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Gründerserie : Das Millionengeschäft mit den Leerpaletten

Innovativ: Maximilian von Haller (links) und Andreas Günkel Bild: Claus Setzer

Leere Paletten, Kisten und Container sind nicht immer da, wo sie gebraucht werden. Die Internetbörse Swoplo hilft, teure Fahrten mit Leergut zu vermeiden.

          Fünf Gründer: 14, 18, 18, 20, 21. Das ist nicht ihr Lebensalter, wie man bei einem Start-up vielleicht erwarten könnte. Das sind die Jahre an einschlägiger Berufserfahrung, die sie mitbringen. Mit Maximilian von Haller (63 Jahre), Thomas Hahn (43) und Michael Schauer (40) haben drei der fünf Gründer der Swoplo AG jahrzehntelange Erfahrung im operativen Geschäft mit Lademitteln, umgangssprachlich würde man auch Leergut sagen. Das klingt zunächst wenig attraktiv: leere Paletten, Container, Obst- oder Fleischkisten stehen meist nur im Weg, fehlen, wo sie gebraucht werden, und bereiten viel Arbeit. Dabei sind genormte Lademittel ein zentraler Faktor der modernen Wirtschaft. Die internationale Arbeitsteilung, „just in time“ oder die Digitalisierung der Produktion sind ohne genormte Lademittel undenkbar. Allein von der gabelstaplerfähigen, genormten (DIN 13698) Europalette sind in Europa eine halbe Milliarde Stück im Umlauf. Jährlich kommen allein in Deutschland 70 Millionen neue Europaletten hinzu. Die Abertausenden Obstkisten, Fleischkisten, Gitterboxen und Container sind dabei nicht mitgezählt.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Normalerweise werden diese Lademittel (oder offiziell Mehrwegtransportverpackungen) immer wieder ausgetauscht. Der Spediteur liefert bei dem Kunden 100 Paletten voller Ware ab und nimmt im Gegenzug wieder 100 Leerpaletten mit zurück. Das klappt aber nur selten. Entweder hat der Entlader keine 100 Leerpaletten, oder der Lastwagenfahrer kann sie nicht mitnehmen, weil sein Laderaum auch auf der Rückfahrt mit neuer Fracht ausgefüllt ist. So entstehen Differenzen, und vom Urverlader über den Spediteur bis zum Entlader müssen alle eine komplizierte Lademittelbuchhaltung führen mit bei großen Unternehmen Tausenden von Konten. Jeder hat am Ende Forderungen an oder Verpflichtungen zur Lieferung von Leerpaletten.

          Um die Konten auszugleichen, müssen Millionen Lademittel leer transportiert werden, und das zum Teil über große Strecken. Das Ganze ließe sich vermeiden, wenn es eine zentrale Stelle gäbe, die über alle Lademittelbestände Bescheid wüsste. Dann würde der Betrieb in München feststellen, dass in der Nähe seines Hamburger Lieferanten jemand ist, der zu viele Leerpaletten hat, und würde dem die Paletten abkaufen mit dem Ziel, sie seinem Hamburger Lieferanten um die Ecke zu liefern. Die Fahrt München – Hamburg mit Leergut wäre überflüssig geworden, der rein physische Tausch (Rückführung) durch einen monetären Kauf weitgehend ersetzt.

          Das System macht automatisch kostengünstige Tauschvorschläge

          Genau hier setzt Swoplo aus Eschborn bei Frankfurt ein; der Firmenname setzt sich zusammen aus dem englischen Wort swop für Tausch und der Abkürzung lo für Logistik. Auf der Internetplattform kann jedes Unternehmen seine Ladegutkonten führen. Jedermann kann also einsehen, wo Bedarf und wo Überschuss an Leergut herrscht. Darüber hinaus macht das System den Teilnehmern sogar automatisch kostengünstige Tauschvorschläge. Dafür brauchten die Logistikexperten einen erfahrenen IT-Experten und fanden ihn in der Person von Björn Falszewski – mit 37 Jahren der Jüngste unter den fünf Gründern. Der zuvor als Berater in der Branche tätige Wirtschaftsprüfer Andreas Günkel (49) kam als fünfter hinzu. Günkel leitet das Unternehmen heute als Vorstandsvorsitzender.

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