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Gründerserie : Hightech für den Segelsport

Alex Zaininger (links), Brian Conolly (Mitte) und David Crow Bild: Christoph Hein

Die junge australische Bekleidungsfirma Zhik ist vor allem Regattaprofis ein Begriff. Das wollen die drei Männer an der Spitze ändern – und zum Massenanbieter werden.

          Der Winter verabschiedet sich, die Segler riggen ihre Boote auf, im April ist Ansegeln auf Stauseen, auf den Alpseen und auf der Förde. Das ist die Zeit, wo man auch als Jollensegler vernünftige Ausrüstung braucht: Goretex-Jacken, Overalls, wasserdichte Hose, Stiefel, Handschuhe. Immer öfter kommen diese Utensilien vom anderen Ende der Welt – aus Sydney. Dort sitzen im Obergeschoss eines alten Ziegelbaus in Norden der Stadt drei Männer, welche die Segelwelt revolutionieren wollen. Sie haben es abgesehen auf Traditionshersteller von Segelbekleidung wie Musto, Gill oder Henry Lloyd. „Zhik soll schon eine der großen Marken werden“, sagt Brian Conolly. „Und wir müssen lange nicht beim Segelsport aufhören.“ Dort aber hat er 2003 angefangen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Nach dem Studium in Sydney konzentrierte sich der Computeringenieur zunächst auf den Aufbau von Lake Technology, die schnell im Bereich der Audio-Technik wuchs und 1999 an die Börse ging. Nachdem er sein Unternehmen 2003 an Dolby Laboratories verkauft hatte, blieb ihm zunächst das Segeln – auf der schnellen Ein-Mann-Jolle Laser. Das Segeln, insbesondere die Technik dahinter, fesselten ihn. „Aber mir war auch schnell klar, dass in diesem Sport enorme Fortschritte durch eine bessere Ausrüstung möglich wären“, sagt der 53 Jahre alte Conolly im Gespräch mit der F.A.Z.

          Sein technisches Verständnis, sein guter Riecher für die richtige Strategie und sein Interesse an Marketing und Design kamen zusammen – er gründete noch einmal ein Unternehmen, diesmal für Bekleidung: „Zuallererst brauchte ich einen passenden Namen dafür. Er sollte kurz und einprägsam sein. Aber 2003, als ich Zhik gegründet habe, waren praktisch alle Kombinationen aus vier Buchstaben, die Sinn machten und weltweit akzeptabel waren, schon vergeben“, erzählt Conolly. „Unser Name sollte Geschwindigkeit ausdrücken, Spitzentechnologie, das Überschreiten von Grenzen.“ Also erfand er den Kunstnamen, der gut dreizehn Jahr später auf der Ausrüstung von 17 der 30 Medaillen-Gewinner der Segelwettbewerbe von Rio prangen sollte.

          Atmosphäre wie im Garagen-Start-up

          Die Macher von Zhik wissen ganz genau, dass die Athleten ihnen Aufmerksamkeit verschaffen. Doch sie wissen auch, dass das große Geld im Segeln auf den großen Yachten liegt. Also erarbeiten sie sich auch dort einen Kundenstamm: Sie entwickeln die Ausrüstung für die Seesegler der Yachten Akzo-Nobel und Dongfeng im beachteten Volvo-Ocean-Race, das unter härtesten Bedingungen rund um die Erde führt – mehr als 4500 hochentwickelte Einzelteile für die Crew eines Schiffes.

          Sage noch einer, dass Unternehmensgründer und Computerspezialisten emotionsfrei arbeiteten: „Bis heute besitze ich den Zettel, auf dem ich den Namen Zhik zum ersten Mal notiert habe“, sagt Conolly. Die Werbetrommel aber versagt, wenn die Produkte nicht halten, was ihre Macher versprechen. Um das zu erreichen, geben sich in der oberen Etage des schmucklosen Baus von Zhik Spitzenathleten die Klinke in die Hand. Die Atmosphäre hier wirkt wie in einem Garagen-Start-up in Palo Alto: die Küche offen und mit Holzbrettern verkleidet, Sofas, auf denen man sich lümmeln kann. Dahinter aber liegt die Test-Schneiderei, die sich in Absprache mit den Spitzen-Seglern an extremen Entwürfen versucht. Die Massenprodukte werden dann in China und Japan, aber auch in Portugal, Polen und Taiwan geschneidert.

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