmann-Keining und der schwedische Reiseunternehmer und Investor Stephan Ekbergh eine Buchungsplattform gegründet, die sich ebendieser Aufgabe widmet: Über den gleichnamigen Online-Marktplatz erhalten Unternehmen und andere Veranstalter Zugang zu individuellen und einzigartigen Räumlichkeiten. Innerhalb von 45 Sekunden, so das Versprechen, lässt sich so ein individueller Konferenzort - mit oder ohne Extras wie Beamer, Speisen oder Kaffee - buchen.

          Mehr als 2000 Räume im Sortiment

          Seit zwei Jahren ist das Angebot nun online. Neben den Gründern arbeiten 14 weitere Angestellte am Sitz in Berlin-Kreuzberg. Ekbergh, der das junge Unternehmen bislang mit einer Finanzierung im siebenstelligen Bereich versorgt hat, beteiligt sich nicht am operativen Geschäft. Mehr als 2000 Räume in 30 Städten in zwölf Ländern hat „Spacebase“ aktuell im Sortiment - seit November auch in den Vereinigten Staaten. Neue Räume, die von einem festen Team gesichtet werden, kommen im Wochentakt dazu.

          Auch die Nachfrage nach originellen Konferenzräumen wächst. „In den letzten zehn Monaten hat sich die Anzahl der monatlichen Buchungen auf unserer Website mehr als vervierfacht“, berichtet Hoffmann-Keining. Nicht nur Start-ups nutzen den Dienst. Zu den Kunden gehören auch der Pharmakonzern Merck und die Deutsche Bahn. „Gerade konservativere Unternehmen schätzen unser Angebot“, sagt Jost. Die Erklärung liegt für den Gründer auf der Hand: Für eine kurze Zeit könnten sie so von der Start-up-Atmosphäre profitieren, ohne sie gleich ganz ins Haus holen zu müssen.

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