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Gründerserie : Herzblatt-Spiel um den Traumberuf

Samuel Ju, Fabian Schebanek und Clemens Reichel (von links) Bild: Claus Setzer

Was kommt raus, wenn ein frustrierter Headhunter, ein Jurist und ein Computerfreak sich zusammentun? Ein Algorithmus, der im Internet perfekte Paare aus Chef und Mitarbeiter sucht.

          Das Tech Quartier im Frankfurter Pollux-Hochhaus sieht aus, wie man sich einen sogenannten Co-Working-Space vorstellt: Junge Menschen in Jeans sitzen in Großraumbüros an Laptops, viele haben ein Glas Latte macchiato neben sich stehen. Wer in Ruhe telefonieren möchte, zieht sich in verglaste Telefonzellen zurück, in denen man statt auf Stühlen auf ausrangierten Flugzeugsesseln Platz nehmen kann. In der zweiten Etage hinten rechts haben Clemens Reichel, Samuel Ju und Fabian Schebanek zwei Großraumbüros angemietet. Nicht monatsweise, wie die meisten anderen hier im Büro ihre Schreibtische buchen, sondern dauerhaft. Denn hier sitzt die Unternehmenszentrale ihres Start-ups „Mobilehead“, hier arbeiten sie täglich mit ihren mittlerweile 15 Festangestellten. Konferenzraum, Kaffeebar und Telefonzellen vom Co-Working-Space nutzen sie mit.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Ein „frustrierter Headhunter“ sei er einst gewesen, bevor er sein eigenes Start-up gründete, sagt Clemens Reichel, 44 Jahre alt. „Ich habe meinen Beruf nicht geliebt.“ Es habe „Verkaufsdruck“ gegeben, von beiden Seiten. „Man musste Unternehmen wie Kandidaten in ein positives Licht rücken. Eigentlich hat man ständig allen etwas vorgemacht.“ Das Schlimmste: „Es war noch nicht mal immer erfolgreich.“ Denn wenn ein Kandidat, den ein Headhunter vermittelt hat, während der Probezeit kündigt, muss die Vermittlungsprämie wieder zurückgezahlt werden. Heute liebt Clemens Reichel seinen Beruf. Headhunter ist der 44-Jährige noch immer, aber ganz anders als früher. Zusammen mit dem 34 Jahre alten Juristen Ju und dem 32 Jahre alten Grafikdesigner und Programmierer Schebanek hat er im Jahr 2015 sein eigenes Personalvermittlungsunternehmen gegründet; ein sogenanntes HR-Tech, also ein technologiebasiertes Start-up für die Personalarbeit.

          Das Besondere: Nicht die drei Gründer und ihre Mitarbeiter führen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen – sondern ein Algorithmus. Deshalb müssen Reichel, Ju und Schebanek ihre Kandidaten nicht länger mit lästigen Anrufen am Arbeitsplatz bedrängen. Sie brauchen auch nicht mehr „Können Sie gerade sprechen?“ in den Hörer zu säuseln. „Stattdessen kann sich zum Beispiel ein Anwalt, der nach einem nervigen Arbeitstag in der S-Bahn nach Hause fährt, ganz einfach auf seinem Smartphone Alternativ-Arbeitgeber durchsehen, die speziell an ihm interessiert sind“, sagt Reichel. Das läuft ähnlich ab wie bei Tinder. Der Arbeitgeber hinterlegt im Internet ein Wunschprofil von einem Kandidaten, zum Beispiel, was er studiert haben sollte, welche Abschlussnote er mindestens haben sollte oder für welchen Arbeitsort er jemanden sucht. Er hinterlegt auch, was er dem Kandidaten bieten würde, zum Beispiel, welches Gehalt er zu zahlen bereit ist. Der Kandidat füttert die Plattform ebenfalls mit seinem Profil: Was hat er studiert, wo will er wohnen, was verdienen? Passen zwei Profile zusammen, gibt es ein „Match“. Der Anwalt in der S-Bahn kann sofort über sein Handy mit der Kanzlei chatten, die an ihm interessiert ist. „Anschreiben und sonstige Formalitäten werden komplett überflüssig“, sagt Reichel. „Die Parteien kommen online ins Gespräch und verabreden sich in der Regel direkt zu einem Vorstellungstermin.“

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