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Gründerserie : Maklaro kämpft gegen 30.000 Mitbewerber

  • -Aktualisiert am

Nikolai Roth Bild: Henning Bode

Die Makler vor Ort sehen es nicht gern. Aber die Internetplattform Maklaro will beweisen, dass man auch den Immobilienhandel elektronisch abwickeln kann. Den Gründer motivierte sein eigener Frust.

          Einkäufe und Dienstleistungen aller Art werden zunehmend über das Internet abgewickelt. Auch der Wohnungsmarkt hat inzwischen für sich die Digitalisierung entdeckt. Als landesweiten Vorreiter der Branche und mittlerweile größten Online-Immobilienmakler Deutschlands sieht sich Maklaro. Der seit 2014 in Hamburg ansässige Anbieter bietet neben branchenüblicher Betreuung vor Ort umfangreiche digitale Maklerdienstleistungen und eine transparente Arbeitsweise beim Privatverkauf von Wohnimmobilien. Von der Objektdaten-Aufnahme durch einen unabhängigen Gutachter über das Verkaufsexposé und die Besichtigungstermine bis hin zum Vertragsabschluss kümmert sich Maklaro um alle Fragen, die beim Verkauf anstehen. In einem persönlichen Online-Kundenkonto kann jeder Schritt der Vermarktung von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Notarunterschrift nachvollzogen werden. Als Clou des Rundumservices wird ein Bieterverfahren für Kaufinteressenten im Netz offeriert, mit dem in der Regel ein 15 Prozent höherer Verkaufspreis erzielt wird.

          Gegründet wurde das Unternehmen im Juni 2013 unter dem Namen ImCheck24 in Köln. Der Initiator, der aus Göttingen stammende Nikolai Roth, ist bis heute Eigentümer und Geschäftsführer. Der 38-jährige studierte Kommunikationsfachwirt reüssierte bereits mit dem Web-Portal „Carmio“ zum Autoteile-Preisvergleich und mit „Carsale24“ zum Gebrauchtwagen-Verkauf. Zur Gründung seines jüngsten Start-ups motivierte ihn eigener Frust: „Nach mehreren enttäuschenden Erfahrungen mit Immobilienmaklern wollte ich den undurchsichtigen Maklermarkt in die digitale und transparente Welt des Internets übertragen und dadurch die Dienstleistung auf dem Wohnungsmarkt für Verkäufer und Käufer deutlich verbessern.“

          Roths Gedanke war 2013, durch Zentralisierung und vertikale Prozesse im Maklergeschäft höhere Arbeitsteilung, Automatisierung und qualitätsvolleren Service möglich zu machen. „Dafür haben wir uns den Verkaufsprozess einer Immobilie angeschaut, in einzelne Schritte zerlegt und so weit wie möglich digitalisiert. Außerdem die besten Ansätze auf dem Markt herausgenommen, optimiert, automatisiert und digital wieder miteinander verknüpft.“ Als Resultat ergab sich das Internet als zentrale Plattform mit vollautomatisierter Vermarktung und digitalem Käufer-Self-Service, bei dem Interessenten sofort nach der Objektanfrage das Exposé runterladen, sich für einen Besichtigungstermin einbuchen und eigene Gebote zum Preis abgeben können.

          Am Anfang gab es Drohbriefe

          Nach lediglich zwei Monaten Vorlauf meldete Roth im Juni 2013 noch unter der Bezeichnung ImCheck24 seine wohnwirtschaftliche GmbH an, acht Wochen später ging er an den Markt. 2015 nahm er den Diplom-Kaufmann Cord-Christian Nitzsche, einen Produkt- und Prozess-Fachmann, als zweiten Geschäftsführer auf. Seit 2016 präsentiert sich das Unternehmen nach einer Kundenbefragung mit seinem neuen Namen Maklaro. Zu Beginn wurde sehr viel in Technik und Marketing investiert. Das erste halbe Jahr habe er die Firma allein finanziert, sagt Nikolai Roth. Anfang 2014 seien Business Angels dazugekommen und zum Ende desselben Jahres der Innovationsstarterfond Hamburg, in 2016 dann auch das Maklerunternehmen Jones Lang LaSalle (JLL) als Investor. Insgesamt wurde in dieser Zeit eine Summe im niedrigen siebenstelligen Euro-Bereich bereitgestellt.

          Zielgruppe von Maklaro sind private Verkäufer von Wohnimmobilien speziell in nachfragestarken Metropolen. Maklaro ernährt sich von den Maklergebühren, welche die Käufer beim Erwerb einer Immobilie zahlen. In der Regel sind das 3,57 Prozent des Verkaufspreises einschließlich Mehrwertsteuer. Gewinn macht das Unternehmen bisher noch nicht. Die schwarze Null stehe aber unmittelbar bevor, sagt Roth und ergänzt: „Die neue Währung ist der Unternehmenswert. Wir streben daher in erster Linie nach einem hohen Wachstum.“

          Roth erzählt von anfänglichen Abmahnungen und Drohbriefen aus der Branche. „Viele Marktbegleiter wollten uns bereits im Keim ersticken, weil sie nicht verstanden haben, dass man die Digitalisierung nicht aufhalten kann.“ Mittlerweile habe sich das aber erfreulicherweise beruhigt. Auf operativer Ebene sei die größte Schwierigkeit gewesen, als Immobilienmakler zentral deutschlandweit aktiv zu werden, ohne eine Vielzahl von kostenintensiven Ladengeschäften zu eröffnen. Für alle Schritte, die beim Immobilienverkauf noch keine komplette Digitalisierung zulassen wie Objektaufnahme oder Besichtigungs- und Notar-Termine, mussten daher vor Ort zuverlässige Partner gefunden werden. Als Schwierigkeit bleibt, ohne Kontakt von Angesicht zu Angesicht über das Internet ausreichend Vertrauen bei Immobilieneigentümern aufzubauen. Hier helfen Kundenbewertungen und transparente Arbeitsweise.

          Nächste Ziele: Österreich und die Schweiz

          Nikolai Roth war zunächst Alleinkämpfer: „Prototyp und Proof of Concept gingen auf meine Kappe. Danach habe ich die ersten Mitarbeiter eingestellt. Aktuell beschäftigen wir 12 Festangestellte, 5 Werkstudenten und etwa 150 freie Immobilienberater in ganz Deutschland für die Besichtigungstermine.“

          Roth spricht von etwa 30.000 Immobilienmaklern in Deutschland als Konkurrenten. Im Rahmen der Einführung des Bestellerprinzips im Mietmarkt vor zwei Jahren hätten zusätzlich viele Unternehmen auf den Markt gedrängt. Die Mehrzahl sei zwar wieder verschwunden. Doch bis heute wachse insbesondere in Metropolen mit hoher Nachfrage nach Immobilien die Zahl der Mitbewerber. Roth vertraut in dieser Hinsicht auf sein Alleinstellungsmerkmal: „Durch die digitale Abwicklung der meisten Schritte des Immobilienverkaufs sowie die Optimierung von Prozessen kann Maklaro ein effizientes System zum erfolgreichen Verkauf von Immobilien in ganz Deutschland anbieten.“ Interessantes Terrain für sein Geschäft sieht Roth auch in Österreich und in der Schweiz. Er denkt daran, in absehbarer Zeit dort ebenfalls den Immobilienverkauf nachhaltig zu verändern, indem er ihn digitalisiert.

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